Satelliten-Überwachung Ein Flugzeug im Ozean finden

Ein Flugzeug verschwindet vom Radar und alle verfügbaren Satelliten sehen hin. Trotzdem wird die vermisste Boeing 777 seit mehr als zwei Wochen nicht gefunden. Das Unglück zeigt die Grenzen elektronischer Späher.

Satelliten, Computer und Menschen suchen nach Wrackteilen
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Satelliten, Computer und Menschen suchen nach Wrackteilen

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Die Bilder kommen aus der ganzen Welt, sie zeigen: nichts als Wasser. Mit ihnen suchen Menschen Teile eines Flugzeugs von 61 mal 64 Metern, in einem Gebiet von 59.000 Quadratkilometern. Bei der Suche ist Hightech am Werk, aber auch Geduld und Kleinarbeit.

Sie suchen eine Boeing vom Typ 777-200ER. Flug MH370 verschwand am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Die britische Firma Inmarsat wertete die letzten Signale des Flugzeugs aus. Aus stündlichen Pings berechneten sie einen Kurs. Den Berechnungen zufolge müsse der Flug über dem indischen Ozean geendet haben, teilte Malaysias Regierungschef Najib Razak am Montag mit. Was nun bleibt, ist die Suche nach den Wrackteilen.

Blick von oben: Suche aus dem Orbit

Satelliten internationaler Weltraumorganisationen und Geheimdienste nehmen in diesen Tagen den Ozean vor Australien und Indonesien ins Visier, darunter nicht näher benannte "intelligence agencies" aus den USA und Großbritannien, schreibt das "Wall Street Journal".

Die Bilder stammen von Erdbeobachtungssatelliten, sagt Richard Bamler. Der Chef des Earth Observation Centers am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hält vor allem die Suche mit Radarsatelliten für erfolgversprechend. "Das Radar erstellt uns ein Bild, Metallisches erscheint weiß." Flugzeugteile würden die Radiowellen reflektieren. Durch Ölspuren hingegen gehen die Wellen glatt durch, sie erscheinen schwarz auf den Bildern. Und diese Farbunterschiede könne Software automatisch erkennen und melden.

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Mehr als hundert Satelliten bewegen sich Bamler zufolge zwecks Erdbeobachtung in 500 bis 800 Kilometern Höhe durch den Erdorbit. Gezielt zum Suchgebiet steuern können die Wissenschaftler sie nicht, lediglich leichte Kurskorrekturen sind möglich. Doch die hohe Auflösung hat ihren Preis, erläutert Bamler: "Wenn Sie hochaufgelöste Bilder wollen, dann bekommen sie nur wenig räumliche Abdeckung." Und dann könne es ein bis zwei Tage dauern, bis der Satellit das Suchgebiet wieder überfliegt.

Deshalb kooperieren die Betreiber von Satelliten international. In der Charter for Major Disasters haben sie sich verpflichtet, einander Daten und Bilder zur Verfügung zu stellen, berichtet Bamler.

Die Macht der Masse: Suche online

Beim Internetdienst Tomnod darf jeder mitsuchen. Die US-Firma Digital Globe hat drei Satelliten im All und stellt Bilder der Region ins Netz. Mitmachen ist denkbar einfach: Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Nutzer klickt sich durch die Einführung und sieht dann Satellitenbilder. Auf einer Karte zeigt das Portal bisherige Fundstücke an.

Und auch, wenn die Suche kleinteiliger nicht sein könnte, Bamler hält diesen Weg für einen guten. Derzeit verfügbare Software sei darauf programmiert, systematisch Schiffe und Ölflecken zu entdecken. Um gezielt per Software nach dem Flugzeug oder Wrackteilen zu suchen, müsse man eine neue Auswertungsroutine programmieren. Und dies erfordere einige Monate Entwicklungszeit.

Näher ran: Suche mit dem Flugzeug

Seit Donnerstag wird auch vom Flugzeug aus gesucht. Zuletzt hatten französische Satellitenbilder und Beobachtungen aus einem chinesischen Militärflugzeug Hoffnung gemacht. Die USA, Japan und Australien sowie China überfliegen Gebiete südwestlich der australischen Stadt Perth. Wenn die Flugzeuge per Sichtkontakt Wrackteile bestätigen, geht die Suche zu Wasser weiter.

