Russland Erstes schwimmendes Atomkraftwerk legt im Zielhafen an

5000 Kilometer sind zurückgelegt: Russlands AKW-Schiff "Akademik Lomonossow" hat seinen Zielhafen erreicht. Umweltschützer warnen vor einem "schwimmenden Tschernobyl".

An Bord des schwimmenden AKW befinden sich zwei Atomreaktoren
ROSATOM/ AFP

An Bord des schwimmenden AKW befinden sich zwei Atomreaktoren


Das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt hat im Hafen der ostrussischen Stadt Pewek angelegt. Das teilte der russische Atomkonzern Rosatom mit.

Die "Akademik Lomonossow" hat zwei Atomreaktoren geladen. Ende August war sie von der nordrussischen Hafenstadt Murmansk aus gestartet und hat bis zum Zielort rund 5000 Kilometer zurückgelegt.

Das Atomkraftwerk sieht aus wie ein Schiff. Es soll Strom und Wärme für die schwer zugängliche Region bereitstellen - seine Leistung reicht, um eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern zu versorgen. Außerdem soll die Anlage mit insgesamt 70 Megawatt Leistung Energie für die Gas- und Ölbohrinseln liefern.

"Atom-Titanic"

Das schwimmende AKW wiegt 21.000 Tonnen, ist 144 Meter lang und 30 Meter breit. Es besteht aus zwei 35-Megawatt-Reaktoren, für deren Betrieb etwa 70 Arbeiter nötig sind. Bis Ende Dezember soll es in Pewek angedockt bleiben, um dann seinen Betrieb aufzunehmen. Rosatom-Chef Alexej Lichatschow sprach "von einem Wendepunkt für die Entwicklung kleiner modularer Kernkraftwerke".

Allerdings ist das millionenschwere Projekt auch sehr umstritten. Umweltschützer warnten zuletzt vor einer möglichen Katastrophe im Polarmeer und bezeichneten die Anlage als "schwimmendes Tschernobyl" und "Atom-Titanic". Es sei unmöglich, das AKW vollständig vor äußeren Bedrohungen wie Stürmen zu schützen, hatte Wladimir Sliwjak von der Umweltorganisation Ecodefense beim Ablegen des AKWs gesagt. "Leider ist das eine sehr riskante Technologie."

Die Gesamtkosten der Anlage in Pewek will Rosatom erst nennen, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Russland setzt anders als Deutschland verstärkt auf Atomenergie. Das Land investiert im großen Stil in neue Atomkraftwerke, auch in Ex-Sowjetrepubliken.

mst/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.