Unfall in der Nordsee Behörden sehen Ölleck gelassen

Weiterhin strömt Öl aus einem Rohrleck in die Nordsee - doch nur noch in geringer Menge, erklärt der verantwortliche Konzern Shell. Britische Behörden geben sich gelassen: Der Ölfilm werde sich auflösen. Zuletzt hatte er sich aber wieder ausgebreitet.

Ölfilm auf der Nordsee: Leckende Pipeline
DPA/ PAUL WARRENER

Ölfilm auf der Nordsee: Leckende Pipeline


London - Die britischen Behörden glauben an einen vergleichsweise glimpflichen Ausgang des Ölunfalls an einer Shell-Plattform in der Nordsee. Der Ölfilm werde vermutlich nicht die Küste erreichen und sich von selbst auflösen, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Energie und Klimawechsel am Mittwoch in London. Allerdings werde man die Situation wie bisher genau beobachten und alles versuchen, um Schäden für die Umwelt zu verhindern. Sobald die Aufräumarbeiten nach dem Unfall abgeschlossen seien, werde geprüft, ob man Shell für den Fall zur Verantwortung ziehe.

Umweltschützer argumentierten, dass Öl auch außerhalb der Küste für Tiere und Pflanzen gefährlich sei. Obwohl es sich nicht um einen riesigen Unfall handle, werde trotzdem Schaden angerichtet, sagte Simon Boxall von der Universität Southampton.

Shell arbeitete derweil weiter daran, den Ölfluss aus der kaputten Leitung zu stoppen. Mittlerweile träten nur noch rund 150 Liter Öl am Tag aus dem Leck, sagte ein Sprecher des Konzerns gegenüber SPIEGEL ONLINE. Bislang seien gut 200.000 Liter in die Nordsee gelaufen. Allerdings wisse man nicht, wie viel Öl sich noch in der beschädigten Pipeline befinde - und damit möglicherweise noch ins Meer gelangen könne. "Wir erwarten, dass sich der Ölfilm im Wasser auf natürliche Weise zersetzt", erklärt Shell.

Der Konzern hatte seit Bekanntwerden des Unfalls betont, dass nur eine begrenzte Menge Öl in der abgesicherten Leitung sei. Es sei aber unter anderem wegen mehrerer übereinander liegender Rohre kaum einzuschätzen, um wie viel Öl es sich insgesamt handle. Die Ursache des Unfalls werde noch untersucht.

Chemikalien stehen bereit

Das erste Leck unter der Shell-Plattform "Gannet Alpha", die rund 180 Kilometer von der schottischen Küste bei Aberdeen entfernt in der Nordsee liegt, war am vergangenen Mittwoch entdeckt worden. Nachdem das erste Loch gesichert war, suchte sich das Öl einen neuen Weg. Mittlerweile sind mehr als 200 Tonnen Öl in die Nordsee geflossen.

Erst zum Wochenende hatte Shell den Unfall öffentlich gemacht. Umweltschützer kritisieren deshalb mangelnde Transparenz. Auch zweifeln sie an, ob die Konzerne auf mögliche Unfälle ausreichend vorbereitet sind.

Der Ölfilm, der auf der Nordsee treibt, hatte in den vergangenen Tagen mehrfach seine Größe geändert. Nachdem die Fläche des Ölteppichs von Shell über das Wochenende auf rund 37 Quadratkilometer geschätzt worden war, ließen ihn starke Wellen und Winde zum Montag auf rund einen halben Quadratkilometer zusammenschrumpfen. Am Dienstagabend hatte er sich dann bei ruhigem Wetter wieder auf rund 26 Quadratkilometer ausgebreitet.

Es gebe derzeit keinen Grund dafür, Chemikalien zur Auflösung des Teppichs einzusetzen, hieß es von Shell. Man halte die Chemikalien zwar bereit, werde sie aber nur im Notfall benutzen. Der Konzern gehe weiterhin davon aus, dass der Teppich nicht die Küste erreicht.

Die Aktien von Royal Dutch Shell reagierten am Mittwoch nur mit einem ganz leichten Kursverlust auf die Ereignisse. Analyst Martin Jaisfeld von der Essener National-Bank sagte, die Öffentlichkeit reagiere nach der BP-Katastrophe im Golf von Mexiko natürlich entsprechend aufgeschreckt auf Nachrichten von neuen Ölunfällen. "Ohne es herunterspielen zu wollen, zeigt sich aber, dass die austretende Menge an Öl im Vergleich mit dem BP-Desaster vor einem Jahr doch vernachlässigbar ist." Auch erste belastbare Daten von der schottischen Regierung belegten dies. Der Markt konzentriere sich auf die harten Fakten. Daher seien Shell-Aktien bislang eher glimpflich davongekommen.

SPIEGEL-ONLINE-Leser misstrauen der Ölförderung: In einer Umfrage auf der Facebook-Fanpage von SPIEGEL ONLINE sprachen sich mehr als die Hälfte der Teilnehmer gegen Bohrungen im Meer aus.

boj/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
Altesocke 17.08.2011
1. Ja, nee,....
Zitat von sysopWeiterhin strömt Öl aus einem Rohrleck in die Nordsee -*doch nur noch in geringer Menge, erklärt der verantwortliche Konzern Shell. Britische Behörden geben sich gelassen: Der Ölfilm werde sich auflösen. Zuletzt hatte er sich aber wieder ausgebreitet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,780820,00.html
Chemikalien stehen bereit, werden aber nur im 'Notfall' eingesetzt. Der notfall waere dann wohl, das die Beseitigung des Oeles Geld kosten wuerde! Nebenbei: Wie sicher ist der Einsatz von Chemikalien?
inci 18.08.2011
2. oooo
Zitat von sysopWeiterhin strömt Öl aus einem Rohrleck in die Nordsee -*doch nur noch in geringer Menge, erklärt der verantwortliche Konzern Shell. Britische Behörden geben sich gelassen: Der Ölfilm werde sich auflösen. Zuletzt hatte er sich aber wieder ausgebreitet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,780820,00.html
die umweltverbände, greenpeace, robin hoos, BUND, NaBu, etc. sehen das anscheinend auch gelassen. von denen hat man bisher auch noch nix gehört........
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