Unbemannte Flugzeuge Rüstungskonzerne fürchten Ende des Drohnen-Booms

Die USA haben die Zahl von Drohnenangriffen stark gesenkt, schon fürchten die Hersteller unbemannter Flugzeuge ein Ende des Booms. Denn der zivile Markt ist noch unterentwickelt, das öffentliche Image von Drohnen verheerend.

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Bisher konnte Rüstungsunternehmen weitgehend egal sein, was die Öffentlichkeit von Drohnen hält. Die rasant steigende Zahl militärischer Einsätze bescherte der Industrie prall gefüllte Auftragsbücher. Doch im Mai kündigte US-Präsident Barack Obama eine neue Phase im Kampf gegen den Terror an - und ein Ende des massiven Drohnenkriegs. Die Zahl der Einsätze war schon seit 2011 rückläufig, inzwischen ist sie fast wieder auf dem Niveau der Zeit vor Obamas Amtsübernahme.

"Drohnenverkäufe waren bisher an Konflikte gekoppelt", sagt Chris Day, der bis 2012 im britischen Verteidigungsministerium für die Forschung an Drohnen verantwortlich war und jetzt für den österreichischen Hersteller Schiebel arbeitet. Inzwischen sei der militärische Markt "fast bei null". "Und die Zeit bis zum nächsten großen Konflikt", sagt Day mit einer gewissen Portion Zynismus, "könnte für viele Unternehmen zu lang sein, um zu überleben."

Ähnlich äußern sich die Vertreter diverser Drohnenhersteller. Auf einer Tagung der Association for Unmanned Vehicle Systems International (AUVSI), die kürzlich in Köln stattfand, war die Verunsicherung der Branche zu spüren. Das Problem für westliche Unternehmen: Sinkt das Interesse des Militärs, bleibt oft nur noch der zivile Markt. Und der hat gleich zwei Probleme:

  • Die Einbindung von Drohnen in den allgemeinen Luftverkehr ist unterentwickelt, eine international einheitliche Regulierung wird noch Jahre auf sich warten lassen.
  • Drohnen kommen in der öffentlichen Debatte meist als Killermaschinen oder als Bedrohung für die Privatsphäre vor. Fehlt aber die gesellschaftliche Akzeptanz, könnte das die weitere technologische Entwicklung hemmen oder gar verhindern - die Gentechnik und die Atomenergie lassen grüßen.

Frank Brenner, Generaldirektor der EU-Luftverkehrsbehörde Eurocontrol, hält den Ruf der Drohnen für besser als die meisten Branchenvertreter: Die Öffentlichkeit sei derzeit noch "weitgehend neutral". Sollte das Image aber ins Negative drehen, "wäre diese Technologie hier nicht mehr entwickel- und einsetzbar". Als Horror-Beispiele gelten die teils hysterisch geführten Debatten über gentechnisch veränderte Lebensmittel, Atomtechnologie oder Google Street View. Brenner schwant, dass Ähnliches in der Diskussion über Drohnen droht: "Die große Welle an öffentlicher Besorgnis haben wir noch vor uns."

Fraglich ist, ob die Branche darauf vorbereitet ist. Zweifel daran weckt schon die fachinterne Debatte über den Begriff "Drohne", der unter Fachleuten verpönt ist, sich in der Öffentlichkeit aber durchgesetzt hat. Er werde der technischen Komplexität der heutigen Systeme nicht gerecht, meinen die einen. Er wecke Assoziationen mit vollautomatischen Tötungsmaschinen, befürchten andere.

Die Branche reagiert mit teils skurrilen Versuchen, das D-Wort aus der öffentlichen Diskussion zu tilgen. Die AUVSI etwa versucht, "RPAS" (kurz für "Remotely Piloted Aerial Systems") als neue Bezeichnung zu etablieren. Doch das dürfte nicht nur deshalb aussichtslos sein, weil der Begriff wenig eingängig ist. Manche Fachleute halten ihn auch für irreführend: "Er suggeriert, dass grundsätzlich immer ein Mensch das Flugzeug kontrolliert, was einfach nicht stimmt", sagt ein Experte. Denn natürlich könne die Maschine auch automatisch fliegen. Deshalb sei es richtiger, von "UAV" ("Unmanned Aerial Vehicle") zu sprechen.

