US-Raketenabwehr Experten warnen vor fragilem Schutzschild

Test nicht bestanden: Experten haben geprüft, wie gut die USA Raketenangriffe abwehren könnten. Dabei entdeckten sie deutliche Mängel. Sie fordern einen weiteren Stützpunkt im Nordosten des Landes - und bessere Technik.

Raketenabwehr: Schutzschild der USA soll löchrig sein
REUTERS/ Boeing

Raketenabwehr: Schutzschild der USA soll löchrig sein


Für die Untersuchung malten die Wissenschaftler sich die üblichen Horrorszenarien aus: Staaten wie Iran oder Nordkorea könnten herkömmliche oder atomare Langstreckenraketen auf die USA abfeuern. In solchen Fällen soll das Ground-Based-Midcourse-Defense-System (GMD) aktiv werden - die 30 Boden-Abwehr-Systeme an Militärstützpunkten in Alaska und Kalifornien sollen feindliche Raketen mitten im Flug abfangen.

Dieses Abwehrsystem greife zwar früh ein, biete aber nur wenig Schutz vor einer möglichen Bedrohung aus Nordkorea. Es habe Mängel und sei nur begrenzt imstande, die USA vor Angriffen auch aus anderen Ländern zu verteidigen, schreiben die Experten der National Academies in ihrem Bericht.

Um diese Mängel zu beheben, schlagen die Autoren vor, das Abwehrsystem auf einen dritten Stützpunkt im Nordosten der USA auszudehnen. Zusätzlich müsse man bei den Details nachbessern. So sei es notwendig, die Abfangraketen gegen bessere auszutauschen und die Frühwarn-Radarsysteme mit neuerer Technologie auszustatten.

Die Experten untersuchten auch, ob sogenannte Boost-Phase-Abwehrsysteme sinnvoll wären. Diese sollen feindliche Raketen gleich nach dem Start abschießen, solange der Raketenantrieb noch aktiv ist. Solche Systeme seien zwar theoretisch möglich, schließen die Experten, praktisch aber nur schwer einzusetzen. Schließlich könne man die Systeme nur schwer am Boden oder im Luftraum nahe genug der feindlichen Abschussstelle stationieren. Die Möglichkeit, die Frühabwehr-Systeme im All anzusiedeln, schlossen die Autoren ebenfalls aus - dazu wären Hunderte von Satelliten notwendig, die Kosten lägen geschätzt bei 500 Milliarden Dollar für eine Zeitspanne von 20 Jahren.

In dem Expertengremium saßen unter anderem Ingenieure und Waffenexperten. Die National Academies ist ein Zusammenschluss mehrerer wissenschaftlicher Vereinigungen, die als private Non-Profit-Organisation in wissenschaftlichen und technischen Fragen Beratung anbietet.

Schon in der Vergangenheit waren die US-amerikanischen Systeme zur Raktenabwehr immer wieder in die Kritik geraten. Die Regierung unter dem ehemaligen Präsidenten George W. Bush stieß mit ihren Plänen, eine Raketenabwehr in Europa zu stationieren, auf heftigen Widerstand.



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