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07. Februar 2011, 18:05 Uhr

Stealth-Technik

US-Militär lässt Tarnkappen-Kampfdrohne fliegen

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Das US-Militär erweitert sein Drohnenarsenal um einen Tarnkappenflieger: Die X-47B hat ihren Erstflug erfolgreich absolviert. Sie könnte die erste bewaffnete Stealth-Drohne der Amerikaner werden.

Drohnen gehören seit Jahren zu den Standardwaffen des US-Militärs. Insbesondere im Kampf gegen Aufständische sind die unbemannten Flugzeuge inzwischen im Dauereinsatz. Immer wieder fallen ihnen mutmaßliche Terroristen zum Opfer, auch mit der Tötung Unbeteiligter geriet der Einsatz der Drohnen wiederholt in die Schlagzeilen.

Allerdings haben die aktuellen Modelle wie "Predator" und "Reaper" zwei schwerwiegende Nachteile: Sie sind für gegnerisches Radar leicht zu orten und außerordentlich langsam, da sie von Propellern angetrieben werden. Eine "Reaper" erreicht nur rund 300 km/h. Im Einsatz gegen Taliban in Afghanistan ist das kein großer Nachteil, in einem Krieg gegen einen feindlichen Staat aber würde dessen Flugabwehr solche Drohnen blitzschnell vom Himmel holen.

Unbemannte Flieger mit Strahltriebwerk und Stealth-Eigenschaften sind deshalb der nächste logische Schritt. Zwar hat das US-Militär mit der RQ-170 "Sentinel" ein solches Gerät seit einiger Zeit im Einsatz, doch handelt es sich dabei nach bisher verfügbaren Informationen um einen unbewaffneten Aufklärer. Jetzt hat die X-47B ihren Jungfernflug absolviert: Sie ist die erste US-Kampfdrohne mit Jet-Triebwerk, Stealth-Eigenschaften und dem vom Tarnkappenbomber B-2 "Spirit" bekannten Nurflügler-Design.

Mehrere Premieren für X-47B

Der Erstflug hat am 4. Februar an der Edwards Air Force Base in Kalifornien stattgefunden, wie der Rüstungskonzern Northrop Grumman mitteilt. Es sei ein "wesentlicher Schritt" in der Entwicklung eines unbemannten Kampfflugzeugs gewesen. Das Ziel des "Unmanned Combat Air System Demonstrator"-Programms (Ucas-D) ist die Entwicklung einer Drohne von der Größe eines bemannten Kampfjets, die Starts und Landungen auf einem Flugzeugträger absolvieren sowie in der Luft betankt werden kann.

"Der Erstflug ist das Ergebnis zahlreicher Tests, um die Flugtauglichkeit des Flugzeugs und die Zuverlässigkeit der Software zu bestätigen", sagte Marineoffizier Jaime Engdahl, Manager des Ucas-D-Programms. Bei dem 29-minütigen Testflug ist die X-47B laut Northrop Grumman auf eine Höhe von 1500 Metern gestiegen, hat mehrere Flugmanöver absolviert und danach eine saubere Landung hingelegt. Während des Flugs habe man Daten zur Prüfung der Navigations- und Steuerungs-Software und zur Aerodynamik des Nurflüglers gesammelt.

In Zukunft soll die X-47B weitere Premieren schaffen: 2013 soll sie die erste autonome Drohne sein, die von einem Flugzeugträger startet und dort auch wieder landet. Anschließend soll die Betankung in der Luft getestet werden. Ist sie erst in Dienst gestellt, könnte sie nicht nur Angriffsmissionen übernehmen, sondern möglicherweise auch im Rahmen eines Abwehrsystems gegen feindliche Atomraketen zum Einsatz kommen.

Flugzeugträger gewinnen an Schlagkraft

Zudem würden Flugzeugträger durch die Jet-Drohnen zu noch tödlicheren Waffen werden, denn die X-47B verfügt über eine viel größere Reichweite als bemannte Kampfjets. Der Einsatzradius einer F/A-18 "Super Hornet" etwa, bewaffnet für die Bekämpfung von Bodenzielen, beträgt kaum mehr als 700 Kilometer. Die X-47B kann dagegen in einem Umkreis von mehr als 2700 Kilometern operieren. Die Flugzeugträger könnten dadurch weit entfernt von der feindlichen Küste bleiben - und so den gefährlichen Anti-Schiffs-Raketen, wie sie etwa von China entwickelt werden, ausweichen.

Die X-47B ist nicht die einzige Tarnkappendrohne, die derzeit von den Amerikanern entwickelt wird. Ein Konkurrenzmodell ist die "Phantom Ray" von Boeing, ebenfalls ein Nurflügler. Ihr Jungfernflug sollte ursprünglich schon im Dezember 2010 stattfinden, wurde aber auf Anfang 2011 verschoben. Zumindest auf dem Papier ist die "Phantom Ray" der X-47B überlegen: Sie soll in etwa die gleiche Waffenlast von rund 2000 Kilogramm tragen können, dabei aber eine Marschgeschwindigkeit von knapp 1000 km/h erreichen - rund 400 km/h mehr als die X-47B. Dafür wiederum verfügt die X-47B über einen 900 Kilometer größeren Einsatzradius.

Auch General Atomics, Hersteller der "Reaper"- und "Predator"-Drohnen, arbeitet an einer Stealth-Kampfdrohne. Die "Avenger" setzt im Unterschied zu X-47B und "Phantom Ray" auf ein traditionelles Design mit Rumpf und Flügeln, das den älteren Propellerdrohnen stark ähnelt. Die Marschgeschwindigkeit beträgt rund 740 km/h, die Waffenlast knapp 1400 Kilogramm.

In anderen Teilen der Welt laufen die Arbeiten an Stealth-Drohnen ebenfalls auf Hochtouren: Russland entwickelt die MiG "Skat", zu Deutsch "Rochen". Deutschland und Spanien lassen vom EADS-Konzern die "Barracuda" bauen, die bereits 2006 ihren Erstflug hatte. Die britische Rüstungsfirma BAE Systems bastelt an der "Taranis", und auch Frankreich hat mit der Dassault "Neuron" eine eigene Stealth-Drohne in der Entwicklung.

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