Umfrage Große Mehrheit für schnellen Ausbau von Ökostrom

Soll der Atomausstieg zu einem schnellen Ausbau alternativer Energien führen? Eine erstaunlich klare Mehrheit antwortete bei einer Umfrage mit Ja. Selbst höhere Strompreise wirken demnach nicht unbedingt abschreckend.
Windräder: Große Mehrheit für schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien

Windräder: Große Mehrheit für schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien

Foto: Liu Xiao/ AP

Die Atomkatastrophe in Japan hat in Deutschland nicht nur die Debatte über einen Ausstieg aus der Kernkraft befeuert - sie führt offenbar auch dazu, dass die Deutschen die Energiewende mit einer Stärkung des Umweltschutzes verbinden wollen. Bei einer repräsentativen Umfrage von Forsa im Auftrag der Umweltorganisation Germanwatch wünschten sich 90 Prozent einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien. 84 Prozent waren für eine beschleunigte Verbesserung der Energieeffizienz.

Deutlich weniger Zustimmung gab es dagegen für die herkömmlichen Energieträger: 36 Prozent der Befragten befürworteten den Bau neuer Gaskraftwerke, 34 Prozent waren für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke und nur 15 Prozent wollten neue Kohlemeiler.

Zwar sind die Deutschen in Umfragen gern für Umweltschutz, solange er nichts kostet. Doch das vielleicht erstaunlichste Ergebnis der aktuellen Erhebung ist, dass die Zustimmung auch bei der Aussicht auf höhere Stromrechnungen nur wenig nachließ. 73 Prozent waren der Meinung, dass Deutschland auch dann in den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienz investieren sollte, wenn sich dadurch zunächst die Strompreise erhöhen. Selbst unter Geringverdienern mit weniger als 1000 Euro Netto-Haushaltseinkommen waren noch 52 Prozent dafür.

Allerdings lässt die Umfrage auch befürchten, dass ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien am Widerstand von Anwohnern scheitern könnte, frei nach dem Motto: Umweltschutz ist gut, solange kein Windrad vor meinem Haus steht. Nur zehn Prozent der Befragten waren für die Einschränkung der Bürgerbeteiligung, um den Bau von Hochspannungsleitungen und Stromspeichern zu beschleunigen. 80 Prozent forderten dagegen eine frühzeitige und direkte Einbeziehung der Bürger. Im Lichte von Stuttgart 21 dürfte das bei manchem Politiker böse Vorahnungen wecken.

Ein Wermutstropfen für Umweltschützer dürfte die Tatsache sein, dass ausgerechnet die jüngste Gruppe der Befragten - die 18- bis 29-Jährigen - das geringste Interesse am Umweltschutz zeigte. Die Zustimmung zu einem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien lag bei ihnen mit 82 Prozent acht bis zehn Punkte unter den Werten der anderen Altersgruppen. Höhere Strompreise wollten nur 63 Prozent der Jungen in Kauf nehmen - was 9 bis 14 Prozentpunkte unterhalb der anderen Altersgruppen lag.

Erfreulich aus Sicht der Umweltschützer ist dagegen, dass eine Mehrheit der Befragten von der Bundesregierung mehr klimapolitisches Engagement verlangte. So waren 63 Prozent dafür, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich dafür einsetzen soll, den Kohlendioxid-Ausstoß der EU bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent oder mehr zu reduzieren. 32 Prozent gaben sich mit dem bisherigen Ziel einer Reduktion um 20 Prozent zufrieden.

mbe