Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Reiche Frau mit Kuh bestattet

Der Bestattungsprunk ist einzigartig in Europa: Forscher haben ein Frauengrab mit einer Kuh gefunden. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Eine neue Theorie zu Stonehenge, die Quelle altertümlicher Tätowierungen, und ein Bier der Etrusker kommt auf den Markt.

+++ Reiche Frau bekam Kuh mit ins Grab +++

Grab: Frauengebeine und Kuhskelett

Grab: Frauengebeine und Kuhskelett

Foto: Duncan Sayer

"Wahrlich bizarr" nannten die Archäologen, was sie in einem Grab auf einem angelsächsischen Friedhof in Cambridgeshire fanden. In der Grube lagen eine Frau - und eine Kuh. Zunächst hielten die Ausgräber von der Manchester Metropolitan University und der University of Central Lancashire die Skelette für einen Mann und ein Pferd. Es kam gelegentlich vor, dass Männer mit ihren Pferden bestattet wurden - 31 solcher Begräbnisse sind aus Britannien bekannt.

Das Begräbnis einer Frau mit ihrer Kuh ist jedoch einzigartig in ganz Europa. Die Frau war offensichtlich reich. Neben Broschen war ihr Leichnam mit Hunderten Perlen aus Bernstein und Glas geschmückt. An ihrem Gürtel hing ein Schlüsselbund - wahrscheinlich ein Indiz dafür, dass sie gemeinschaftliche Vorräte kontrollierte. Auch die Kuh wird ein Zeichen ihres Reichtums gewesen sein. Kühe waren im späten fünften Jahrhundert ein wertvolles Gut. Sie galten als Symbol für Wohlstand und Macht. Eine davon für ein Begräbnis herzugeben, bedeutete ein großes Opfer.

Erst recht für eine Frau: "Der Fund ist unglaublich früh für das Grab einer Frau mit so offensichtlichem Reichtum", kommentiert Ausgräber Duncan Sayer von der University of Central Lancashire den Fund. "Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder in meinem Leben etwas so Bedeutendes finden werde."

+++ Moche-Mine für Tätowierzinnober entdeckt +++

Moche-Altar: Ort der Opferung von Menschen

Moche-Altar: Ort der Opferung von Menschen

Foto: Regulo FRANCO/ AFP

Woher kam der Zinnober, mit dem die Moche vor 1600 Jahren im heutigen Peru ihre Haut tätowierten? Wahrscheinlich aus lokalen Minen, hat nun der Archäologe Regulo Franco herausgefunden. Bisher glaubte man, der Zinnober sei von weit her aus dem Süden importiert worden. Nun aber hat Franco bei Trujillo eine Zinnobermine entdeckt. Sie liegt im Gebiet des Cerro Campana - ein Hügel, der den Moche heilig war.

Außer Zinnober sind dort Malachite, Quecksilber und Quecksilbersulfite vorhanden. Funde von Keramikfragmenten und Knochen belegen eindeutig, dass die Moche diese Mine benutzten. Noch kann sie allerdings nicht weiter erforscht werden, weil giftige Gase ein Betreten verhindern. Im Jahr 2005 entdeckte Franco schon ein besonders schönes Beispiel für Tätowierkunst bei den Moche. Die Haut der etwa 28-jährigen Señora de Cao war kunstvoll mit Spinnen, Schlangen, Fischen und anderen Figuren bemalt.

Das Mikroklima in der Pyramide, in der sie bestattet war, hatte ihre Haut sowie ihre langen Haare und inneren Organe erstaunlich gut konserviert. Zu Lebzeiten war sie eine bedeutende Herrscherin. Für ihr Begräbnis kleideten die Moche sie in 26 Schichten feinste Kleidung und schmückten sie mit Nasenringen, Kronen, Ketten und einer goldenen Totenmaske. Außerdem mussten ihr mehrere Wachen sowie ein Mädchen in den Tod folgen, deren Skelette Franco neben dem Grab entdeckte.

+++ Königlicher Schmuck im Klo +++

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Katharina von Medici: Die Haarnadel der Königin

Foto: AP/ Conseil general de Seine et Marne

Auch mächtige Königinnen überkommt manchmal ein ganz menschliches Bedürfnis. In der Gemeinschaftstoilette einer königlichen Residenz vor den Toren von Paris haben Archäologen eine goldene Haarnadel der Königin Catherine de Medici gefunden. Die Haarnadel lässt sich leicht an den zwei ineinander verschränkten C's dem Besitz der Königin zuordnen.

Es ist jedoch das erste Mal, dass ein Gegenstand aus dem Privatbesitz einer Herrscherpersönlichkeit der Renaissance im Palast von Fontainebleau gefunden wurde. Catherine war, obwohl sie schon wenige Tage nach ihrer Geburt im Jahr 1519 zur Vollwaise wurde, eines der reichsten Mädchen Europas und berühmt für ihren Schmuck. Zur Hochzeit mit Heinrich von Orléans, dem späteren Heinrich II., schenkte ihr Papst Clemens VII. - mit dem sie verwandt war - unter anderem ein Paar Perlenohrringe, das noch Geschichte machen sollte: Catherine schenkte es später ihrer Schwiegertochter Maria Stuart.

Nach der Hinrichtung Marias trug deren Cousine Königin Elizabeth I. diese Ohrringe. Wie die Haarnadel der Königin in die öffentliche Toilette gelangte, ist nicht bekannt. Vielleicht verlor Catherine sie tatsächlich selber, als sie einmal ein dringendes Bedürfnis überkam. Vielleicht hatte aber auch eine Hofdame das Schmuckstück gestohlen und es dort verloren.

