Forschungsschiff "Polarstern" Tauchroboter ein Jahr allein in der Arktis

Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" hat auf seiner diesjährigen Arktisexpedition neue Technik an Bord. Der Unterwasserroboter "Tramper" soll ein Jahr lang am Meeresboden messen, ohne aufzutauchen.

ROV-Team/ GEOMAR

Für die meisten Menschen ist ein Hausgarten etwas, das man dekorativ vor - oder hinter - den eigenen vier Wänden hat. Etwas, das man hegt und pflegt, zur Freude, zum Stressabbau - oder um bei den Nachbarn mit besonders hübschen Pflanzen protzen zu können.

Deutsche Meeresforscher verstehen unter ihrem Hausgarten dagegen ein Gebiet am Boden der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland. Es liegt genau am Übergang zwischen Nordatlantik und Arktischem Ozean. In 300 bis 5500 Metern Wassertiefe haben sie dort mehr als 20 Messstationen, die sie zusammen mit französischen Kollegen in bisher 20 Expeditionen erkundet haben. Es geht auch um die Beantwortung der Frage, ob und wie der Klimawandel, der in der Arktis für besonders stark steigende Temperaturen sorgt, die Tiefsee beeinflusst.

Die 21. Expedition zum Hausgarten macht sich gerade auf den Weg. Das Forschungsschiff "Polarstern" startet dazu am kommenden Montag mit neuer Technik, später geht es auch nach Grönland und in die Zentralarktis.

An Bord des Schiffs ist diesmal unter anderem der autonome Unterwasserroboter "Tramper", meldet das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Er soll ein Jahr lang jede Woche am Tiefseeboden Sauerstoff messen. Dabei wollen die Forscher Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Bakterien am Meeresboden Biomasse abbauen und Nährstoffe freisetzen. "Tramper" war im Rahmen der Helmholtz-Allianz Robotische Exploration unter Extrembedingungen (Robex) entwickelt worden. Der Roboter soll auf Ketten über den Meeresboden rollen, mit maximal 13 Meter pro Minute.

Erster Test im Pazifik

Der Roboter verfügt über spezielle Schaumblöcke, die ihm Auftrieb verleihen. Im Wasser bringt er deshalb statt 653 Kilogramm Landgewicht nur 20 Kilogramm auf die Waage. Einen ersten Test hat die Technik im vergangenen September im Pazifik vor der Küste von Peru absolviert, in 4150 Metern Tiefe. Damit die Energie des Roboters für ein Jahr in der Tiefsee reicht, fällt er nach jeder wöchentlichen Messung in eine Art Schlaf. Am Ende der Mission wirft er ein Gewicht ab und steigt an die Wasseroberfläche auf, wo er geortet und eingesammelt werden soll.

Neben dem "Tramper" soll bei der Expedition auch das Unterwasserfahrzeug "Paul" zum Einsatz kommen. Es fährt im Wasser einen vorprogrammierten Kurs ab - und misst unter anderem Wassertemperatur, Salzgehalt, Nitrat- und Chlorophyll-Konzentration. Auch Wasserproben für Planktonanalysen auf dem Schiff nimmt das Gerät.

Kunststoffschrott im Wasser

chs



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