Recycling von Uran China meldet Durchbruch bei Atomtechnologie

Erfolgsmeldung chinesischer Wissenschaftler: Mit einem neuen Verfahren soll China abgebrannte Uran-Brennstäbe für Atomkraftwerke zu größeren Teilen wiederverwenden können. Doch Details behalten die Entwickler für sich.
Atommüll unter der Wärmebildkamera: Bessere Wiederverwertung von Rohstoffen

Atommüll unter der Wärmebildkamera: Bessere Wiederverwertung von Rohstoffen

Foto: DPA/ Greenpeace

Atomkraftwerke

Peking - Chinas Staatsfernsehen hat einen technologischen Durchbruch beim Recycling von Brennstäben aus Kernkraftwerken gemeldet. Der Nachschub für die heimischen ließe sich mit einer neuen Wiederaufarbeitungsmethode langfristig sichern, berichtete der Sender. Die neue Technologie ermögliche die Verwendung bereits bestrahlter Brennelemente. Bisher kalkulierte das Land dem Bericht zufolge, dass die in China entdeckten Uran-Vorkommen nur für die kommenden 50 bis 70 Jahre ausreichen würden. Die neue Technologie sorge jedoch dafür, dass die Ressourcen für die nächsten 3000 Jahre reichten. Die Uran-Nutzung werde "60-mal effizienter".

Der Durchbruch sei in der Fabrik Nummer 404 der Firma "China National Nuclear Corp" (CNNC) in der Wüste Gobi in der abgelegenen Provinz Gansu erzielt worden. Die Anlage sei allein von chinesischen Technikern gebaut worden. "Sie ist zu 100 Prozent original", sagte Wang Jian, Chefingenieur des Wiederaufarbeitungsprojekts der CNNC, dem Staatsfernsehen. China besitzt 171.400 Tonnen nachgewiesener Uranvorräte. Nach Angaben der Tageszeitung "China Daily" werden derzeit rund 750 Tonnen Uran jährlich produziert; der Bedarf könne jedoch bis 2020 auf 20.000 Tonnen steigen.

Ungewöhnlich war, dass die Erfolgsmeldung diesmal zunächst im Staatsfernsehen lief, aber nicht über die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, die sonst gewöhnlich technische Fortschritte verkündet.

Nur wenige ausländische Wissenschaftler haben Einblick in die chinesische Atomtechnologie. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz konnte auf Anfrage keine näheren Angaben zu dem angeblichen Fortschritt bei der Wiederaufarbeitung in China machen. Die Internationale Energiebehörde IAEA war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

24 Jahre Arbeit

International verfolgen bisher nur Frankreich, Großbritannien, Russland und Japan die schwierige Technologie zur Wiederaufarbeitung von Atommüll. In Westeuropa sind zwei Anlagen in Betrieb: In La Hague in der französischen Normandie und im englischen Sellafield an der Irischen See.

Bei der Wiederaufarbeitung werden in einem chemischen Verfahren Plutonium und Uran von genutzten Brennelementen abgetrennt. Zum Einsatz kommt meist das sogenannte Purex-Verfahren. Dabei werden die Brennelemente in fünf Zentimeter kurze Stücke zersägt, die in siedender Salpetersäure aufgelöst werden. Schließlich scheiden sich Uranteilchen aus dem Gemisch.

Die Brennelemente im Reaktorkern eines Atomkraftwerks können in der Regel nur wenige Jahre genutzt werden. Dann gelten sie als "abgebrannt". Nach einer Abkühlungsphase kommen sie in ein Zwischenlager oder in eine Wiederaufbereitungsanlage.

China ist besorgt über die Brennstoffversorgung seines ambitionierten Atomkraftprogramms, das massiv ausgebaut werden soll, um den rasant steigenden Stromverbrauch der schnell wachsenden chinesischen Wirtschaft zu sichern.

Dem "Durchbruch" seien 24 Jahre an Versuchen und Rückschlägen vorausgegangen, berichtet das chinesische Staatsfernsehen. "Durch eine Reihe chemischer Prozesse müssen wir abgebrannten Kernbrennstoff während der Erhitzungsphase wieder aufarbeiten, um sowohl den wiederverwertbaren Teil des verbrannten Materials als auch den neu erzeugten Teil zu gewinnen", erläuterte Wang Jian.

Internationaler Atomenergie-Behörde IAEA

Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist auch der weltgrößte Energiekonsument. In keinem anderen Land werden derzeit so viele neue Atomkraftwerke gebaut. 12 Atomeiler sind in Betrieb, 24 im Bau, weitere geplant. Laut wurden 2009 gut 70.000 Gigawatt Atomstrom produziert. Bis 2020 will Peking die Kapazitäten verachtfachen. Dann sollen sechs Prozent von Chinas Strom aus der Kernkraft kommen.

boj/dpa/Reuters/AFP
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