Plastikabfall Sächsische Firma will Müll zu Diesel machen

Mit Müll verschmutzte Küsten sind weltweit ein Problem. Eine Firma aus der Nähe von Dresden hat nun ein Verfahren entwickelt, um aus Plastikabfällen Diesel herzustellen. Experten sehen allerdings beim Praxiseinsatz einen Haken.

Oliver Riedel ist Geschäftsführer des Unternehmens Biofabrik
Robert Michael / dpa-Zentralbild / dpa

Oliver Riedel ist Geschäftsführer des Unternehmens Biofabrik


Die Gleichung ist im Prinzip ganz einfach: "Ein Kilo Plastik ergibt etwa einen Liter Kraftstoff", sagt Oliver Riedel. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Biofabrik mit Sitz in Rossendorf bei Dresden. Nach vielen Jahren Forschungsarbeit hat das Unternehmen gerade den Prototypen einer Anlage vorgestellt, die nicht mehr verwertbare Plastikabfälle zu Kraftstoff verarbeiten kann - etwa 250 Kilogramm pro Tag.

"WASTX Plastic" heißt die Anlage - und Riedel hofft, dass sie eines Tages weltweit im Einsatz sein könnte. Seine Vision: Kommunen oder Hotels könnten das Gerät an vermüllten Stränden aufstellen. Touristen und Einheimische, die ihren Plastikmüll hineinschmeißen, würden dann Geld dafür bekommen, etwa über Bezahldienste wie PayPal.

Fischer wiederum könnten Müll aus ihren Netzen entsorgen - oder sich am besten gleich eine Anlage an Bord stellen. "Dann fangen die Leute vielleicht an, mehr Plastik am Strand oder im Meer aufzusammeln", sagt Riedel. So würde nicht nur der Müllberg schrumpfen, sondern zugleich Kraftstoff produziert: Der kann für Schiffe oder Stromgeneratoren verwendet werden. "Denn viele Inseln, die ein Plastikmüllproblem haben, haben auch ein Energieproblem."

Das Verfahren, auf das Riedels Firma setzt, ist im Prinzip nicht neu: Bei der Pyrolyse werden Kunststoffe bei hohen Temperaturen zu Gas oder in Flüssigkeit umgewandelt. Allerdings hat das Unternehmen nun angeblich spezielle Reaktoren entwickelt, in denen die kleingehäckselten Plastikabfälle unter Entzug von Sauerstoff bei 500 Grad erhitzt werden. Abfälle wie Sand und Salz werden herausgefiltert. Am Ende tropft eine dunkle, zähe Flüssigkeit mit Diesel-Eigenschaften heraus.

Selbst Verpackungen mit Lebensmittelresten, Dachpappe oder Fischernetze kann die Anlage zu Öl umwandeln - Dinge, die nicht recycelt werden können und deshalb aktuell zum Großteil verbrannt werden. Kürzlich veröffentlichte Zahlen im "Plastikatlas" der Umweltorganisation BUND sind drastisch: Mehr als 400 Millionen Tonnen Kunststoff werden pro Jahr weltweit hergestellt, zwischen 1950 und 2015 waren es insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen. Nicht einmal ein Zehntel wurde recycelt.

Riedel arbeitet mit einem 25-köpfigen Team aus Wissenschaftlern, Mechatronikern und Ingenieuren. In Asien sah er Berge von Plastikmüll und kam auf die Idee, daraus Kraftstoff zu machen. Ein Jahr lang reiste er durch die Welt, um sich verschiedene Anlagen anzuschauen, erzählt der Geschäftsmann. Was er sah, war meist zu teuer oder zu wenig effizient. "Wir wollten kleine, dezentrale Anlagen, die jeder mit dem Tablet bedienen kann, die profitabel sind und deutsche Umweltstandards erfüllen."

"Eine Wundermaschine kann ich mir schwer vorstellen"

Roman Maletz, der am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden über Kunststoffrecycling forscht, hält die Umwandlung von Plastik in Rohstoffe für einen richtigen Ansatz zur nachhaltigen Verwendung von Kunststoffabfällen. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass die technische Umsetzung schwierig sei. Wirtschaftlich sei das Verfahren nur sinnvoll, wenn man große Anlagen betreibe. Diese wiederum seien aber oft störungsanfällig durch den sehr unterschiedlichen Abfall. "Wenn das eine konkurrenzfähige Technologie wäre, hätte sich das schon viel stärker durchgesetzt", so Maletz.

Zudem sei die Umwandlung ein energieintensiver Prozess. Maletz sieht daher vor allem Potenzial bei großen Energiekonzernen, die Anlagen in ihre Prozesse einbinden könnten. So will etwa der Chemiekonzern BASF mit dem Projekt "ChemCycling" aus Kunststoffen Synthesegas oder Öle herstellen, die fossile Rohstoffe in der Produktion teils ersetzen sollen. Auch der österreichische Energiekonzern OMV hat ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Plastikabfällen Rohöl gewonnen werden kann. Dabei werden gebrauchte Plastikverpackungen und -folien durch Hitze und Druck zu synthetischem Treibstoff. Pro Stunde können so aus rund 100 Kilogramm Verpackungsmüll 100 Liter Rohöl gewonnen werden.

In den vergangenen zwei Jahren habe sich viel bei der Rückverwandlung von Kunststoffen in seine ursprünglichen Ausgangsbausteine getan, so Maletz. "Aber eine Wundermaschine, wo man allen Plastikabfall reinsteckt und mit einer guten Energiebilanz ein super Öl herauskommt, kann ich mir schwer vorstellen."

chs/dpa



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