Plastikersatz Supermärkte testen essbare Schutzhülle für Früchte

Statt Plastik soll künftig eine essbare Hülle Obst und Gemüse länger frisch halten. Die größten Lebensmittelhändler testen die aufgespritzte Schutzschicht bereits.
Pro Jahr wirft jeder Deutsche im Schnitt 85 Kilogramm Lebensmittel weg

Pro Jahr wirft jeder Deutsche im Schnitt 85 Kilogramm Lebensmittel weg

Foto: Arnulf Hettrich/ imago images

Der Lebensmittelhandel steckt in der Zwickmühle. Plastikverpackungen für Gurken, Avocados und Co. sind für immer mehr Kunden tabu. Doch ohne die schützende Kunststoffhülle werden Obst und Gemüse schneller unansehnlich und damit unverkäuflich.

Deutschlands größte Lebensmittelhändler Edeka und Rewe testen deshalb jetzt neue Techniken, um die empfindliche Ware auch ohne Kunststoffverpackung länger frisch zu halten. Helfen soll eine hauchdünne, essbare Schutzschicht, die direkt auf die Schale der Früchte aufgetragen wird.

Wenn weniger Plastik zu mehr Müll führt

Laut dem Thünen-Institut wirft jeder Deutsche pro Jahr im Schnitt 85 Kilogramm Lebensmittel weg. Bemühungen um Plastikvermeidung haben das Problem eher noch verschärft. Der Verzicht auf Kunststofffolien bei Salatgurken hat laut „Lebensmittel Zeitung“  dazu geführt, dass im vergangenen Herbst deutlich mehr spanische Gurken vernichtet werden mussten, weil sie den langen Transportweg nicht unbeschadet überstanden hatten.

Bereits Ende vergangenen Jahres begann Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka in ausgewählten Supermärkten und Netto-Filialen Avocados zu verkaufen, die mit einer solchen "zweiten Haut" versehen sind. Sie soll den Wasserverlust und das Eindringen von Sauerstoff verlangsamen. Beides sind Hauptursachen für den schnellen Verderb der Früchte.

Dank der Beschichtung sollen die empfindlichen Früchte zwei- bis dreimal so lange frisch bleiben wie ohne den Schutzüberzug. In ersten Märkten sind ab sofort auch Orangen und Mandarinen im Angebot, die mit der neuen Technik länger haltbar gemacht wurden.

Der vom US-Konzern Apeel Sciences entwickelte Schutzmantel besteht laut Hersteller aus rein pflanzlichen Materialien, die in Schalen, Samen und im Fruchtfleisch verschiedener Obst- und Gemüsesorten vorkommen. Er sei geschmacks- und geruchlos und problemlos essbar.

Auch Erdbeeren könnten Schutzhülle bekommen

Der Konkurrent Rewe zieht in diesen Tagen nach - mit Avocados, die mit einem ähnlichen System behandelt sind. Der Überzug besteht hier aus natürlichem Zucker, Zellulose und pflanzlichen Ölen und stammt vom britischen Hersteller AgriCoat NatureSeal. Auch er soll essbar und gut verträglich sein. Die Früchte würden in dieser Woche bereits in bis zu 860 Rewe- und Penny-Märkten verkauft, kündigte das Unternehmen an.

Andere Hersteller arbeiten an ähnlichen Konzepten gegen Lebensmittelverschwendung. Britische Forscher haben beispielsweise einen Sensor entwickelt, der nur wenige Cent kostet und feststellen kann, ob Fleisch und Fisch noch genießbar sind.

Bisher werden die neuen Beschichtungsverfahren in Deutschland nur bei Früchten eingesetzt, deren Schale nicht verzehrt wird. Doch auf Dauer könnte der Überzug auch bei anderen Produkten üblich werden. Das US-Unternehmen Apeel, mit dem Edeka zusammenarbeitet, hat nach eigenen Angaben Rezepturen für 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten entwickelt, darunter Erdbeeren, Tomaten, Äpfel und Paprika. Das Unternehmen bereitet derzeit einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Kommission vor.

koe/dpa