"Krieg ist eben hässlich"

Eine weitere Klage lautet, dass über die friedlichen Einsatzmöglichkeiten von Drohnen - von der Waldbrandbekämpfung über archäologische Forschung bis hin zur Wartung von Infrastrukturen - kaum geredet werde, obwohl diese Art der Nutzung die militärische bei weitem überwiege.

Selbst im Kampfeinsatz seien Drohnen kein Teufelszeug, beteuert die Branche. "UAVs haben die Natur des Krieges verändert, allerdings auch zum Besseren", sagt Chris Day. Heute schieße man nur noch einzelne Raketen ab, wo man früher mit einem Flächenbombardement eine ganze Stadt ausradiert hätte. Zudem hätten unbemannte Fluggeräte in Afghanistan Tausenden westlichen Soldaten das Leben gerettet, etwa indem sie Sprengfallen ausfindig gemacht hätten.

Dass Kampfdrohnen andererseits auch die Hemmschwelle für den Einsatz von Waffengewalt senken könnten, dass sie in Afghanistan und Pakistan Hunderte, wenn nicht gar Tausende Zivilisten umgebracht haben, diskutieren Branchenvertreter weniger gern. "Krieg ist eben hässlich", sagt Day. "Er wird nie steril sein."

Zum Imageproblem kommt das der Regulierung: Bisher gibt es kaum international einheitliche Regeln für den Einsatz unbemannter Flugzeuge im zivilen Luftverkehr. "Da ist noch nicht viel", räumt Eurocontrol-Chef Brenner ein. Bisher gebe es lediglich einige allgemeine Standards. Wozu das führen kann, hat unter anderem das "Euro Hawk"-Desaster gezeigt, das Verteidigungsminister Thomas de Maizière an den Rand des Rücktritts gebracht und den Steuerzahler Hunderte Millionen Euro gekostet hat. Bis man sich innerhalb der EU auf einheitliche Standards geeinigt hat, dürfte allerdings einige Zeit ins Land gehen. "Da reden wir nicht von Monaten, sondern von Jahren", meint Brenner.

Analysten prophezeien kräftiges Wachstum

"Wenn das so weitergeht, hat die europäische Luftfahrtindustrie in fünf bis zehn Jahren ihre Systemfähigkeit für die Entwicklung solcher Systeme verloren" , sagt Aimo Bülte, Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der EADS-Rüstungstochter Cassidian. Zudem verursache die Entwicklung eines großen UAV große Ausgaben. "Und wir müssen sicher sein können, dass sich unsere Investitionen auszahlen." Bülte forderte in Köln deshalb staatliche Unterstützung. "Ohne die Unterstützung unserer Regierung", so Bülte, "wird es für uns schwierig, unser erstes UAV zu entwickeln."

Im Verteidigungsministerium könnte mancher diesen Satz so kurz nach dem "Euro Hawk"-Debakel für bemerkenswert halten: Die Entwicklung der Sensorik der Drohne durch Cassidian hat der Bund - und damit der Steuerzahler - finanziert.

Ohnehin sagen Analysten dem Drohnenmarkt - auch dem militärischen - nach wie vor satte Wachstumsraten voraus. "UAVs bleiben der dynamischste Wachstumssektor in der weltweiten Luftfahrtindustrie", verkündete etwa die Teal-Gruppe im Juni zur Eröffnung der Luftfahrtschau in Le Bourget. Die Ausgaben würden sich im kommenden Jahrzehnt gar verdoppeln.

Auch andere Wortmeldungen lassen den Verdacht aufkeimen, dass vor allem die potentiellen europäischen Hersteller großer Drohnen in Zukunft ein Problem bekommen könnten. Hersteller kleinerer Modelle - in Deutschland sind dies etwa EMT in Penzberg und Ascending Technologies in Krailing - scheinen hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken. "Insbesondere bei den taktischen und Mikro-UAVs gehören deutsche Unternehmen zur Weltspitze", sagt ein Beobachter. In diesem Marktsegment seien die Auftragsbücher prall gefüllt. Auch von einem technischen Rückstand auf Hersteller etwa in den USA könne keine Rede sein.

