Temperaturmessung Wettervorhersage mit Smartphone-Batterien

Regen- und Wolkenradar, Satellitenbilder, aktuelle Messwerte: Smartphones eignen sich bestens, um sich über das Wetter zu informieren. Doch die kleinen Computer können auch selbst Wetterdaten erfassen - mit Hilfe ihrer Batterien.

Smartphone mit Android-Betriebssystem: Batterie misst Temperatur
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Smartphone mit Android-Betriebssystem: Batterie misst Temperatur


Die Akkus in Smartphones haben es in sich: Sie brauchen eine hohe Kapazität, um die stromfressenden Funktionen der leistungsstarken Geräte zu ermöglichen, und müssen zugleich klein sein. Doch die gängigen Lithium-Ionen-Akkus sind prinzipiell gefährdet, zu überhitzen, was im Extremfall unangenehme Folgen haben kann. Um das zu verhindern, haben die Batterien winzige Thermometer an Bord.

Die aber können nicht nur Akku-Brände verhindern, sonder ermöglichen auch die Erfassung der Umgebungstemperatur - und das können sich Meteorologen zunutze machen, wie sich jetzt zeigt. Eine Gruppe aus Software-Entwicklern und Wetterexperten hat jetzt Hunderttausende solcher Temperaturdaten von Android-Smartphones gesammelt, auf denen die App "OpenSignal" läuft.

Auf diese Art konnten die Forscher die durchschnittlichen Tagestemperaturen in acht Großstädten weltweit messen, und das mit einer durchschnittlichen Abweichung von 1,5 Grad vom tatsächlichen Wert. Wenn noch mehr Smartphones Daten schicken, sei mit noch größerer Präzision zu rechnen, schreibt das Team um Aart Overeem von der niederländischen Universität Wageningen im Fachblatt "Geophysical Research Letters".

"Enormes Potential"

Die Ergebnisse zeigten "das enorme Potential dieser Crowdsourcing-Anwendung für die Echtzeit-Temperaturmessung in dicht bewohnten Gebieten", heißt es in der Studie. Derzeit wird üblicherweise selbst für Millionenstädte nur die Temperatur einer Messstelle angegeben, die zudem nur einige Male pro Tag aktualisiert wird. Mit Hilfe der Smartphone-Messungen könnte es nach Angaben der Experten eines Tages möglich sein, die Temperaturen ständig auf dem neuesten Stand zu halten - und das bis auf einen Häuserblock genau.

Die "OpenSignal"-App soll eigentlich dazu dienen, genaue Karten von Handynetz-Abdeckung und W-Lan-Hotspots zu erstellen. Nach Angaben des Herstellers hat die App rund 700.000 Nutzer, von denen 90 Prozent freiwillig Daten zurückschickten.

Eher zufällig habe man eine Korrelation zwischen den Temperaturen der Handys und denen in London erkannt, sagte OpenSignal-Mitbegründer James Robinson laut einer Pressemitteilung der American Geophysical Union. Dann habe man sich die Temperaturdaten von Los Angeles, Paris, Moskau, Mexiko-Stadt, São Paulo und Buenos Aires besorgt - und festgestellt, dass die Temperaturkurven von Handys und Umgebung auch dort weitgehend parallel verliefen.

Keine Temperaturdaten von Apple-Geräten

Natürlich könne es bei einzelnen Telefonen starke Schwankungen geben, betonen die Experten. So könne ein Smartphone, auf dem ein leistungsintensives 3-D-Spiel läuft, fast 20 Grad heißer werden als das gleiche Modell, das unbenutzt in einem klimatisierten Raum liegt. Sammele man aber die Daten Hunderttausender Geräte, glichen sich solche Unterschiede aus.

Um die Temperaturen aber auch für brauchbare Wettervorhersagen zu nutzen, müssen die Handydaten mit denen von zuverlässigen Messstationen abgeglichen werden - und die stehen bekanntlich nicht überall. "Es ist eine Herausforderung, diese Technik auch an Orten einzusetzen, von denen es keine verlässlichen Wetterinformationen gibt", räumt Robinson ein. "Daran arbeiten wir noch."

Auch funktioniert die Temperaturmessung derzeit nur auf Android- Smartphones. Zwar gibt es die OpenSignal-App auch für Geräte mit Apples Betriebssystem iOS, doch deren Temperaturmessungen sind nach Angaben der Softwareentwickler nicht zugänglich.

mbe

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