Schatztaucher will "Santa Maria" entdeckt haben Steine am Riff

Er hat dem Meer schon viele Schätze abgerungen. Nun ist sich US-Schatztaucher Barry Clifford sicher: Er hat die "Santa Maria" gefunden, das Schiff, mit dem Columbus 1492 Richtung Amerika segelte. Andere Forscher hegen Zweifel.

Barry Clifford

Von , New York


So einen Trubel hat der Explorers Club lange nicht mehr gesehen. Dutzende Historiker und Reporter drängeln sich in der Tudor-Villa des 110-jährigen Entdeckervereins in Manhattan. Dessen Mitglieder haben Expeditionsgeschichte geschrieben: Der Erste am Südpol (Roald Amundsen, 1911), der Erste auf dem Mount Everest (Edmund Hillary, 1953), die Ersten auf dem Mond (Neil Armstrong, Buzz Aldrin, 1969). Und nun: Barry Clifford.

Sie nennen ihn den "Indiana Jones der Meere", er selbst sieht sich als "archäologischer Detektiv". 1984 stieß der Hobbytaucher vor seiner Heimat Cape Cod auf das erste Original-Piratenwrack überhaupt, die 1717 gesunkene "Whydah", gefolgt von vielen weiteren Schiffen weltweit, die über die Jahrhunderte auf dem Meeresboden endeten. Clifford hat seine Schatzsuche in ein florierendes Geschäft verwandelt, laute PR gehört natürlich dazu.

Sollte sich die Entdeckung der "Santa Maria" bewahrheiten, wäre es der Schatz seine Lebens - ein Haufen Steine in nicht mal drei Metern Tiefe vor der Nordküste Haitis. "Dies ist der Inbegriff von Geschichte", jubelt Clifford, 68, über seine jüngste Entdeckung, als er an diesem Mittwoch im edel getäfelten Festsaal des Clubs mit begeistertem Applaus empfangen wird. "Dies hat den Gang unserer ganzen Welt verändert."

Uneinigkeit über die Entdeckung

Denn dieser nur zwölf mal sechs Meter große Unterwasser-Steinhügel auf einem Korallenriff vier nautische Meilen vor Cap-Haïtien ist nach Cliffords Überzeugung alles, was von der "Santa Maria" geblieben ist - dem Flaggschiff, mit dem Christoph Columbus 1492 Amerika entdeckte und eine Zeitenwende einläutete. "Die Indizien sind überwältigend, dass dieses Schiff höchstwahrscheinlich die 'Santa Maria' ist", sagt Clifford. "Es kann nicht anders sein."

Die "Santa Maria" zu finden gilt als der heilige Gral aller Schatzsucher, einer verschworenen, doch auch scharf rivalisierenden Abenteurer-Clique. Unbeirrbar - und oft im Konflikt mit den zuständigen Regierungen - durchkämmen sie die Weltmeere auf der Suche nach Reliquien des großen, längst untergegangenen Zeitalters der Seefahrt: Kanonen, Münzen, Silber, Gold.

Ein Sensationsfund, wie es die "Santa Maria" wäre, ist selten. In der Forschergemeinde gibt es nicht nur Jubel über die vermeintliche Entdeckung der "Santa Maria". Das Schiff war Weihnachten 1492 vor Haiti auf Grund gelaufen und versunken - zweieinhalb Monate, nachdem Columbus mit ihr und den Schwesternschiffen "Nina" und "Pinta" auf die heutigen Bahamas gestoßen war.

Einige Historiker hegen erhebliche Zweifel an dem Fund. So habe sich etwa das Ufer von Haiti in der Zwischenzeit deutlich verschoben. Vermutlich liege das Schiff, oder eher seine Überreste, unter der Erde an Land und nicht im Wasser. Zudem gebe es in der karibischen Region zahlreiche Schiffswracks. Eine Studie von 2012 habe 1580 Unglücke der spanischen Marine weltweit dokumentiert, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Mehr als ein Viertel davon hätten sich in der Gegend von Haiti, der Dominikanischen Republik und Kuba ereignet.

Andere Experten geben Clifford recht. "Es gibt absolut Hoffnung", dass dies die "Santa Maria" sei, sagte Fabien Cousteau, der Enkel des legendären Tauchers Jacques Cousteau, auf CNN. "Es könnte genug übrig sein, um sie positiv zu identifizieren, doch das wird dauern."