Ähnlich äußerte sich Mike Lissone: "Bis Ende dieses Jahres wird es in Europa tausend kommerzielle Unternehmen geben", sagte Lissone, bei Eurocontrol für die Integration von Drohnen in den zivilen Luftraum zuständig. Eine Firma in Niederlanden etwa habe allein 7722 Quadcopter verkauft und 5000 davon in die USA exportiert. Der verlange die Ausarbeitung präziser Vorschriften, Hektik sei fehl am Platz. Ein Insider hält das für verständlich: "Man kann schließlich nicht einfach alles herumfliegen lassen."

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schlob 25.10.2013
1.
Zitat von sysopAPDie USA haben die Zahl von Drohnen-Angriffen stark gesenkt, schon fürchten die Hersteller unbemannter Flugzeuge ein Ende des Booms. Denn der zivile Markt ist noch unterentwickelt, das öffentliche Image von Drohnen verheerend. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ruestungskonzerne-afghanistan-abzug-laesst-drohnen-hersteller-zittern-a-929300.html
Objektiv dürfte man mit Drohnen weniger Private treffen als im sonst üblichen Kampf: ZB Bomben- Kanonen- das sieht man überhaupt nicht,wohin man schiesst.- Irgendwie scheint es bei den Drohnen unfair,dass der eine nicht in Gefahr ist-die anderen werden gekillt.- Aber ist es nicht auch unfair,mit einem Millionen -Heer gegen 100.000 Mann anzutreten? Die USA kann nur so bestehen -Europa ebenfalls- aber es ist ein so herrliches Gefühl-dieses Gutmenschengefühl.
oswin82 25.10.2013
2. Egal
Zitat von sysopAPDie USA haben die Zahl von Drohnen-Angriffen stark gesenkt, schon fürchten die Hersteller unbemannter Flugzeuge ein Ende des Booms. Denn der zivile Markt ist noch unterentwickelt, das öffentliche Image von Drohnen verheerend. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ruestungskonzerne-afghanistan-abzug-laesst-drohnen-hersteller-zittern-a-929300.html
JA dann macht endlich den Krieg gegen Syrien , ist ja nicht zum aushalten wenn die Rüstungsmulitis am Hungertot nagen . Auf die paar Zivilen-Opfer kommt es dann auch nicht mehr an . Immerhin sind das unsere Arbeitsplätze und ich will auch morgen noch Autofahren , jedes Jahre eine neues I-Pad kaufen können und den Kaffee den ich brauche um hier geistreiche Kommentare zu posten soll ja auch nicht Teurer werden.
FreakmasterJ 25.10.2013
3. Völlig unbegründete Panik
EU- Grenzsicherung -das dürften gut 20 000KM Aussengrenze sein, die man gegen illegale Einwanderer kontrollieren darf, Polizeiliche Spähmassnahmen wie die Überwachung von Bahnstrecken, Grossveranstaltungen und Lösegeldübergaben, Presse&Papparazzi-Einsätze,... es gibt mehr als genügend Einsatzgebiete, auch für den zivilen Markt.
gandhiforever 25.10.2013
4. Abhilfe dringend noetig
Zitat von sysopAPDie USA haben die Zahl von Drohnen-Angriffen stark gesenkt, schon fürchten die Hersteller unbemannter Flugzeuge ein Ende des Booms. Denn der zivile Markt ist noch unterentwickelt, das öffentliche Image von Drohnen verheerend. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ruestungskonzerne-afghanistan-abzug-laesst-drohnen-hersteller-zittern-a-929300.html
Und die Maechtigen dieser Konzerne werden es doch sicherlich schaffen, irgendwo soviel 'Unsicherheit' zu schaffen, dass das Geschaeft mit den Drohnen zurueck auf die Erfolgsspur findet.
beob_achter 25.10.2013
5. Wikipedia informiert dazu wie folgt:
"Etwa zur Sommer-Sonnenwende findet die Drohnenschlacht statt. Den Drohnen wird der soziale Futteraustausch verweigert und sie werden bereits am Flugloch abgedrängt, also nach ihren Ausflügen nicht mehr in den Bienenstock gelassen. Es kommt auch vor, dass jüngere Drohnen von Arbeiterinnen aus dem Bienenstock herausgezerrt werden. Durch Nahrungsmangel werden sie zunächst flugunfähig und verhungern schließlich. Häufig kann man in dieser Phase herumkrabbelnde, sterbende Drohnen beobachten."
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