Fotostrecke

AKW Brunsbüttel: Strahlender Müll, bröselndes Fass

Foto: Gehrmann;Dr. Wolf (mjgi)/ dpa

Verrostetes Atommüllfass Minister fordert Checks in allen deutschen AKW

Nach dem Fund von mindestens einem verrosteten Atommüllfass in Brunsbüttel gelobt die Betreiberfirma Vattenfall Besserung. Doch gibt es ähnliche Probleme vielleicht auch in anderen Kraftwerken? Der zuständige Minister in Schleswig-Holstein fordert Prüfungen in allen deutschen Meilern.

Kiel - Bei Vattenfall ist man reumütig. "Das ist völlig inakzeptabel, das geht so nicht", sagt Firmensprecher Stefan Müller. "Wir werden aus dieser Sache Konsequenzen ziehen." Hintergrund dieses Versprechens sind Bilder, wie man sie aus deutschen Atomkraftwerken eigentlich nicht sehen wollte: Im Feststofflager des stillgelegten Kernkraftwerks Brunsbüttel ist mindestens ein durchgerostetes Fass mit schwachem und mittelstark radioaktivem Atommüll aufgetaucht.

Vattenfall hatte offenbar spätestens seit Dezember von den Problemen gewusst. Doch erst eine Überprüfung durch den TÜV Nord am 10. Januar hatte die Unregelmäßigkeit ans Tageslicht gebracht.

Daher nun die Entschuldigungen der Firma. Juristisch mögen sie korrekt sein, das Ereignis war nach Angaben der Firma nicht meldepflichtig. Allerdings hatte das Unternehmen nach den Problemen im AKW Krümmel versprochen, in jedem Fall zu informieren - auch wenn keine Pflicht dazu besteht. "Diesmal sind wir diesem Anspruch nicht gerecht geworden", sagt Vattenfall-Sprecher Müller.

Haben möglicherweise auch andere AKW ähnliche Probleme? "Wir sehen uns das regelmäßig in allen unseren Kraftwerken an", versichert Petra Uhlmann von E.on-Kernkraft. Die entsprechenden Überprüfungen fänden mindestens alle fünf Jahre statt.

Der für die Atomaufsicht in Brunsbüttel zuständige schleswig-holsteinische Justizminister Emil Schmalfuß (parteilos) fordert trotzdem: "Ich denke, es sollten bundesweit in allen Kernkraftwerken diese Lagerstätten überprüft werden. Viele der Fässer wurden in einer Zeit eingelagert, als noch niemand damit rechnete, dass der Atommüll für Jahrzehnte an den Anlagenstandorten verbleiben müsste, weil auch dafür ein Endlager immer noch nicht verfügbar ist"

Der Bund müsse deshalb bei der anstehenden Neufassung des Kerntechnischen Regelwerks präzisierte und strengere Sicherheitskriterien entwickeln, "auch für die vorübergehende Lagerung schwach- und mittelaktiver Abfälle an den Kraftwerksstandorten".

Einstweilen sind die betroffenen Kavernen in Brunsbüttel mit Betonblöcken abdeckt und versiegelt worden. Eine Vattenfall-Sprecherin erklärte, man habe inzwischen eine Aerosol-Messstelle an den sechs Kavernen installiert, um eventuell austretende Radioaktivität feststellen zu können. Geplant sei außerdem der Einsatz eines Kamerasystems in den Kavernen zu deren Überprüfung.

In den Kavernen gibt es nach Angaben der Kieler Atomaufsicht eine Strahlenbelastung von bis zu 500 Millisievert je Stunde - das ist das 25-Fache der gesetzlich zugelassenen Dosis für Mitarbeiter in Kernkraftwerken. Das Ministerium schließt nicht aus, dass weitere Fässer mit Atommüll in Brunsbüttel schadhaft sind. Die 200-Liter-Fässer enthalten schwach- und mittelradioaktives Material - darunter Filterharze und Verdampferkonzentrate.

Der Inhalt von 650 Fässern wurde in den vergangenen Jahren in gusseiserne Behälter für eine spätere Endlagerung umgefüllt. Rund 600 Fässer mit Atommüll befinden sich noch in den Kavernen, hieß es bei Vattenfall. Die Fässer lagern teilweise dicht an dicht mit höchstens 15 Zentimetern Abstand - zum Teil seit September 1981.

chs/dpa/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.