2003: erster Fund des Steinhaufens

Columbus beschrieb den Untergang der "Santa Maria" in seinem Tagebuch: Nach einer Nacht weihnachtlichen Zechens seien er und die Mannschaft schlafen gegangen, ein Schiffsjunge habe das Steuer gehalten. Um Mitternacht sei die "Santa Maria" aufgelaufen, "so sanft, man konnte es kaum spüren". Doch es habe keine Rettung gegeben: "Das Gebälk fiel auseinander, und sie versank."

Aus dem Holz ließ Columbus die Festung La Navidad bauen, die erste europäische Siedlung in der amerikanischen Hemisphere seit den Wikingern. Als er ein Jahr später zurückkehrte, fand er dort jedoch nur noch 39 Tote, allem Anschein nach von Eingeborenen umgebracht.

Die Überreste der "Santa Maria" selbst blieben verschollen. Möglicherweise bis 2003: Damals hatten Clifford und sein Team, darunter sein Sohn Brandon, den Steinhaufen erstmals gesehen, ihn aber nicht zuordnen können. Obwohl ringsum weitere Überreste lagen, allen voran eine korallenüberwucherte Kanone - samt Rädern.

Übrig blieb nichts als Steine

Erst neun Jahre später, berichtet Clifford, sei er mitten in der Nacht aufgeschreckt, "und bumm, ich wusste, was es war". Vor zwei Wochen reiste er schließlich erneut nach Haiti, fand die Stelle aber erst nach langem Irrtauchen wieder - und machte eine schreckliche Entdeckung: Die Kanone und alle anderen Präziosen waren verschwunden - offenbar geplündert von anderen, die Wind bekommen hatten. "Nichts war mehr da", sagt Clifford - nur die Steine.

Aus den Steinen, den Fotos von 2003 und dem detaillierten Tagebuch Columbus' - dessen Kopie Clifford im Explorers Club triumphierend hochhält - habe er das Schicksal der "Santa Maria" und ihre letzte Ruhestätte zweifellos rekonstruieren können. Insgesamt hätten sie mehr als 885 Kilometer vermessen und rund 450 andere Wrackfelder als potenzielle "Santa Marias" eliminiert. Für ihn steht fest: Die entdeckten Steine seien der Ballast gewesen, um die "Santa Maria" im Wasser aufrecht zu halten.

Nun müsse das Wrack gesichert werden. Dazu stehe er in Kontakt mit der haitianischen Regierung und hoffe, dass eventuelle Profite aus dem Fund den notleidenden Haitianern zugutekommen. Nächste Woche will Clifford erneut zum vermeintlichen Wrack des Schiffs tauchen.



insgesamt 16 Beiträge
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lama_6 14.05.2014
1. Warum immer das schlechte Deutsch bei SPON ?
Mag kleinkariert klingen aber mich stört es und von Redakteuren erwarte ich einen gewissen Qualitätsstandard bzgl der Sprache. "projezieren" gibt es nicht, auch wenn es immer wieder so (falsch) geschrieben wird, es heisst projizieren. Und der Duden empfiehlt "Pretiosen" bzw "Preziosen" an Stelle von "Präziosen"... Zurück zum Thema: Ich bin echt gespannt ob und wie man as einem Steinhügel den Nachweis ableiten will, dass das ein bestimmtes Schiff war. Schon klar, das war Ballast und man kann wahrscheinlich nachweisen, dass es Steine aus Portugal waren, aber daraus die Schlussfolgerung auf ein ganz bestimmtes Schiff zu ziehen halte ich für geagt.
seymann2013 14.05.2014
2.
Das ist echt cool außer das die Kantonen und sowas weg sind
raber 15.05.2014
3.
Die Spanier haben damals das Gold gestohlen, ein Amerikaner hat jetzt Ruhm und hoffentlich haben die Haitianer auch etwas, und zwar wertbezogen den grösseren Anteil, davon. Schliesslich liegt das Wrack nur 4 nautische Meilen vor Haití.
nevertrust 15.05.2014
4. verstehe nicht ganz,
warum nicht bereits vor 10 Jahren die Kanone samt Rädern geborgen wurde. Unabhängig davon, ob es sich um die Santa Maria handelt oder nicht. Bei nicht mal 3 Metern Tiefe dürfte eine solche Bergung nicht gar zu aufwändi
nevertrust 15.05.2014
5. verstehe nicht ganz,
warum nicht bereits vor 10 Jahren die Kanone samt Rädern geborgen wurde. Unabhängig davon, ob es sich um die Santa Maria handelt oder nicht. Bei nicht mal 3 Metern Tiefe dürfte eine solche Bergung nicht gar zu aufwändig sein.
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