Negative Emissionen Techkonzerne investieren Milliarden in umstrittene CO₂-Abscheidung

Trotz des Corona-Knicks bei den CO₂-Emissionen gibt es keine Kehrtwende beim Klimaschutz. US-Konzerne und die Internationale Energieagentur werben nun für die teure CO₂-Abscheidungstechnik.
Zementwerk in Lixhe an der belgisch-niederländischen Grenze: Der Betreiber Heidelberg Cement testet bereits die CO2-Abscheidetechnik

Zementwerk in Lixhe an der belgisch-niederländischen Grenze: Der Betreiber Heidelberg Cement testet bereits die CO2-Abscheidetechnik

Foto: Eric Lalmand / Belga / imago images

Dank Corona-Beschränkungen, Homeoffice und Reiseverbot könnten die globalen CO2-Emissionen dieses Jahr um bis zu acht Prozent sinken . Das ist historisch gesehen der größte Emissionsknick, den es je gab. Allerdings ist seine Wirkung nicht von Dauer. Raffinerien, Kohlekraftwerke und die Schwerindustriebetriebe gibt es weiterhin. Ihre Zahl nimmt weltweit sogar zu. Gleichzeitig haben sich aber viele Länder verpflichtet, spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kein CO2 mehr in die Atmosphäre zu blasen.

Diese Klimaziele sind ohne zusätzliche CO2-Einspartechniken nicht mehr zu erreichen, warnt nun die Internationale Energieagentur IEA. Trotz der wachsenden Anteile von erneuerbaren Energien sind die Klimaziele nur noch mit neuen Technologien, etwa der Abscheidung, Speicherung und Weiterverwendung von CO2, realistisch, erklärte Fatih Birol, Direktor der Internationalen Energieagentur , Ende September.

Konkret geht es um die Abtrennung und Speicherung von CO2 unter der Erdoberfläche, die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) , und die CO2 -Abscheidung und Verwendung, abgekürzt CCU (Carbon Capture and Usage) . Beiden Techniken sind darauf ausgelegt, vor allem bei emissionsintensiven Industrien wie Stahl- oder Zementwerken das CO2 bereits im Produktionsprozess abzuzweigen - bevor es durch den Schornstein an die Luft und in die Atmosphäre gelangt. Danach kann das Treibhausgas dann als eine Art Sondermüll abtransportiert und beispielsweise unterirdisch gespeichert oder weiterverwendet werden. Besonders CCS ist aber wegen der unterirdischen Speicherung des Gases umstritten. Kritiker befürchten CO2-Lecks, die für Menschen oder Ökosysteme gefährlich werden könnten. Beide Technologien sind bisher noch sehr teuer und oft nur mit üppigen Steuerzuschüssen finanzierbar.

Die Firma Carbon Cure will überschüssiges CO₂ nutzen, um den Zementanteil im Beton zu verringern

Die Firma Carbon Cure will überschüssiges CO₂ nutzen, um den Zementanteil im Beton zu verringern

Foto: John Yanyshyn / CarbonCure

"Es gibt ein richtiges CCUS-Momentum gerade", erklärte IEA-Direktor Birol. Insgesamt gebe es 30 neue Projekte, und vier Milliarden Dollar seien allein in den letzten Monaten in die Technologie geflossen.

Auch die Techriesen Microsoft und Amazon sind an der Technologie interessiert. Der Versandkonzern Amazon will zwei Milliarden Dollar in das CCU-Unternehmen Carbon Cure  investieren. Das kündigte das Unternehmen vor wenigen Tagen an. Microsoft ist bereits Partner. Das US-Unternehmen Carbon Cure will jährlich 500 Millionen Tonnen CO2 in der Zementindustrie einsparen.

Dafür recycelt das Unternehmen überschüssiges CO2 aus Industrieanlagen für die Herstellung von Beton. Das Gas wird während der Anmischung des Baustoffes injiziert und wandelt sich durch eine chemische Reaktion in Kalkstein um. So wird die Festigkeit erhöht und schließlich auch der Zementanteil reduziert.

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Die CO2-Bilanz von Zement ist besonders schlecht. Ein Großteil des klimaschädlichen CO2 entsteht bei der Trocknung des Kalksteins. Deshalb kommt die Industrie auch beim Einsatz von erneuerbaren Energien nicht von ihrer schlechten Klimabilanz runter. Einzige Alternative ist deshalb entweder der Ersatz des Baustoffes oder das "Absaugen" der CO2-Emissionen. Da es bislang jedoch keine marktreifen Alternativprodukte gibt, bleibt nur das "Carbon Capture"-Verfahren oder die Reduzierung des Zementanteils im Beton, wie es das Unternehmen Carbon Cure versucht.

Allein ein Zementwerk produziert bis zu einer Million Tonnen CO2 pro Jahr, weltweit liegt die Branche weit vor den Emissionen der Flugindustrie, die bisher besonders im Fokus von Klimaschützern stand.

sug
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