Bond-Filmkulisse Legendäres Arecibo-Teleskop ist kollabiert

Am Arecibo-Teleskop in Puerto Rico fand Nobelpreisforschung statt, und es diente als James-Bond-Kulisse. Nun ist das einst größte Radioteleskop der Welt Geschichte.
Ehemaliger Standort des Arecibo-Teleskops in Puerto Rico am 1. Dezember: 305 Meter Durchmesser

Ehemaliger Standort des Arecibo-Teleskops in Puerto Rico am 1. Dezember: 305 Meter Durchmesser

Foto: Ricardo Arduengo / AFP

Das einst weltgrößte Radioteleskop in Puerto Rico ist in sich zusammengefallen. Wegen früherer Schäden war bereits geplant gewesen, das Teleskop am Observatorium in Arecibo zu demontieren – am Dienstag stürzte die 900 Tonnen schwere Instrumentenplattform auf die darunter liegende Schüssel hinab, wie die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) mitteilte .

Nach ersten Erkenntnissen seien die obersten Teile aller drei stützenden Türme abgebrochen. Neben der Schüssel sei auch das Lernzentrum des Observatoriums durch herabfallende Stahlseile schwer beschädigt worden.

Arecibo-Teleskop: Die Ausnahme stammt vermutlich aus der Zeit um das Jahr 1980

Arecibo-Teleskop: Die Ausnahme stammt vermutlich aus der Zeit um das Jahr 1980

Foto: Leemage / imago images

»Wir sind traurig über diese Situation, aber dankbar, dass niemand verletzt wurde«, sagte NSF-Direktor Sethuraman Panchanathan. Auch wenn das Teleskop verloren sei, gelte es nun, die verbliebenen Teile der Anlage wieder in Betrieb zu nehmen.

Katastrophales Versagen der Struktur

Erst am 19. November hatte die NSF mitgeteilt, dass nach Einschätzung von Experten ein katastrophales Versagen der Struktur des Teleskops drohe. Seine Kabel seien möglicherweise nicht mehr in der Lage, die für sie vorgesehenen Lasten zu tragen. Reparaturen seien auf sicherem Wege nicht möglich; daher würden Vorbereitungen getroffen, das Teleskop auseinanderzunehmen.

Im August war ein rund 7,5 Zentimeter dickes Stahlseil, das eine Metallplattform stützte, aus unbekannten Gründen gerissen. Im Herabfallen hatte es einen etwa 30 Meter langen Riss in der Reflektorschüssel des Teleskops verursacht und auch die Kuppel sowie eine Plattform beschädigt. Hinzu kamen Schäden, die der Hurrikan Maria 2017 am Observatorium verursacht hatte. Das Teleskop sollte repariert werden. Dann riss am 6. November laut NSF ein Hauptkabel.

Nobelpreis-Teleskop

Das Radioteleskop im US-Außengebiet Puerto Rico war bis 2016, als in China ein noch größeres in Betrieb ging, mit 305 Metern Durchmesser das größte der Welt. Es war auch eine beliebte Touristenattraktion – besonders, nachdem es in dem James-Bond-Film »GoldenEye« von 1995 als Kulisse diente.

1963 war das Teleskop in Betrieb genommen worden und zuletzt noch immer eines der empfindlichsten der Welt. 1974 entdeckten die US-Astronomen Russell Hulse und Joseph Taylor mit ihm den Doppelpulsar PSR 1913+16 – zwei einander umkreisende Neutronensterne – und beobachteten damit indirekt Gravitationswellen. 1993 erhielten die Forscher dafür den Physik-Nobelpreis.

Radioteleskope sammeln Radiowellen aus dem All, die in Bilder umgewandelt werden.

jme/dpa