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22. Februar 2018, 12:47 Uhr

Besser als eine Stradivari

Forscher bauen Pilzholz-Geige

Schweizer Forscher haben Pilze auf Holz angesetzt, um eine moderne Stradivari bauen zu können. Nun wollen sie wissenschaftlich beweisen, dass ihre Geige die bessere ist.

Die Instrumente sind Millionen wert und Jahrhunderte alt. Antonio Stradivari und Guarneri del Gesù haben die berühmten Geigen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut. Rund 800 Stradivari sind nach Schätzungen noch erhalten. Zum Geheimnis des Klangs gibt es zahlreiche Theorien. Die einen sagen, es war der Holzschlag bei Vollmond, den Stradivari gepflegt haben soll, andere tippen auf einen besonderen Lack.

Die neueste Theorie: Die Dichte des Holzes ist entscheidend. Als die berühmten Geigen im italienischen Cremona gebaut wurden, war Europa gerade am Ende einer 70 Jahre anhaltenden Periode mit langen Wintern und kühlen Sommern. Die Bäume wuchsen langsam, es entstand ein ganz besonderes Holz mit geringerer Dichte als sonst.

Schweizer Wissenschaftler glauben, dass Holz durch eine Pilzbehandlung ganz ähnliche Eigenschaften bekommt - und eine Geige aus Pilzholz sogar besser klingt als eine Stradivari.

"Wenn Holz unter kargen Bedingungen wächst, bildet der Baum vor allem dünnwandige Zellen, um viel Wasser zu leiten", erklärt Francis Schwarze von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in der Schweiz. "Je dünner die Zellwände, desto geringer die Holzdichte."

Der elegante Pilz

Schwarze ist es bereits gelungen, die Dichte von Ahorn- und Fichtenholz nachträglich zu verringern. Er setzte dafür den Baumpilz Xylaria longipes ein. "Das Elegante an unserem Pilz ist, dass er vor allem die dickwandigen Spätholzzellen abbaut", sagt Schwarze. Zurück bleibe ein Holz mit geringerer Dichte, ähnlich dem Holz der Stradivari-Geigen, das Klang besonders gut transportiere.

Aus dem Pilz-Holz ließen die Forscher eine Geige bauen, die vom Fachpublikum hoch gelobt wurde. Als Stargeiger Matthew Trusler 2009 hinter einem Vorhang verschiedene Geigen spielte, fand die Hälfte der 180 Zuhörer die Pilzholzgeige am klangvollsten, bei der Stradivari war es nur jeder Vierte.

Nun wollen die Forscher die Klangqualität auch wissenschaftlich nachweisen. Dazu werden die Saiten verschiedener Geigen im Labor mit einem Elektromagnet zum Schwingen gebracht. Ein Vibrometer misst dann Frequenz und Amplitude der Schwingungen. Damit soll jeglicher Einfluss eines Geigenspielers bei den Messungen ausgeschlossen werden.

Das Experiment funktioniert allerdings weiterhin nur mit dem menschlichen Gehör. "Wir brauchen etwa 50 Probanden", sagt Forscher Armin Zemp, "professionelle Geigenspieler, Tontechniker, Klassikmusikliebhaber und Laien". Sie sollen die Klänge nach ihrer Qualität beurteilen.

Die Forscher hoffen, dass die Messdaten der Schwingungen und das Urteil der Probanden klar belegen, welche Holzdichte für ein Instrument nötig ist, damit es für das menschliche Ohr am besten klingt. Der Mythos der Stradivari wurde ohnehin bereits in mehreren Experimenten widerlegt. Zuhörer hatten in Blindtests eher neue Violinen bevorzugt - die berühmte Stradivari hatte das Nachsehen.

koe/dpa

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