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Fotostrecke: Satellitenschwarm im Weltraum O

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"Swarm" Satelliten starten zur Magnetfeld-Inventur

Ohne das Erdmagnetfeld wäre der Mensch längst verstrahlt, es schützt uns vor dem Teilchen-Beschuss aus dem All. Doch die Stärke des Schutzschildes schwankt. Mit gleich drei "Swarm"-Satelliten will Europa jetzt erkunden, was auf die Menschheit zukommen könnte.

Darmstadt/Plessezk - Europa hat am Freitag drei neue Satelliten ins All geschickt. Das Trio der Mission "Swarm" soll das lebenswichtige Magnetfeld der Erde beobachten, das schwächer geworden ist. Die europäische Weltraumagentur Esa schoss die Satelliten vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plessezk aus an Bord der Rockot-Trägerrakete in den Himmel. Der Start verlief bei nebligem Wetter reibungslos. Gesteuert werden die Satelliten im Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt.

Von den drei "Swarm"-Satelliten erhoffen sich die Forscher Antworten auf eine Vielzahl noch ungeklärter Fragen zum Erdmagnetfeld. Bekannt ist, dass es wesentlich durch die Erdrotation erzeugt wird - und dass es sich ständig verändert. Bekannt ist auch, dass es unseren Planeten vor dem Beschuss durch geladene Teilchen in Sonnenstürmen schützt. "Ohne Magnetfeld als Schutzschild wären wir längst verstrahlt", sagte Esa-Flugleiter Frank-Jürgen Diekmann in Darmstadt.

Kosmischer Schutzschild wird schwächer

Dennoch können besonders heftige Teilchenströme von der Sonne unser Alltagsleben massiv beeinträchtigen. Denn immerhin haben schwere Sonnenstürme bereits zu Stromausfällen auf der Erde geführt, auch Kommunikationssatelliten und Navigationssysteme können durch aus der Sonne herausgeschleuderte Teilchenwolken lahmgelegt werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht gerade beruhigend, dass die Stärke unseres Schutzschildes ständig schwankt - zumal seit geraumer Zeit auch Zeichen einer erheblichen Schwächung des Magnetfelds zu erkennen sind, wie die Esa berichtet. Diese Veränderungen sollen die drei baugleichen "Swarm"-Satelliten nun detailliert erforschen.

Durch die Analyse der Eigenschaften unseres Magnetfelds könnte die Esa-Mission  den Forschern zu weitreichenden neuen Erkenntnisse verhelfen - über die natürlichen Prozesse tief in der zwiebelförmig aufgebauten Erde, mögliche Zusammenhänge mit dem globalen Klimawandel und über das Weltraumwetter, das von der Sonnenaktivität bestimmt wird. Diese Informationen wiederum könnten bei der Suche nach den Ursachen für die derzeitige Magnetfeld-Abschwächung helfen.

Vier Jahre lang sollen die "Swarm"-Satelliten die Geheimnisse unseres kosmischen Schutzschildes ergründen. Dazu wird das Trio in Schwarmformation die Erde umrunden und Daten sammeln - zwei Sonden in 460 Kilometern, die dritte in 530 Kilometern Höhe. Jede Sonde ist mit fünf Instrumenten ausgestattet, darunter einem Vektorfeld-Magnetometer zur genauen Vermessung der Magnetfeld-Richtung.

Bei ihren Beobachtungen des Erdmagnetfelds wird die "Swarm"-Mission auf die Daten der im Jahr 2000 gestarteten und immer noch laufenden Esa-Wissenschaftsmission "Cluster" zurückgreifen können. Die vier "Cluster"-Satelliten erforschen die Bedingungen innerhalb der Magnetosphäre der Erde und ihre Wechselwirkung mit den geladenen Teilchen des Sonnenwinds. Sie befinden sich in 10.000 Kilometern Entfernung von der Erde und können so den "Swarm"-Satelliten auf deren Umlaufbahnen zusätzliche Messungen bieten.

Neben ihrer wissenschaftlichen Bedeutung dürfte die neue Esa-Mission zudem auch von praktischem Nutzen sein. So könnten die Messdaten von "Swarm" helfen, die Genauigkeit von Navigationssystemen zu erhöhen. Auch die Vorhersage von Erdbeben könnte verbessert werden.

che/AFP