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Heft 50/2018
Das Drama um Boris Becker

Ich selber bin Biologe. Deshalb geht es in dieser Woche auch um den Schutz der Vielfalt: Vor wenigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mehr über Hansjörg Wyss zu erfahren. Der schweizerische Milliardär - heute lebt er in den USA - will den Schutz der Artenvielfalt bis 2030 mit einer Milliarde Dollar aus seinem Privatvermögen vorantreiben. Die Stiftung des Philanthropen steht nun vor der Aufgabe, das Geld sinnvoll zu investieren. Das ist umso schwerer, als Wyss mit seinem Geschenk selbst zu einer seltenen Art gehört. Kaum ein Thema bekommt so wenig Beachtung wie der Verlust der Vielfalt. Wenn derzeit in Katowice über Maßnahmen gegen den Klimawandel verhandelt wird, ist den Delegierten große Aufmerksamkeit sicher. An die Uno-Biodiversitätskonferenz in Ägypten vor gut einer Woche erinnert sich außer einigen Experten jetzt schon fast niemand mehr.

DPA

Dabei sind die beiden Prozesse miteinander verwoben. Der Verlust der Vielfalt könnte ähnlich katastrophale Folgen für die Menschheit haben wie der Klimawandel. Intakte Ökosysteme dämpfen die Auswirkungen der Erderwärmung. Sie sind Grundlage für sauberes Wasser, für Landwirtschaft, für nachhaltige Industrieproduktion. Und beide Großkrisen sind für Menschen nur schwer zu begreifen, weil sie so langsam ablaufen. Wie ist es dennoch gelungen, den Klimawandel ins öffentliche Bewusstsein zu befördern? Durch Dramatisierung. Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore setzte mit seinem Film "Eine unbequeme Wahrheit" von 2006 den Ton. Ohne - teils heftig übertriebene - Katastrophenszenarien wie jene in Gores Film hätte das Thema wohl kaum seine heutige Bedeutung erlangt. Menschen müssen etwas spüren, fühlen, bevor sie handeln.

Hansjörg Wyss will dabei helfen, einen "New Deal" für die Natur auszuhandeln: Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der Landes- und Ozeanfläche der Erde unter Schutz stehen. Doch das wird nur gelingen, wenn Korallentod und Insektenschwund ans Herz gehen. Der Verlust der Vielfalt ist auch eine unbequeme Wahrheit, die den Menschen nahegebracht werden muss. Wir brauchen einen Al Gore der Biodiversität. Auch dafür sollte Hansjörg Wyss Geld ausgeben.

Herzlich, Ihr Philip Bethge

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Abstract

Meine Leseempfehlungen dieser Woche

  • Das Crispr-Baby aus China ist die Wissenschafts-Geschichte des Jahres. Gibt es noch mehr chinesische Gentech-Babys? Dies fragt sich der US-Stammzellforscher Kiran Musunuru. Er hat Hinweise, dass die Arbeitsgruppe des Chinesen He Jiankui auch ein Gen namens PCSK9 untersuchte, das den Cholesterinspiegel ansteigen lässt. Menschen, bei denen es defekt ist, sind vor Herzinfarkten weitgehend gefeit. Ist das erste Gentech-Baby mit eingebautem Herzschutz auch schon unterwegs? (Stat News)
  • Digitale Helferlein mit künstlicher Intelligenz könnten das nächste große Ding der IT-Branche werden. Ich frage mich zwar immer, wofür man so was braucht. Jetzt hat aber sogar unser #Astro_Alex Alexander Gerst so ein Ding auf der ISS. "CIMON" heißt die künstliche Intelligenz made in Germany. Toll ist, wenn der Schlauberger dann auch noch so etwas wie Gefühle zeigt: "Magst Du es nicht mit mir hier?"
  • Vielleicht war "CIMON" aber auch von dem ganzen Weltraumschrott genervt, den er aus dem Fenster sehen kann. Gerade haben sich wieder ein paar Stückchen Müll hinzugesellt. Die Firma Spaceflight Industries hat allerhand Plunder ins All geschickt, zum Beispiel Kunstwerke oder die Asche von Toten. Für die Chance, als Sternschnuppe zu verglühen, zahlten sie zu Lebzeiten 2490 Dollar.
  • Faszinierend ist allerdings, wie die wiederverwendbaren SpaceX-Raketen vom Typ Falcon 9 zur Erde zurückkehren. Die letzte Rakete landete gekonnt im Meer - hier im Video. Kleiner Schönheitsfehler: Eigentlich hätte sie auf einer Landeplattform aufsetzen sollen.
  • Wie lebt es sich mit einem Schweineherz? Der Mediziner Bruno Reichart von der LMU München ergründet seit Jahren, ob die Blutpumpen der Borstentiere den Mangel an Spenderherzen ausgleichen könnten. Jetzt haben Forscher um Reichart einen Durchbruch erzielt (Nature). Meine Kollegin Veronika Hackenbroch hat mit dem Forscher gesprochen. "Viele hielten mich für bekloppt", sagt Reichart.
  • Faszinierender Long-Read für Extremläufer und solche, die davon träumen: Die Amerikanerin Courtney Dauwalter hat sich auf Langstrecken von 300 Kilometern und mehr spezialisiert. Es zeigt sich, dass der Vorsprung der Männer mit der Länge des Laufwegs dahinschmilzt ("New York Times").
  • Wie kommt mein Kind ohne Infekt durch den Kita-Winter? Gar nicht, sagt Kinderärztin und Buchautorin Karella Easwaran. Hier erklärt sie, warum das überhaupt nicht schlimm ist und wie Eltern gelassener damit umgehen können.
  • In den Niederlanden hat ein Gericht den Versuch einer Anwältin vereitelt, die Zigarettenhersteller für den Tod ihrer Kunden verantwortlich zu machen. Zigaretten würden EU-Regularien genügen, so die profane Begründung: "Die Tatsache, dass Zigaretten süchtig machen und Gesundheitsrisiken bergen, ändert nichts." (Associated Press)
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Quiz

