Murmansk Russlands schwimmendes Atomkraftwerk ist einsatzbereit

Naturschützer kritisieren das schwimmende AKW "Akademik Lomonossow" schon lange. Doch Russland setzt weiter auf das Prestigeprojekt. Und hat die Reaktoren des Prototyps nun hochgefahren.

Atomkraftwerk "Akademik Lomonossow" im Hafen
Valya Egorshin/ NurPhoto/ Getty Images

Atomkraftwerk "Akademik Lomonossow" im Hafen


Am Freitag vor genau 33 Jahren explodierte im Kernkraftwerk Tschernobyl Block 4 - es war der Beginn der wohl größten Nuklearkatastrophe der Geschichte. Sie dürfte bei vielen Menschen dazu geführt haben, dass sie die Risiken der Atomenergie sehr viel kritischer beurteilten als zuvor.

Doch Russland setzt trotz Tschernobyl oder der Katastrophe von Fukushima weiter auf Atomenergie. In Zukunft sollen einige Kraftwerke sogar auf dem Meer schwimmen. Das erste einer geplanten Flotte solcher Kernenergieanlagen ist nun einsatzbereit, teilte Russlands staatliches Atomunternehmen Rosenergoatom mit.

Die in der Hafenstadt Murmansk liegende "Akademik Lomonossow" sei laut Rosenergoatom bereits am 31. März erfolgreich getestet worden. Dabei wurden die beiden Reaktoreinheiten des Prototyps hochgefahren. "Der erfolgreiche Abschluss der Tests sei eine große Leistung eines Teams von Spezialisten des Konzerns", hieß es.

Im Sommer werde die "Akademik Lomonossow", die über keinen eigenen Antrieb verfügt, von Schleppern dann in den äußersten Nordosten Russlands gezogen. Voraussichtlich im Dezember 2019 soll der vor der Küste Tschukotkas produzierte Strom die Stadt Pewek sowie Gas- und Ölbohrinseln mit Energie versorgen. Sollte das Projekt erfolgreich verlaufen, sollen weitere schwimmende Kraftwerke gebaut werden.

Die "Akademik Lomonossow" ist 144 Meter lang und rund 30 Meter breit. Sie wurde in einer Werft in Sankt Petersburg gebaut. Die Idee zu dem Projekt war noch zu Sowjetzeiten entstanden. An Bord der schwimmenden Plattform befinden sich zwei Druckwasserreaktoren, sie werden von etwa 70 Mann Besatzung betreut. So werden voraussichtlich rund 70 Megawatt elektrische Leistung produziert. Mit dem Projekt sollen strukturschwache und abgelegene Regionen besser mit Elektrizität versorgt werden können. Auch der Verkauf der Technik ins Ausland könnte eine Rolle spielen.

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Die Bilder: Russlands schwimmendes AKW

Das Projekt wird von Umweltexperten allerdings äußerst kritisch gesehen. Sie warnen vor allem vor möglichen Umweltgefahren. Bisher gebe es keine Umweltverträglichkeitsprüfung, hatte etwa die Naturschutzorganisation Greenpeace kritisiert. Zudem fehle in der abgeschiedenen Region, in der die "Akademik Lomonossow" Strom produzieren soll, die Infrastruktur für den Fall einer Havarie. Deshalb sprach Greenpeace von einem "Tschernobyl auf dem Wasser".

joe



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