In die Tiefe: Schiffe und U-Boote

China, Australien und Großbritannien sind mit Schiffen unterwegs, um den Spuren nachzugehen. Das Problem wird darin liegen, den Flugschreiber zu finden, erläutert Martin Visbeck vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Das Institut rechnet damit, mit der Suche zu Wasser beauftragt zu werden.

Rund einen Monat lang sendet der Flugschreiber seine Position. In etwa zwei Wochen wird das Signal erlöschen. Ihn dann noch zu finden ist eine Frage von Mathematik und Glück.

"Leichte Wrackteile treiben mit der Strömung und mit dem Wind", sagt Visbeck. Weit kommen sie dabei nicht, sie bewegen sich laut Visbeck etwa einen Meter in der Sekunde - also 3,6 Kilometer pro Stunde. Werden tatsächlich Wrackteile gefunden, würden die Wissenschaftler versuchen, ihren Weg auf Basis der Strömungsdaten zu rekonstruieren. Doch je länger sie unterwegs seien, desto ungenauer würden die Ergebnisse.

Vom Schiff aus sei die Suche am Meeresgrund kaum möglich, sagt Visbeck, zu ungenau seien die Daten. "Die einzige Möglichkeit sind Tauchboote." Sie suchen in 3000 bis 4000 Metern Tiefe mittels Sonar: Mit akustischen Signalen wird ein Bild des Untergrunds erzeugt. Und wenn dabei etwas nach Flugzeug aussieht, kommen Tieftauchroboter an Kabeln zum Einsatz. "Dafür müssen wir aber schon sehr genau wissen, wo die Wrackteile sind", sagt Visbeck. Denn die Tauchboote können den Meeresgrund nur auf einer Strecke mit etwa einem Kilometer Breite untersuchen. Ist der Grund zerklüftet, verringert sich diese Spanne. Dann könnte die Suche noch Jahre dauern. So wurde das Wrack eines 2009 in den Atlantik gestürzten Air-France-Airbus erst im Jahr 2011 geortet.

