"Picard" im Check So genau nimmt es "Star Trek" mit der Wissenschaft

Kaum eine Science-Fiction-Reihe beherzigt Naturgesetze so konsequent wie "Star Trek". Doch einige Szenen der neuen Serie "Picard" rütteln an den Grenzen der Wissenschaft.
Auch in der neuen Serie spielt Patrick Stewart Picard

Auch in der neuen Serie spielt Patrick Stewart Picard

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Trae Patton/ CBS/ Amazon

Warnung: Der folgende Text enthält Spoiler - wenn Sie nichts über die Handlung in "Picard" erfahren wollen, sollten Sie nicht weiterlesen.

Jean-Luc Picard ist gealtert. So viel ist schon mal wissenschaftlich korrekt. Die neue Serie "Star Trek: Picard" spielt im Jahr 2399. Der ehemalige Captain der Enterprise ist mittlerweile im Ruhestand und lebt zurückgezogen auf dem Weingut seiner Familie in Frankreich. 14 Jahre sind vergangenen, seit er die Sternenflotte verlassen hat.

"Es gehört zum langjährigen Credo von "Star Trek" möglichst nichts zu zeigen, was Naturgesetzen widerspricht", sagt Hubert Zitt von der Hochschule Kaiserslautern, der sich selbst als Trekkie der ersten Stunde bezeichnet und Vorlesungen zur Technik von "Star Trek" gehalten hat. Schon in den Sechzigerjahren berieten Wissenschaftler Drehbuchautor und Produzent Gene Roddenberry bei der Entwicklung der Serie.

Kann es auf dem Mars brennen?

Doch hin und wieder rüttelt auch "Star Trek" an den Grenzen der Wissenschaft - zugunsten der Dramaturgie.

Gleich in der ersten Folge von "Picard" ist beispielsweise zu sehen, wie Androiden den Mars angreifen und dabei einen Brand in der Atmosphäre entfachen. Auf dem Mars kann jedoch kein Feuer ausbrechen. Damit etwas dauerhaft brennt, muss in der Luft mindestens 15 Prozent Sauerstoff enthalten sein, auf dem Mars sind es gerade einmal 0,15 Prozent.

"Allerdings", argumentiert Zitt, "ist der Mars in der Serie bewohnt." Die Atmosphäre müsse sich also geändert haben. Vielleicht ist durch die Besiedlung ein Gas in die Luft gelangt, dass die verheerende Reaktion erklären könnte? In der Serie wird das nicht aufgeklärt.

Allerdings wären selbst unter den lebensfreundlichen Bedingungen der Erde solche Feuer unmöglich. Ihre Atmosphäre besteht zu fast vier Fünfteln aus Stickstoff und der ist nicht brennbar. In "Picard" wüten die Brände zudem über Jahrzehnte. Auf der Erde würden sie viel schneller erlöschen, sobald alles brennbare Material an der Oberfläche abgefackelt ist. Allenfalls Erdfeuer, bei denen leicht entzündliches Material wie Torf in Brand gerät, können jahrzehntelang schwelen.

Eine andere galaktische Katastrophe der Serie lässt sich wissenschaftlich leichter belegen: Die Sonne des Planeten Romulus ist in einer Supernova explodiert und hat den Planten zerstört. Seine Bewohner mussten auf andere Planeten flüchten. Auch im Hause Picard leben Romulaner.

"Solche Supernovas gibt es tatsächlich", erklärt Erin McDonald in ihrem Videoblog . Die Astrophysikerin arbeitet seit einigen Monaten als wissenschaftliche Beraterin für "Star Trek". Der Erde wird das Schicksal von Romulus allerdings erspart bleiben.

Das Ende der Sonne

Laut McDonald ist unsere Sonne zu klein, um in einer Supernova zu explodieren. Wenn ihr Wasserstoffvorrat aufgebraucht ist, wird sich die Sonne merklich abkühlen und so weit anschwellen, bis sie fast die Erde erreicht. Astronomen sprechen von einem Roten Riesen. Die Erde würde dabei nicht explodieren, alles Leben würde trotzdem ausgelöscht. Allerdings vergehen bis dahin noch mehr als fünf Milliarden Jahre.

Dass "Star Trek" hin und wieder gegen Naturgesetze verstößt, findet McDonald nicht schlimm. "Genaue Wissenschaft ist selten spektakulär genug, um darauf eine wöchentliche Abenteuer-Fernsehshow aufzubauen." Wenn ein Raumschiff explodiert, ist ein lauter Knall zu hören, obwohl im All kein Schall übertragen werden kann. Wer will schon eine galaktische Schlacht als Stummfilm sehen?

