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AKW Sendai: Meiler im geologischen Hotspot

Foto: AP/ Kyodo News

Nach Fukushima Japan will zwei Atommeiler wieder hochfahren

Seit einem Jahr stehen sämtliche Meiler Japans still. Das Land hat den Express-Ausstieg aus der Atomkraft ohne Blackouts gemeistert - doch der Preis dafür war hoch. Nun sollen zwei Meiler unweit einer geologisch hoch aktiven Zone wieder ans Netz.

Tokio/Berlin - Dreieinhalb Jahre nach der Katastrophe von Fukushima hat die Atom-Aufsicht in Japan grünes Licht für Umbauten  am Kernkraftwerk Sendai gegeben. Diese sollen die Sicherheit der Anlage verbessern. Die Umbauten gelten als erster Schritt zur möglichen Inbetriebnahme des AKWs rund tausend Kilometer südwestlich von Tokio.

Bevor die zwei Reaktoren des Betreibers Kyushu Electric Power wieder ans Netz können, müssen die Aufseher aber noch prüfen, ob diese überhaupt den gestiegenen Sicherheitsvorschriften genügen. Die Aufseher müssen sich dazu durch Zehntausende Seiten arbeiten. Auch eine Zustimmung der Kommunalbehörden steht noch aus. Beobachter gehen davon aus, dass die Anlage frühestens 2015 wieder in Betrieb genommen werden kann.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert das Vorhaben scharf. Sendai liege in unmittelbarer Nähe einer geologisch hoch aktiven Zone, sagt Heinz Smital, Experte für Atomkraft bei Greenpeace. In etwa 70 Kilometern Entfernung befinde sich der Vulkan Sakurajima , der permanent aktiv sei. "Dieser Vulkan ist ein Riesenproblem", erklärt Smital. Die Vorschriften der International Atomic Energy Agency (IAEA) sähen einen Mindestabstand von 160 Kilometern vor, an dieser Stelle hätte gar kein Atomkraftwerk gebaut werden dürfen.

Mit der geplanten Inbetriebnahme des AKW Sendai will die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe ihre im April vorgelegte Energie-Strategie umsetzen. Diese sieht eine Rückkehr zur Atomkraft vor. In Umfragen hatte sich die Mehrheit der Bevölkerung hingegen immer wieder gegen die Atomkraft ausgesprochen - der Schock von Fukushima sitzt tief.

Kurze Hosen gegen den Blackout

Nach der Nuklear-Katastrophe im März 2011 waren Schritt für Schritt sämtliche Atommeiler vom Netz gegangen. Fast auf den Tag genau seit einem Jahr wird in Japan kein Atomstrom mehr produziert. Der letzte Reaktor, Ohi 4, wurde am 15. September 2013 heruntergefahren. "Ein Jahr ohne Atomstrom - das ist ein historischer Moment", sagt Greenpeace-Experte Smital.

Den Express-Ausstieg hat Japan erstaunlich gut gemeistert. Noch 2010 lag der Atomstromanteil bei 29 Prozent, nun bei null. Blackouts gab es keine, nicht zuletzt, weil die Regierung alle Bürger zum Stromsparen aufgerufen hatte. Um die stromfressenden Klimaanlagen im Sommer herunterdrehen zu können, wurde der strenge Dresscode gelockert. Polohemden, Hawaiihemden und Turnschuhe wurden erlaubt, unter bestimmten Bedingungen auch Jeans, kurze Hosen und Sandalen.

Immerhin ein Drittel der durch die AKW-Abschaltung entstandenen Stromlücke konnten die Japaner durch verringerten Stromverbrauch kompensieren. Neben dem Anti-Schwitz-Look im Büro dürfte auch die grassierende Wirtschaftskrise dazu beigetragen haben.

Zwei Drittel des fehlenden Stroms mussten nach Greenpeace-Berechnungen Gas- und Ölkraftwerke produzieren. Dies erhöhte die Stromkosten stark, denn Japan musste 40 Prozent mehr fossile Brennstoffe importieren, während zugleich der Yen abgewertet wurde.

Mehr fossile Energieträger bedeuten mehr CO2-Ausstoß - nach Greenpeace-Einschätzung ist der Anstieg jedoch moderat. Die Emissionen lagen im Jahr 2012 etwa auf dem Niveau von 2005. Mit einem starken Ausbau erneuerbarer Energien könne Japan seine Ziele zur CO2-Reduktion bis 2020 auch ohne Atomkraft erreichen, sagt Smital. Er sieht die vergangenen zwölf Monate auch als Ermutigung: "Ein Atomausstieg ist viel schneller möglich. Es könnte auch in Deutschland schneller gehen."

Welche Rolle die Atomkraft künftig in Japan spielt, lässt sich schwer abschätzen. Mindestens ein Dutzend der insgesamt 48 Reaktoren wird wohl nie wieder hochgefahren - die Meiler gelten als zu alt und zu unsicher. Und auch modernere Kraftwerke könnten an den erhöhten Sicherheitsanforderungen scheitern - je nachdem wie streng die japanische Atomaufsicht die eingereichten Unterlagen prüft. Die Situation in Japan passt zu einem weltweiten Trend: Die Atomkraft als Energiequelle wird immer unwichtiger.

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