Photonik Mein Pulli, die bunte Leuchtdiode

Ultradünne Leuchtdioden könnten bald nicht nur Handydisplays erhellen: Forscher haben spezielle Fasern entwickelt, die Strom in Licht umwandeln können. Noch hat die Leuchtkraft aber eine kurze Lebensdauer.

Neuer Trend: Lichtaussendende elektrochemische Zellen auf Polymerbasis
Zhitao Zhang

Neuer Trend: Lichtaussendende elektrochemische Zellen auf Polymerbasis


Sie sind einen Millimeter dick, benötigen nur eine geringe Spannung und könnten einen ganz neuen Anblick auf den Straßen schaffen: Selbstleuchtende Fasern, die sich in Textilien einweben lassen. Entwickelt wurden sie von Forschern um Huisheng Peng von der Fudan Universität in Shanghai.

Bei Handydisplays und Fernsehbildschirmen werden ultradünne organische Leuchtdioden (OLED) bereits erfolgreich eingesetzt. Die chinesischen Forscher setzten nun auf ein ähnliches Verfahren für Fasern: lichtaussendende elektrochemische Zellen auf Polymerbasis (PLEC, polymer light-emitting electrochemical cell).

Pullover in Blau oder Gelb

Auf einen feinen Edelstahldraht brachten sie durch einfaches Eintauchen winzige Partikel aus Zinkoxid auf. Auf dieselbe Weise ummantelten sie den Draht mit einer Mischung aus drei polymeren Kunststoffen, die in der Lage sind, Strom in Licht zu wandeln. Die äußere Hülle besteht aus Kohlenstoff-Nanoröhren, die größtenteils lichtdurchlässig sind und auf den rotierenden Draht aufgerollt werden.

Lichtimitierende Fasern: "Geringe Lebensdauer muss verbessert werden"
Huisheng Peng

Lichtimitierende Fasern: "Geringe Lebensdauer muss verbessert werden"

Das Zinkoxid und der Kohlenstoff funktionieren als Elektroden und die Polymerschicht als elektrochemische Zelle. Bereits bei einer angelegten Spannung von neun Volt zeigten die Fasern strahlendes Blau oder Gelb, schreiben die Forscher im Fachjournal "Nature Photonics". Sie sind davon überzeugt, dass die Entwicklung von Fasern mit weiteren Farben nur eine Frage der Zeit sei.

"Die entwickelte Methode ist ein großer Schritt vorwärts hin zur Aufarbeitung lichtaussendender Fasern, die in gewebte Textilien integriert werden können", schreiben Enrique Ortí und Henk Bolink von der Universität in Valencia, Spanien, in einem begleitenden Kommentar. Allerdings sei die gegenwärtige Leistung der Fasern noch unbefriedigend: Bei konstanter Stromdichte verringere sich die Leuchtkraft innerhalb von vier Stunden auf die Hälfte.

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Physik-Nobelpreis 2014: Die Erfinder der blauen Leuchtdiode

nik/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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hirsnemehism 24.03.2015
1. Na super,...
...da kann sich ja dann bald jeder für 'ne "Leuchte" halten! :) In meinen Augen, eine Erfindung die die Welt nicht braucht, zumindest nicht in dieser Form. Oder sollen wir darauf vorbereitet werden, in Bälde ein Pendant zum Tagfahrlicht tragen zu müssen?
bigbubby 24.03.2015
2.
Nur da Sie keinen Nutzen darin sehen. Ich sehe gerade für Jogger, Sportler auf öffentlichen Straßen und Kindern einen großen Vorteil, wenn diese besser sichtbar werden im Straßenverkehr. Genau so lassen sich beliebige weitere Szenarien entwickeln in denen es sinnvoll sein kann, dass man farbig leuchtet. Skibekleidung z.B.
querulant_99 24.03.2015
3.
Zitat von bigbubbyNur da Sie keinen Nutzen darin sehen. Ich sehe gerade für Jogger, Sportler auf öffentlichen Straßen und Kindern einen großen Vorteil, wenn diese besser sichtbar werden im Straßenverkehr. Genau so lassen sich beliebige weitere Szenarien entwickeln in denen es sinnvoll sein kann, dass man farbig leuchtet. Skibekleidung z.B.
Das wichtigste Szenario für Bekleidungshersteller ist wohl, dass die Firmenlogos auch bei Nacht klar erkennbar sind. Drei Leuchtstreifen weisen dann den Weg zum richtigen Hersteller...
celondir 24.03.2015
4. Über den Nutzen..
Ob etwas wirklich nützlich sein wird ist wohl schwer einzuschätzen, aber für genauso unnütz hätte fast jede Erfindung sein können (Färben von Kleidung ist ja im Prinzip sehr ähnlich) Ich denke Nachts, zur Selbstdarstellung und in bestimmten Bereichen (Militär z.B.) hat das Material definitiv Potenzial
Hamberliner 24.03.2015
5. hach, wie cool
Optimal geeignet für Hundehalsbänder. Schon jetzt lässt nach Sonnenuntergang jeder Prolet seinen Köter mit Stroboskophalsband herumlaufen, als ob er den Tower um Starterlaubnis bitten wolle.
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