Die Astrophysikerin sieht die Dinge pragmatisch. Ihr Ziel ist es nicht, die Geschichte kaputtzureden, sondern mögliche wissenschaftliche Erklärungen zu finden – wie beim berühmten Warp-Antrieb, mit dem die Enterprise schneller als das Licht unterwegs ist.

Warp-Antrieb im Check

Eigentlich müssten Picards Sternreisen ewig dauern. Laut Einsteins Relativitätstheorie kann sich nichts, was eine Masse hat, schneller bewegen als das Licht. Es spricht aber nichts dagegen, dass die Raumzeit selbst höhere Geschwindigkeiten erreichen kann. "Wenn sie sich wie eine Blase um das Raumschiff legt, könnte die Raumzeit die Enterprise schneller antreiben als Lichtgeschwindigkeit", sagt McDonald.

Allerdings bräuchte man dafür mehr Energie, als im Universum verfügbar ist. Und das ist nicht der einzige Haken: Der Blitz, der zu sehen ist, wenn die Enterprise auf Warp-Antrieb stellt, lässt sich laut Zitt ebenso wenig wissenschaftlich erklären wie die Tatsache, dass die Sterne so schnell vorbeifliegen, dass sie Lichtschlieren bilden. Dafür seien sie viel zu weit entfernt. Eigentlich müssten die Sterne langsam am Fenster der Enterprise vorbeiziehen wie die Landschaft aus einem Flugzeugfenster.

In einigen Fällen haben die Macher von "Star Trek" nachgebessert, beispielsweise bei dem berühmten Universalübersetzer, mit dem sich alle Lebensformen verständigen können. Die Erfindung enthielt einen Logikfehler: Auch wenn die fremde Sprache simultan übersetzt wird, müsste sie noch zu hören sein. Dieser Patzer wurde 2016 mit dem Film "Beyond" behoben. Der Entwickler der klingonischen Sprache, ein guter Bekannter von Zitt, habe ihm erzählt, dass die Änderung kurzfristig eingefügt worden sei.

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Star Trek: Picard

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Das zeigt, wie ernst es den Machern von "Star Trek" mit der wissenschaftlichen Korrektheit ist. Selbst für das Beamen – ursprünglich erdacht, um Kosten für teure Animationen von Raumschiffen zu sparen – liefern sie eine Erklärung. In der aktuellen Serie "Picard" brauchen die Charaktere nicht mal mehr eine Plattform, um ohne Zeitverlust von einem Ende der Welt zum anderen zu gelangen.

Nach allem, was wir wissen, verbietet die Physik so einen Transport. Denn dann müsste ein Körper in seine fundamentalen Einzelteile zerlegt und an anderer Stelle wieder zusammengebaut werden können. Nach der Heisenbergschen Unschärferelation geht das jedoch nicht, weil man nie genau sagen kann, wo sich ein Teilchen zu einer bestimmten Zeit aufhält.

Die Macher von "Star Trek" lösten das Problem, in dem sie den Heisenberg Kompensator erfanden, der die Unschärferelation aushebeln soll. Wie der funktionieren soll, ist jedoch unklar. Zitt glaubt nicht, dass es das Gerät überhaupt geben kann.

Picards Zwilling

Vielleicht eilt "Star Trek" der wissenschaftlichen Forschung auch nur voraus. Neue Entdeckungen lassen das Beamen gar nicht so unmöglich erscheinen. 1997 gelang dem österreichischen Forscher Anton Zeilinger erstmals eine Quantenteleportation, was ihm den Spitznamen "Mr. Beam" einbrachte.

Das Prinzip: Die Eigenschaften eines Teilchens übertragen sich auf ein anderes, das weit entfernt ist. Das Ursprungsteilchen wird dabei zerstört. Auf der Erde gelang eine solche Teleportation über eine Entfernung von 144 Kilometer, zwischen All und Erde sogar über eine Entfernung von rund 1200 Kilometern. Einen so großen Klumpen Materie wie den menschlichen Körper zu teleportieren, hält Zeilinger jedoch für unmöglich.

Und selbst wenn sich Picard so fortbewegen könnte, würde am Zielort lediglich eine exakte Kopie von ihm entstehen, während der Original-Picard zerstört wird. Wäre er dann noch derselbe? Es würde zum Charakter des nachdenklichen Captains passen, sich mit solch philosophischen Fragen zu beschäftigen.