Puerto Rico Legendäres Arecibo-Teleskop wird wegen Einsturzgefahr geschlossen

Das Arecibo-Observatorium war eines der wichtigsten Teleskope der Welt und mit seinem Standort im Dschungel beliebte Filmkulisse. Doch nach 57 Jahren wird die Arbeit an dem alten Gerät für Forscher zu riskant.
Mit 305 Meter Durchmesser war das Arecibo-Teleskop lange Zeit das größte der Welt

Mit 305 Meter Durchmesser war das Arecibo-Teleskop lange Zeit das größte der Welt

Foto: Ricardo Arduengo / AFP

Lange Zeit war das Arecibo-Teleskop in Puerto Rico das größte der Welt. Selbst Astronomen brachte die Schüssel von 305 Meter Durchmesser zum Staunen. Der breiten Weltöffentlichkeit wurde die Anlage aber erst durch den James-Bond-Film »Golden Eye« bekannt. In dem Streifen kommt einer der Bösewichte nach einem Kampf gegen den Geheimagenten bei einem Sturz von der Instrumentenplattform um, die an Seilen über dem Teleskop schwebt. Auch im Hollywoodstreifen »Contact« hatte das Observatorium einen Auftritt.

Doch nun ist der Betrieb der Anlage zu gefährlich geworden. Wegen Sicherheitsbedenken stellt das Radioteleskop seinen Betrieb ein. Untersuchungen durch mehrere Ingenieursbetriebe hätten ergeben, dass ein katastrophales Versagen der Struktur des Teleskops drohe, teilte die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) am Donnerstag mit. Seine Kabel seien möglicherweise nicht mehr in der Lage, die für sie vorgesehenen Lasten zu tragen. Reparaturen könnten Arbeiter in potenziell lebensgefährliche Situationen bringen. Zudem würde es wahrscheinlich langfristig Probleme mit der Statik geben.

Schwere Schäden: Riss in der Schüssel nach einem Kabelbruch

Schwere Schäden: Riss in der Schüssel nach einem Kabelbruch

Foto: El Nuevo Dia / ZUMA Press / imago images

Im August war ein rund 7,5 Zentimeter dickes Stahlseil, das eine Metallplattform hielt, aus unbekannten Gründen gerissen. Im Herabfallen hatte es einen etwa 30 Meter langen Riss in der Reflektorschüssel des Teleskops verursacht und auch die Kuppel sowie eine Plattform beschädigt. Hinzu kamen Schäden, die der Hurrikan Maria 2017 am Observatorium verursacht hatte. Das Teleskop im karibischen US-Außengebiet wurde für die Dauer der Reparaturen vorübergehend geschlossen. Dann riss am 6. November der NSF zufolge ein Hauptkabel.

Alle Möglichkeiten, das Teleskop zu retten, seien untersucht worden. Letztlich zeigten die Daten aber, dass Reparaturen nicht auf sicherem Wege möglich seien. Nun würden Vorbereitungen getroffen, das Teleskop auseinanderzunehmen, hieß es. Ziel sei es, für künftige Recherche- und Bildungszwecke so viel der übrigen Infrastruktur des Observatoriums wie möglich zu erhalten.

Radioteleskope sammeln Radiowellen aus dem All. Die Funksignale werden von der Schüssel auf einen Empfänger geleitet und von Computern verarbeitet und in Bilder umgewandelt. Das Teleskop in Puerto Rico war bis 2016, als in China mit dem »Fast« eine Schüssel von einem halben Kilometer Durchmesser in Betrieb ging, das größte der Welt. Es war im Jahr 1963 eingeweiht worden und bis zuletzt noch immer eine der empfindlichsten Anlagen der Astronomie. 1974 entdeckten die US-Forscher Russell Hulse und Joseph Taylor mit Arecibo den Doppelpulsar PSR 1913+16 - zwei einander umkreisende Neutronensterne – und beobachteten damit indirekt die Quelle von Gravitationswellen. Dafür erhielten sie später den Nobelpreis. Außerdem suchten hier Forscher für Seti-Programme nach Radiosignalen von Außerirdischen und sie entdeckten Exoplaneten.

Es ist durchaus schon vorgekommen, dass Radioteleskope einstürzen. 1988 brach das Green-Bank-Teleskop in West Virginia, USA, zusammen. Es wurde später wieder aufgebaut.

joe/dpa