Roboter-Premiere Menschenmaschine startet zur Raumstation ISS

Er hantiert mit Werkzeugen und gibt höflich die Hand: Ein humanoider Roboter arbeitet künftig auf der Internationalen Raumstation. Sie sei "kein bisschen nervös", ließ die Maschine wissen. Auf Mars-Reisen sollen Roboter künftig entscheidend helfen.

NASA

"Houston - wir haben ein Problem." Mit historischen Zitaten kennt man sich aus bei der US-Weltraumbehörde. Und so konnte es sich Nasa-Forscher Rob Ambrose auch nicht verkneifen, den bevorstehenden Start des Blechkameraden Robonaut 2 (R2) zur Raumstation ISS zu kommentieren wie einst Neil Armstrong die Mondlandung: "Das mag nur ein kleiner Schritt für diesen Roboter sein, es ist ein großer Sprung vorwärts für die Maschinenmenschheit."

2,5 Millionen Dollar hat die Entwicklung von R2 gekostet. Am Mittwoch soll der Torso in Kisten verpackt mit der Raumfähre "Discovery" zur ISS fliegen; Beine fehlen bislang. R2 hat Kopf, Oberkörper, Arme und Hände wie ein Mensch. Sein Gehirn steckt im weißen Bauch, im Kopf befinden sich vier Kameras und an der Stelle des Mundes zusätzlich eine Infrarotkamera. R2 kann mit schweren Werkzeugen hantieren, Menschen die Hand geben - und mit Unterstützung der Nasa-PR-Fachleute sogar Twitter-Nachrichten verschicken.

150 Kilogramm bringt R2 auf die Waage. Seinen "Stoffwechsel", also seine Energieversorgung, trägt er als Rucksack auf dem Rücken. Damit kann er sich in das Energienetz der ISS einstöpseln. Bei Einsätzen fern von Steckdosen würden Akkus im Rucksack stecken.

"Ich bin kein bisschen nervös", erklärte R2 vergangene Woche über den Kurznachrichtendienst, und schob gleich die Erklärung dafür nach: "Nerven aus Aluminium!". Nasa-Techniker und Roboterexperten von General Motors haben R2 gleich in doppelter Ausführung gebaut. Die eine Version fliegt ins All, ihr Zwilling präsentiert sich auf der Erde bei Fototerminen.

Kein Problem mit Hitze und Vakuum

Auf der ISS wird Robonaut 2 erst noch einige Zeit in seiner Kiste bleiben müssen, vor Weihnachten werden ihn die Astronauten dann auspacken und einschalten. Der Einsatz ist zuallererst ein Test: Wie gut arbeitet der Roboter in der Schwerelosigkeit? Welche Aufgaben kann er der ISS-Besatzung abnehmen?

Fotostrecke

11  Bilder
Robonaut 2: Blechkamerad besucht die ISS
Wohin die Reise gehen soll, ist klar: Roboter werden gefährliche Außeneinsätze übernehmen und als Vorhut des Menschen den Mars oder Asteroiden besuchen. Strahlung, Hitze, Kälte, Vakuum - all das stellt die Blechkameraden kaum vor Schwierigkeiten.

R2 wird zunächst nur kleinere Aufgaben übernehmen: Werkzeug halten, Handläufe abwischen, vielleicht auch Filter reinigen. 2011 hoffen die Nasa-Ingenieure, Beine hinterherschicken zu können. Dann wird der Torso sich selbst bewegen können - bis dahin kann er nur auf eine Plattform montiert werden.

Man wolle Astronauten unterstützen, nicht ersetzten, heißt es bei der Nasa. Die Steuerung von R2 können entweder die Astronauten an Bord der ISS übernehmen, oder Nasa-Personal am Boden der Erde. Seine Nachfolgergeneration wird auch autonom arbeiten müssen, denn Funksignale bis zum Mars beispielsweise benötigen rund 20 Minuten.

Robonaut 2 wird der erste humanoide Roboter sein, der im Weltall dem Menschen zur Hand geht. Auf der Erde hat die Nasa-Schöpfung mehrere Cousins und Cousinen. So zum Beispiel Asimo, den von Honda gebauten Zweibeiner, der Treppen steigen und tanzen kann. Oder Justin, ein am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelter Roboter. Er kann von einem Menschen direkt gesteuert werden. Jede Arm- und Handbewegung wird erfasst und unmittelbar an Justin weitergeleitet - siehe Fotostrecke.

hda



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
göpgöp 02.11.2010
1. gibt das
Bishop Nr.1
Legacy 02.11.2010
2. Robo
Zitat von sysopEr hantiert mit Werkzeugen und*gibt höflich die Hand: Ein humanoider Roboter arbeitet künftig auf der Internationalen Raumstation.*Sie sei "kein bisschen nervös", ließ die Maschine wissen. Auf Mars-Reisen sollen Roboter künftig entscheidend helfen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,726678,00.html
Ein "humanoider" Roboter. Hmm...bezieht sich das vielleicht darauf das dieses Ding prinzipiell nur das tut was der Mensch im vorgibt, programmiert ? Im Klartext - ohne den Mensch dahinter ist dieser Roboter wohl nichts weiter als ein nutzloser Blech und Kabelhaufen, der golden glänzt...
Pandoora 02.11.2010
3. Programme
Programmieren heißt nicht nur Befehle geben und der Programm führt sie aus. Es geht viel mehr um das Automtismuss. Wir geben einen Befehl und der Roboter macht sie 100 mal und zwar automtisch. R2 ist nicht unbedingt der geschickteste Astronaut aber seine Nachfolger werden es wohl sein. Er ist einfach nur ein Prototype und sie wollen testen wie Roboter im Welltall bewegen. Ich freue mich so sehr auf die Zukunft. Ich brauche selber nicht zu fahren und meine Haushaltsroboter passt auf die Kinder auf, während ich gemütlich vom Schreibtisch aus Arbeite.
divStar, 03.11.2010
4. Nein..
Humanoid bedeutet, dass er - zumindest zum Teil - einem Menschen ähnlich sieht. Dass Roboter in absehbarer Zeit autonom handeln und sich auch autonom bewegen, ist - vielleicht Gott sei Dank - dem Genre der Science Fiction vorbehalten. Dass dies aber eines Tages möglich werden könnte, ist ziemlich sicher.
ekznamu 03.11.2010
5. Das Teil ist billiger als ...
... das ISS-Klo. 2,5 Mill Dollar ist ein Witz für dieses Ding. Was die uns hier erzählen wollen ist ja wohl totaler Humbug. Jede Regung von dem Ding ist per Hand von Humanoiden programmiert worden, null Gefühle, null Intelligenz.
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