Revolutionäres Fluggerät Celera 500L Der Billigflieger

Es sieht aus wie ein Ei und soll revolutionär sparsam sein: Ein kalifornisches Unternehmen hat sein neues Flugzeug vorgestellt. Es soll den Markt für Privatflugzeuge aufrollen.
Angetrieben wird die Celera 500L durch den Propeller am Heck. Was hinten am Rumpf zu sehen ist, sind Lufteinlässe - und keine Jettriebwerke

Angetrieben wird die Celera 500L durch den Propeller am Heck. Was hinten am Rumpf zu sehen ist, sind Lufteinlässe - und keine Jettriebwerke

Foto: Otto Aviation

Früher hat William Otto an Torpedos, Interkontinentalraketen und der Avionik des Rockwell B-1 Überschallbombers gearbeitet. Nun will der Ingenieur und Physiker mit seiner kalifornischen Firma Otto Aviation  den Markt für kleine Geschäftsflugzeuge aufrollen. Branchenblätter wie das US-Technikmagazin "The Drive"  hatten bereits seit geraumer Zeit über das Propellerflugzeug Celera 500L berichtet, das er dafür entwickelt. Jetzt hat die Firma das Projekt offiziell vorgestellt.

Das Flugzeug verfügt über einen Rumpf aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, angetrieben wird es durch einen Propeller – am Heck. Das Unternehmen erklärte, der neue Flieger habe bereits 31 Testflüge absolviert. "Wir glauben, dass der Celera 500L das Größte ist, was sowohl der Luftfahrt- als auch der Reisebranche in den letzten 50 Jahren passiert ist", so Firmenchef Otto.

So könnte es im Innenraum des neuen Flugzeugs einmal aussehen

So könnte es im Innenraum des neuen Flugzeugs einmal aussehen

Foto: Otto Aviation

Dabei finden in der Celera 500L gerade einmal sechs Passagiere Platz. Und sie sieht aus wie ein fliegendes Ei. Doch genau diese Gestaltung, so wirbt der Hersteller, sorgt dafür, dass die Luft das Flugzeug an Rumpf, Tragflächen und Leitwerk mit einem besonders niedrigen Widerstand umströmt. Laminares Fliegen nennen Experten das: Die Luft umströmt das Flugzeug ohne Turbulenzen, sozusagen in einzelnen, übereinanderliegenden Schichten, die sich nicht miteinander vermischen. Und das wiederum sorgt für einen deutlich niedrigeren Spritverbrauch.

Ein niedriger Verbrauch ist der Kern des Konzepts. Otto Aviation erklärt, die Treibstoffeffizienz liege beim etwa Achtfachen von der eines vergleichbaren Geschäftsflugzeugs. Ob diese Zahlen in der Praxis dann tatsächlich erreicht werden, muss sich zeigen. So könnten selbst leichte Verunreinigungen auf der Oberfläche des Flugzeugs, etwa durch tote Insekten, womöglich dafür sorgen, dass das laminare Fliegen nicht mehr so effizient abläuft - weil es dann durch die winzigen Hindernisse eben doch zu Turbulenzen im Luftstrom käme.

Der Motor stammt aus Deutschland

Der kerosin- oder dieselbetriebene V-12-Kolbenmotor der Maschine, der einen Druckpropeller des Flugzeugs antreibt, stammt übrigens aus Deutschland, vom Unternehmen RED Aircraft aus dem rheinland-pfälzischen Adenau. Er verfügt im Reiseflug über eine Leistung von 460 PS und ist auch dank zweier Turbolader besonders für die Reise in großen Höhen optimiert. Die Celera 500L soll in bis zu 18 Kilometern Höhe unterwegs sein.

Die Zertifizierung der Celera 500L soll bis 2023 abgeschlossen sein

Die Zertifizierung der Celera 500L soll bis 2023 abgeschlossen sein

Foto: Otto Aviation

Auch bei den Betriebskosten soll das neue Flugzeug bisherige Modelle wie die Cessna Citation oder die Beechcraft King Air deutlich schlagen. Der Hersteller gibt einen Stundensatz von 328 Dollar für die Neuentwicklung im Vergleich zu 2100 Dollar bei derzeitigen Wettbewerbern an. So hofft man, Fliegen erschwinglich zu machen: "In vielen Fällen werden Einzelpersonen und Familien die Celera 500L zu Preisen chartern können, die mit den Preisen von Verkehrsflugzeugen vergleichbar sind, jedoch mit dem zusätzlichen Komfort der Privatfliegerei“, so Firmenchef Otto.

Das Unternehmen will das neue Flugzeug aber auch zum Frachttransport und für militärische Anwendungen vermarkten. Auch eine unbemannte Version, zum Beispiel als Aufklärungsdrohne, ist denkbar. Bis zum Jahr 2023, so heißt es aktuell, will man die Celera 500L bei der US-Flugsicherheitsbehörde FAA zertifiziert haben. Und spätestens zwei Jahre danach will man dann erste Modelle an Kunden ausliefern.

Die Luftfahrt diskutiert seit Jahren darüber, wie die Industrie klimafreundlicher werden kann. Dabei geht es unter anderem um spritsparende Technologien für herkömmliche Flugzeuge, um klimafreundlich hergestellte Biotreibstoffe und - zumindest für Regionalflugzeuge - um alternative Antriebe, vor allem mit Elektromotoren. Die Celera 500L soll auf eine Reichweite von rund 8000 Kilometern kommen. Für diese Distanzen ist eine Energieversorgung mit Batterien wegen der erreichbaren Energiedichten keine Option. Allerdings hat Otto Aviation in Aussicht gestellt, dass es in Zukunft weitere Varianten des neuen Flugzeugs geben könnte, für die dann auch ein Elektroantrieb in Frage käme.

chs
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