+++ Der Sinn von Stonehenge +++

Stonehenge: "Ein Akt der Vereinigung"

Stonehenge: "Ein Akt der Vereinigung"

Foto: Sheffield UC

Warum wurde Stonehenge erbaut? Mike Parker Pearson, Direktor des Stonehenge Riverside Projects, hat dazu eine neue Theorie: Er glaubt, dass das Monument von Menschen aus dem Osten und Westen Englands gemeinsam als ein Zeichen des Friedens nach einer Periode kriegerischer Auseinandersetzungen errichtet wurde. Die Steine, die aus so unterschiedlichen Regionen wie dem Süden Englands und dem Westen von Wales stammen, könnten jeweils die frühesten landwirtschaftlichen Zentren Britanniens repräsentieren.

Parker Pearson erklärt, dass in der Zeit zwischen 3000 und 2500 v. Chr., in der Haupt-Bauperiode des Monuments, in ganz Britannien erstmals die Verbreitung einer gemeinsamen Kultur zu beobachten sei. "Wir beobachten in der Zeit erstmals auf der ganzen Insel dieselbe Architektur und dieselben Keramikformen - und zwar von den Orkneys im Norden bis runter zur Südküste", sagt Parker Pearson. "Das war ein großer Unterschied zu den Jahrhunderten vorher, in denen jede Region ihre eigenen Stile hatte." Stonehenge selber war eine gewaltige Unternehmung, bei der Tausende mithelfen mussten, um die Steine von so weit her wie Wales heranzutransportieren, zu bearbeiten und aufzurichten. Die Arbeit alleine, bei der alle gemeinsam mit anpacken mussten, war schon in sich ein Akt der Vereinigung."

Stonehenge war jedoch wohl schon vorher ein bedeutender Ort. Die Archäologen entdeckten unter dem zeremoniellen Weg, der zu den Steinkreisen führt, natürliche Bodenformationen, die eine Achse zwischen den Punkten der Sonnenaufgänge zur Sommer- und der Wintersonnenwende bilden. An dem Stonehenge Riverside Project arbeiten außerdem Wissenschaftler von den Universitäten von Manchester, Southampton, Bournemouth und dem University College London mit.

+++ Frühe amerikanische Siedler benutzten deutsche Sonnenuhren +++

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Ausgegraben: Deutsche Wertarbeit in amerikanischen Kolonien

Foto: Preservation Virginia/ Michael Lavin

Wenn jemand in Jamestown - der ersten erfolgreichen britischen Kolonie auf dem nordamerikanischen Kontinent - nach der Uhrzeit fragte, dann zog der Gefragte nicht notwendigerweise eine Taschenuhr aus der Weste. Vielleicht griff er aber in eine Tasche und holte eine Klapptafel aus Elfenbein heraus. Schlug man sie im rechten Winkel auf und richtete sie entsprechend nach der Sonne aus, so warf ein Zeiger in der Mitte seinen Schatten auf die Markierung der korrekten Uhrzeit.

Eine solche Sonnenuhr haben Archäologen nun in einem Keller in Jamestown gefunden. Die Elfenbeinplatte trägt den Namen des "Uhrmachers": Hans Miller. Miller war im 17. Jahrhundert ein bekannter Hersteller von Sonnenuhren in Nürnberg. Diese Geräte wurden gerne von Männern der oberen Gesellschaftsschichten benutzt, um ein Interesse an der Welt und den Naturgesetzen zu demonstrieren.

"Es war ein Zeitalter der Eroberungen und Entdeckungen, in der aber die Philosophie genauso eine Rolle spielte wie die Naturwissenschaften", sagt Jamestown-Kuratorin Beverly Straube. "Die Compass Dyall gab einem Gentleman die Möglichkeit, sich in der Messkunst zu üben und dabei über seinen Platz in der Welt zu sinnieren." Wahrscheinlich gehörte die Sonnenuhr einem der ersten Siedler Jamestowns. Das Haus, in dem die Ausgräber sie fanden, gehörte zu der ältesten Phase der Siedlung (1607 - 1610).

+++ 2800 Jahre altes etruskisches Bier wieder auf dem Markt +++

Etrusker-Bierchen: Nach uraltem Rezept gebraut

Etrusker-Bierchen: Nach uraltem Rezept gebraut

Foto: Dogfish Head Craft Brewery

Die Dog Fish Head Brauerei hat ein neues Bier des "Ancient Ales"-Projektes vorgestellt: Birra Etrusca - Etruskisches Bier! Präsident und Gründer von Dogfish Head Sam Calagione reiste dazu gemeinsam mit dem Molekulararchäologen Patrick McGovern durch Italien und studierte in Museen die Inhalte alter Keramiktöpfe aus etruskischen Gräbern aus der Zeit zwischen 800 v. Chr. und 400 v. Chr.

Die Hauptzutaten von Birra Etrusca sind gemalzte Gerste und ein alter italienischer Weizen, senatore capelli. Für Geschmack sorgen Haselnussmehl, Granatäpfel, italienischer Kastanienhonig, Wildblütenhonig aus Delaware und Kleehonig. Die Bitterstoffe kommen von Ethiopischer Myrrhe und Enzianwurzel. Birra Etrusca wird vorraussichtlich im Spätherbst auf den Markt kommen.

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