Sauerstoff-Panne US-Luftwaffe muss alle Stealth-Jäger am Boden lassen

Es ist ein herber Schlag für eines der umstrittensten Programme der US-Luftwaffe: Wegen einer Panne bei der Sauerstoffversorgung wird die gesamte F-22-Kampfjet-Flotte bis auf weiteres stillgelegt. Mehrere Piloten hatten über Übelkeit geklagt.

F-22-Kampfjets: Kritiker nennen die "Raptor" ein Relikt aus dem Kalten Krieg
REUTERS/ USAF

F-22-Kampfjets: Kritiker nennen die "Raptor" ein Relikt aus dem Kalten Krieg


Washington - Kritiker nennen die F-22 ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Jetzt befeuert neuer Zündstoff die Debatte um die umstrittene "Raptor". Das Kampfflugzeug mit Tarnkappentechnik muss bis auf weiteres am Boden bleiben. Betroffen von der Entscheidung der U.S. Air Force ist die gesamte F-22-Flotte. Sie umfasst etwa 165 Flugzeuge.

Grund für die Maßnahme ist offenbar ein Problem bei der Sauerstoffversorgung im Cockpit. Mehrere Piloten hätten über Sauerstoffmangel und Symptome der sogenannten Dekompressionskrankheit geklagt, teilte die U.S. Air Force mit. Das sei ein deutliches Zeichen dafür, dass die Piloten nicht ausreichend Sauerstoff bekämen, hieß es.

Weil Kampfflugzeuge mitunter große Flughöhen erreichen und häufig schnell steigen und sinken müssen, ist der Kabinendruck anders als in gewöhnlichen Passagierflugzeugen geregelt. Um im Falle eines Unfalls, etwa wenn das Kabinendach beschädigt wird, die Folgen eines raschen Druckabfalls gering zu halten, müssen die Piloten in großen Höhen regelmäßig Sauerstoffmasken anlegen.

Gefahr bei Flügen in großen Höhen

Die "Raptor" scheint schon länger mit der Sauerstofftechnik zu kämpfen: Bereits im Januar stoppte die US-Luftwaffe Flüge über einer Höhe von 25.000 Fuß. Denn die Folgen einer unzureichenden Sauerstoffversorgung ab dieser Höhe können verheerend sein. Ohne genügend Sauerstoff kann der Pilot das Bewusstsein und damit die Kontrolle über den Kampfjet verlieren. Doch gerade für große Höhen ist das Flugzeug konzipiert, dort zeigt es die beste Leistung.

Nun fahnden Techniker nach den Ursachen für die technischen Probleme. Wie lange die Untersuchung dauert, ist derzeit unklar. General Will Fraser sagte, es handle sich bei dem Aussetzen der Flüge um eine Vorsichtsmaßnahme. Diese bedeutet für die US-Luftwaffe einen herben Einschnitt. Um fast die Hälfte wird die gesamte Jagdflugzeug-Flotte der U.S. Air Force, zu der noch etwa 250 ältere F-15C-Maschinen gehören, dezimiert. Zwar dürften die "Raptors" in Notfällen dringende nationale Missionen in Sicherheitsangelegenheiten fliegen, heißt es. Doch Patrouillen- und Trainingsflüge seien verboten.

Die "Raptor" wurde in der Erwartung konzipiert, dass die USA für den Luftkampf mit einer modernen chinesischen oder russischen Luftflotte gerüstet sein müssten. Für das gegnerische Radar sind die Jagdflugzeuge unsichtbar. Top-Kommandeure der Air Force halten die F-22 für unverzichtbar und forderten immer wieder vehement eine Aufstockung der Stückzahlen. Ihr Argument: Der Stealth-Jet stärke die Verteidigungsfähigkeit der USA. Doch 2009 stoppte die Parlamentskammer der USA den weiteren Bau des umstrittenen Kampfjets. Gegner der F-22 bringen das Argument vor, die Maschine sei im Betrieb zu teuer, und monieren, dass für eine Flugstunde 20 Stunden Wartung erforderlich seien.

Weder im Irak noch in Afghanistan wurde bisher eine F-22 eingesetzt. Auch als die US-Streitkräfte mit den Luftangriffen in Libyen begannen, verzichtete man auf den Einsatz von "Raptor"-Jets. Einige Beobachter glauben, dass die "Raptor" dafür unbrauchbar sei, weil sie nicht in der Lage sei, Daten mit Nicht-Tarnkappenflugzeugen auszutauschen. Die Air Force dagegen behauptete, die F-22-Flotte, die hauptsächlich am Pazifik stationiert ist, sei schlicht zu weit weg von Nordafrika gewesen, als der Krieg dort ausbrach.

cib

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