"42: Answer to the Ultimate Question of Life, the Universe, and Everything" (Douglas Adams)

Welchen Winkel müssen Oberkörper und Oberschenkel beim Sitzen oder Liegen bilden, damit sich der Mensch am besten entspannen kann?

Warum muss Nudelwasser gesalzen werden?

Welches Tier ist nach der Band "Metallica" benannt?

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Bild der Woche

Ella Cooke, BSC ECOLOGY AND CONSERVATION AND BRITISH ECOLOGICAL SOCIETY


Gut gepudert stakst dieser Käfer vor die Kamera von Ella Cooke. Die junge Britin hat gerade einen Studentenpreis des Fotowettbewerbs "Capturing Ecology" der British Ecological Society gewonnen. Mit einem fluoreszierenden Pulver bestäubt, wird der Krabbler, von einer UV-Lampe beleuchtet, auch bei Dunkelheit sichtbar. Die Käferkosmetik ist eine gängige Methode der Ökologen, um Insektenverhalten auch bei schwachem Licht ergründen zu können.


Fußnote

41 Stunden braucht der Kopf eines Lego-Männchens im Durchschnitt, um nach dem Verschlucken wieder aufzutauchen. Das berichten Ärzte im "Journal of Paediatrics and Child Health" nach einem heroischen Selbstversuch. Komplikationen habe es keine gegeben, schreiben die Autoren zur Beruhigung besorgter Eltern. Für unnötig halten sie es, in der Kloschüssel nach den Plastikteilen zu fahnden - "weil sie schwer zu finden sind". Zwar gelang es zumeist, die Köpfe wieder zu bergen. Ein Proband jedoch gab auf: "Ich durchsuchte meinen eigenen Kot zwei Wochen lang", so der Brite Damian Roland. Ohne Erfolg.


Die SPIEGEL+-Empfehlungen aus der Wissenschaft


* Quiz-Antworten: 127 Grad, auch "Null-Gravitationswinkel" genannt / Damit sie nicht ihren Geschmack verlieren; werden Nudeln ungesalzen gekocht, gehen Salze und Geschmacksstoffe aus der Nudel ins Kochwasser über; nur wenn Kochwasser und Nudel von Beginn an in etwa den gleichen Salzgehalt haben, schmeckt die Pasta, wie sie schmecken soll / Die Wespe Metallichneumon neurospastarchus; der Name der Art bedeutet "Chef der Hampelmänner" und bezieht sich auf das Metallica-Album "Master of Puppets"

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Seite 1
babeli 08.12.2018
1.
Was für eine gute Nachricht! Was der Artenschutz bedeutet, ist mir bei einem Urlaub im unter Naturschutz stehenden Fextal besonders aufgefallen. https://de.wikipedia.org/wiki/Fextal (Fast) keine Autos, keine Oberleitungen und eine unglaubliche Schmetterlingsvielfalt. Zufällig bin ich einem Fachmann begegnet, der vom Schweizerischen Bundesamt für Umwelt BAFU beauftragt war, in einem bestimmten Bezirk die Falter zu bestimmen - es waren 39 verschiedene Arten. Wenn ich Glück habe sehe ich in meinem Garten 4 oder 5 unterschiedliche Spezies.
regelaltersrentner 08.12.2018
2.
Zitat von babeliWas für eine gute Nachricht! Was der Artenschutz bedeutet, ist mir bei einem Urlaub im unter Naturschutz stehenden Fextal besonders aufgefallen. https://de.wikipedia.org/wiki/Fextal (Fast) keine Autos, keine Oberleitungen und eine unglaubliche Schmetterlingsvielfalt. Zufällig bin ich einem Fachmann begegnet, der vom Schweizerischen Bundesamt für Umwelt BAFU beauftragt war, in einem bestimmten Bezirk die Falter zu bestimmen - es waren 39 verschiedene Arten. Wenn ich Glück habe sehe ich in meinem Garten 4 oder 5 unterschiedliche Spezies.
Sie haben das Glück Kräuter in ihrem Garten zu haben, Kräuter die eine Lebensgrundlage für 4 oder 5 Schmetterlingsarten bilden. Manche sehen gar keine, weil sie außer englischem Rasen nur noch eine Steinwüste ihr Eigen nennen.
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