Technikpanne US-Luftwaffe verlor Kontrolle über Atomraketen

Brisanter Zwischenfall auf einer US-Luftwaffenbasis: Wegen eines Kabelbruchs haben die Militärs auf einem Stützpunkt in Wyoming vorübergehend die Kontrolle über 50 Atomraketen verloren. Eine Stunde lang war die Verbindung zu den Interkontinental-Geschossen unterbrochen.

USAF

Washington/Moskau - Wegen eines Kabelbruchs auf einer Luftwaffenbasis haben die US-Streitkräfte vorübergehend nur eingeschränkten Zugriff auf 50 ihrer Atomraketen gehabt. Von dem Vorfall am vergangenen Samstag seien ballistische Interkontinentalraketen auf der Warren Air Force Base im Bundesstaat Wyoming betroffen gewesen, sagte ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums an diesem Mittwoch. Es gebe keine Anzeichen für Sabotage. Vielmehr habe es sich offenbar um ein technisches Problem gehandelt.

Zu den Raketen vom Typ Minuteman III sei für knapp eine Stunde eine Kontaktebene ausgefallen, sagte Luftwaffensprecher Todd Vician. Die Raketen seien umgehend von Mitarbeitern des Stützpunkts untersucht worden. Ein Schaden sei nicht festgestellt worden, auch die Verteidigungsbereitschaft des Landes sei zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen.

Das technische Versagen habe die Kommunikation zwischen dem Kontrollzentrum und den Raketen unterbrochen. "Wir waren währenddessen aber immer noch in der Lage, die Sicherheit der betroffenen Raketen im Auge zu behalten", sagte Vician. "Die Raketen waren stets geschützt."

Russland reagiert gelassen

Die USA verfügen über rund 450 aktive Minuteman-III-Raketen. Sie können jeweils bis zu drei 400 Kilo schwere Sprengköpfe etwa 13.000 Kilometer weit tragen. In der Vorwoche hatte eine frühere Panne der Amerikaner weltweit für Verwunderung gesorgt. Bill Clinton soll während seiner Amtszeit als US-Präsident im Jahr 2000 den nuklearen Code verloren haben, der zum Abschuss von Atomraketen erforderlich ist. Das berichtete der ehemalige Generalstabschef Hugh Shelton in seinen Memoiren.

Auch in jüngerer Zeit gab es Zwischenfälle mit US-Atomwaffen. Im August 2007 etwa wurde ein B-52-Bomber versehentlich mit sechs nuklearen Marschflugkörpern bestückt und von einer Basis im US-Staat North Dakota nach Louisiana geschickt. Die Besatzung soll nicht gewusst haben, dass das Flugzeug atomar bewaffnet war. Im März 2008 räumte das Pentagon ein, dass versehentlich vier elektrische Bauteile für ballistische Raketensprengköpfe an Taiwan geliefert wurden.

Die andere große Atommacht Russland reagierte gelassen auf die jetzt bekannt gewordene Panne in Wyoming. Wäre die Situation wirklich bedrohlich gewesen, hätte das Pentagon Moskau bestimmt informiert, sagte ein namentlich nicht genannter russischer Spitzenmilitär der Agentur Ria Nowosti am Mittwoch. Dies würde Russland im Gegenzug selbstverständlich ebenfalls so handhaben.

mbe/dpa/AFP/AP



insgesamt 40 Beiträge
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Walther Kempinski, 27.10.2010
1. Sowjetunion
Ich mach mir eher Sorgen über das verstreute und teilweise verschwundene Atommaterial der ehemaligen Sowjetunion. Auf welche Ziele sind die Atomraketen Russlands eigentlich gerichtet? Würde mich nicht wundern, wenn ich eines Tages aufwache und dann hören muß, dass Hamburg nicht mehr existiert.
sola bona 27.10.2010
2. Ach Gottchen ...
Zitat von sysopBrisanter Zwischenfall auf einer US-Luftwaffenbasis: Wegen eines Kabelbruchs haben die Militärs auf einem Stützpunkt in Wyoming vorübergehend die Kontrolle über 50 Atomraketen verloren. Eine Stunde lang war die Verbindung zu den Interkontinental-Geschossen unterbrochen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,725648,00.html
... das ist doch gar nix. 1968 hat das US-Militär beim Anflug auf die Thule-Basis einen B-52 Bomber mit vier Wasserstoffbomben an Bord verloren, der samt seiner Fracht ins Meer stürzte. Drei Bomben wurden zerstört und gefunden, die vierte wurde nie gefunden wurde, sondern liegt bis heute vor der grönländischen Küste.
schna´sel, 27.10.2010
3. Kann schon mal passieren
Zitat von sysopBrisanter Zwischenfall auf einer US-Luftwaffenbasis: Wegen eines Kabelbruchs haben die Militärs auf einem Stützpunkt in Wyoming vorübergehend die Kontrolle über 50 Atomraketen verloren. Eine Stunde lang war die Verbindung zu den Interkontinental-Geschossen unterbrochen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,725648,00.html
Na supi, dann brauchen wir uns ja keine zu Sorgen machen. Solange "keinen im Auge haben" meine ich...
Hans58 27.10.2010
4.
Zitat von sysopBrisanter Zwischenfall auf einer US-Luftwaffenbasis: Wegen eines Kabelbruchs haben die Militärs auf einem Stützpunkt in Wyoming vorübergehend die Kontrolle über 50 Atomraketen verloren. Eine Stunde lang war die Verbindung zu den Interkontinental-Geschossen unterbrochen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,725648,00.html
Wenn die Verbindung unterbrochen war, konnte in der Stunde auch nichts passieren. Von alleine starten Raketen gewöhnlich nicht. Andere Ereignisse waren wohl aufsehenerregender: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2455/atombombe_auf_abwegen.html
Kaygeebee 27.10.2010
5. Peinliche Panne
Beruhigend das sich hunderte von Massenvernichtungswaffen in den Händen von Dilettanten befinden. Die Welt ist in guten Händen...
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