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Seite 1
yolo7 24.03.2014
1. Egal wo sondern wie
wieso redet niemand über das tatenlose Zusehen des malaysischen Militärs nachdem die Maschine offenbar die Komplette Insel über flogen hat und sich dabei nicht meldete also als UFO galt? warum hat unser Freund Amerika nichts unternommen? Immerhin unterhalten die Amis auf dem Atoll Diego Garcia eine Militarbasis und Sicherlich nicht nur mit einer 50km Luftüberwachung inkl. Landebahn die groß Genug für eine Boing777 ist. die Sache stinkt bis zum Himmel !!
Forenadmin 24.03.2014
2. .
Zitat von yolo7wieso redet niemand über das tatenlose Zusehen des malaysischen Militärs nachdem die Maschine offenbar die Komplette Insel über flogen hat und sich dabei nicht meldete also als UFO galt? warum hat unser Freund Amerika nichts unternommen? Immerhin unterhalten die Amis auf dem Atoll Diego Garcia eine Militarbasis und Sicherlich nicht nur mit einer 50km Luftüberwachung inkl. Landebahn die groß Genug für eine Boing777 ist. die Sache stinkt bis zum Himmel !!
Dann nimm mal den Globus in die Hand und schaue mal nach wo Diego Garcia liegt. Du wirst feststellen, dass die Flugroute über 3.000km von Diego Garcia entfernt liegt ;-) Und da du gerade den Globus eh schon in der Hand hast, ist dir bestimmt aufgefallen, dass das Ding RUND ist. Mal angenommen dieser Globus entspricht in etwa der Form unserer Erde in einem mir unbekannten Maßstab, dann können wir davon ausgehen die Erde hätte eine Art "Erdkrümmung". Und nun nimm deine Taschenlampe oder noch besser: einen Laserpointer! und versuche damit um eine Kurve zu leuchten... Na? Merkste was? :-D
Hermes75 24.03.2014
3.
Zitat von yolo7wieso redet niemand über das tatenlose Zusehen des malaysischen Militärs nachdem die Maschine offenbar die Komplette Insel über flogen hat und sich dabei nicht meldete also als UFO galt? warum hat unser Freund Amerika nichts unternommen? Immerhin unterhalten die Amis auf dem Atoll Diego Garcia eine Militarbasis und Sicherlich nicht nur mit einer 50km Luftüberwachung inkl. Landebahn die groß Genug für eine Boing777 ist. die Sache stinkt bis zum Himmel !!
Bei Reisegeschwindigkeit war die Maschine vielleicht eine Viertelstunde über der malayischen Halbinsel. Der Transponder war ausgeschaltet. Nur als Beispiel: Vor ein paar Wochen wurde die Schweiz (also mitten in Europa) von einer entführten Linienmaschine aus Afrika überflogen. Die Schweizer Luftwaffe reagierte auch nicht - der Vorfall geschah außerhalb der Dienstzeit. Ein Blick auf die Karte würde Ihnen zeigen, dass Diego Garcia 3000 bis 4000 km von der wahrscheinlichen Flugroute des Flugzeuges entfernt liegt. (Zum Vergleich: Sie können dann auch den Flughafen in Madrid bitten ihnen Auskunft über Flugbewegungen in Russland zu geben.) KEIN Radar der Welt kann auf diese Entfernung ein Flugzeug erfassen - da ist schlicht die Erdkrümmung im Wege. Selbst ein luftgestütztes AWACS System kann Flugzeuge nur bis 500 km Entfernung erfassen. Bodengestützte Radarsysteme gibt es in dem Bereich nicht. Selbst die Chance ein Kriegsschiff mit entsprechendem Luftraumüberwachungsradar mitten im indischen Ozean anzutreffen ist extrem gering.
Hans58 24.03.2014
4.
Zitat von yolo7wieso redet niemand über das tatenlose Zusehen des malaysischen Militärs nachdem die Maschine offenbar die Komplette Insel über flogen hat und sich dabei nicht meldete also als UFO galt? warum hat unser Freund Amerika nichts unternommen? Immerhin unterhalten die Amis auf dem Atoll Diego Garcia eine Militarbasis und Sicherlich nicht nur mit einer 50km Luftüberwachung inkl. Landebahn die groß Genug für eine Boing777 ist. die Sache stinkt bis zum Himmel !!
http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=121845&page=7&p=15252191&viewfull=1#post15252191 P.S. Boeing
auweia 24.03.2014
5. U-Boote
Zitat von sysopGetty ImagesEin Flugzeug verschwindet vom Radar und alle verfügbaren Satelliten sehen hin. Trotzdem wird die vermisste Boeing 777 seit mehr als zwei Wochen nicht gefunden. Das Unglück zeigt die Grenzen elektronischer Späher. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/satelliten-ueberwachung-ein-kleines-flugzeug-in-einem-ozean-finden-a-960381.html
Nachbemerkung zu den im Text erwähnten U-Booten: Aufgrund ihrer feinen Sensorik haben militärische U-Boote meines Erachtens die besten Chancen zur Auffindung des Absturzortes. Aber die Zeit läuft. Die "black box" sendet ca 30 Tage ein akustisches Peilsignal, 16 davon sind vorüber. Man hat also noch 14 Tage um in das Seegebiet südwestlich von Australien U-Boote zu entsenden. Das wird knapp, selbst für die australische Navy. Die hat, soweit ich weiss nur sechs Boote - und nicht alle sind einsatzfähig. Bis die von z.B. Sidney im Gebiet sind, können noch 10 Tage vergehen - und das Gebiet ist gross. Ähnlich die US- Navy oder die PLAN - der südliche Indik ist normalerweise nicht deren Revier. Alternativ fällt mir nur die massenhafte Ausbringung von Horchbojen ( normalerweise zur U-jagd) aus der Luft ein. Aber so viel Bojen ( und Flugzeuge) gibt es wohl nicht. Bleibt eigentlich nur die Hoffnung auf einen Zufallstreffer...
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