Südmexiko Forscher finden 1100 Jahre alten Maya-Sarkophag

1100 Jahre alt ist der Sarkophag aus der Zeit der Mayas, den mexikanische Archäologen in Tonina im südlichen Chiapas entdeckt haben. Kann er das Rätsel lösen, warum die stolze Kultur der Maya vor etwa 1200 niederging? Experten sind skeptisch.


Was passierte mit der Kultur der Maya? Seit Jahrzehnten rätseln Archäologen darüber, warum die Hochkultur der Maya im 9. Jahrhundert nach Christus ein jähes Ende nahm. Große Stadtstaaten mit den imposanten Maya-Pyramiden wurden verlassen, die Bevölkerung schrumpfte rapide, die Gesellschaftsstruktur zerbrach.

Waren Klimaschwankungen und lang anhaltende Dürren schuld am Niedergang der Maya? Rafften Epidemien die Bevölkerung hin? Waren es die Tolteken, die das Maya-Reich zerstörten? Oder am Ende die Maya selbst mit ihren sich untereinander bekriegenden Stadtstaaten? Bis heute haben Wissenschaftler noch keine befriedigende Antwort finden können.

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Maya-Grab: Toltekische Spuren in der Totengruft
Mexikanische Archäologen um Juan Yadeun von National Institute of Anthropology and History haben jetzt in der Maya-Ruinenstadt Tonina im mexikanischen Staat Chiapas ein Grab entdeckt, das aus der Zeit des Niedergangs vor 1200 bis 1100 Jahren stammt. In dem Grab fanden sie Knochen, die wahrscheinlich von einer Frau stammen, sowie Keramiken. Laut Yadeun sehen die Fundstücke toltekisch aus. Er hält es für möglich, dass die Tolteken den Ort einnahmen und die Maya in Tonina verdrängten.

"Ein einziges Grab wird nicht die großen Fragen beantworten"

Die Tolteken hatten ihr Hauptgebiet im zentralen Hochland Mexikos und dehnten sich immer weiter aus - bis zu den Maya-Festungen im Süden Mexikos. Wissenschaftler vermuten, dass sie Tolteken zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert Zentralmexiko beherrschten, bevor die Azteken schließlich zur vorherrschenden Macht wurden.

Die Wissenschaftler wollen nun die Knochen näher untersuchen und klären, woher die Frau stammte. Ihre Knochen sind absichtlich deformiert - ein üblicher Brauch der Maya.

David Stuart, ein Maya-Experte von der Universität von Austin in Texas warnt vor voreiligen Schlüssen: "Ein einziges Grab, auch wenn es sehr prächtig ist, wird nicht die großen Fragen nach dem Verlauf der gesamten Geschichte der Maya beantworten können. Allenfalls örtlich begrenzt."

Auch Susan Gillespie, Archäologin an der University of Florida, ist skeptisch: "Die Idee, dass Leute von Tula [in Zentralmexiko] in die Maya-Gebiete gewandert sind, hat man bereits aufgegeben."

lub/AP



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