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Ökoenergie: Fischfreundliches Wasserkraftwerk

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Regenerative Energie Neues Wasserkraftwerk lässt Fische am Leben

Wasserkraftwerke sind Todesfallen für Fische. Forscher der TU München haben eine neue Anlage entwickelt, die verhindert, dass die Tiere von den Turbinen zermalmt werden. In Bayern soll nun ein fischfreundliches Kraftwerk entstehen.

In den Augen von Naturschützern ist Strom aus Wasserkraftwerken nicht grün, sondern rot. Blutrot. Zwar liefern die Anlagen Energie, ohne dass Treibhausgase freigesetzt werden. Doch dafür müssen Fische mit ihrem Leben bezahlen - der Weg durch die Turbinen endet für die Tiere oft tödlich. Angler sprechen gar von "Fischhäckslern". Auch Insekten, Vögel und Pflanzen leiden, weil die Kraftwerke mit ihren Wehren und Kanälen die Gewässerökologie verändern.

Bei der Energiewende spielt die Wasserkraft hierzulande nur eine untergeordnete Rolle. Sie deckt zwar gut drei Prozent des deutschen Strombedarfs. Ihr Potenzial ist damit nach Einschätzung des Bundesumweltamts aber weitestgehend ausgeschöpft. Nur durch die Modernisierung und Erweiterung bestehender Anlagen lässt sich die Stromerzeugung durch Wasserkraft noch ein wenig steigern. Neubauten dagegen sind praktisch nicht mehr durchsetzbar - nicht zuletzt wegen der ökologischen Bedenken.

Doch nun haben Forscher der Technischen Universität München ein Anlagenkonzept entwickelt, das der Wasserkraft eine neue Chance geben könnte. Anders als in traditionellen Kraftwerken werden Turbine und Generator dabei nicht in einem Maschinenhaus im Fluss installiert, sondern in einem Schacht unterhalb seiner Sohle. Die Anlage ist daher nahezu unsichtbar. Das Wasser ergießt sich in den Schacht, durchströmt dabei die Turbine und gelangt dann durch einen Auslass zurück in den Fluss.

Nebenstrecke für Fische

Allerdings stürzt nicht die gesamte Wassermenge in den Schacht - ein kleiner Teil strömt darüber hinweg. Auf diesem Weg entgehen die Flussbewohner der tödlichen Falle. In Praxistests mit einem Modell des Kraftwerks funktioniert das gut, erklärt Projektleiter Albert Sepp. "Unsere Versuche haben gezeigt, dass die Fische der horizontalen Strömung folgen und so die Anlage gefahrlos passieren", sagt der Forscher von der TU München. Ein Rechen, der den Schachteingang abdeckt, bietet den Fischen zusätzlichen Schutz.

Lässt sich der Konflikt zwischen Wasserkraft und Fischschutz damit tatsächlich lösen? Klement Tockner, Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin, zeigt sich vorsichtig optimistisch. "Die ersten Arbeiten am Versuchsstandort deuten darauf hin, dass dies möglich sein könnte", sagt der Forscher. Er weist jedoch darauf hin, dass in der Praxis für jede Anlage individuell eine Mindestwassermenge festgelegt werden müsse, die den Fischen über den Schacht hilft.

Schachtkraftwerke könnten dort entstehen, wo die Flüsse bereits mit Treppen oder kleinen Wehren versehen sind, die die Kraft des Wassers bändigen. Allein in Bayern gibt es laut Landesumweltministerium fast 1200 solcher Schwellen mit einer Fallhöhe von insgesamt mehr als drei Metern. Davon kommt jedoch aus vielerlei Gründen nur ein sehr kleiner Teil tatsächlich als Standorte für Schachtkraftwerke in Frage. Aber die Münchner Forscher denken ohnehin über Deutschland hinaus. "Weltweit sehen wir gerade einen enorm starken Trend hin zum Ausbau der Wasserkraft. Mit unserem Konzept lassen sich die Eingriffe in die Natur dabei gering halten", sagt Sepp.

Streit um Pilotanlage in Bayern

Nachdem Sepp und seine Kollegen in der Versuchsanlage am Walchensee jahrelang an der Idee gefeilt haben, wollen sie jetzt an der Loisach südlich des Starnberger Sees ein Pilot-Kraftwerk errichten. Es soll rund 800 Haushalte mit Strom versorgen. Doch der Bund Naturschutz sowie der Landesfischereiverband Bayern haben Klage gegen das Vorhaben eingereicht. "Das Konzept könnte richtungweisend sein - aber der Standort ist falsch", sagt Johannes Schnell vom Landesfischereiverband Bayern. Der Verband fordert, die Anlage andernorts zu errichten, weil die Loisach Lebensraum bedrohter Fischarten ist und daher unter Naturschutz steht. Nun muss das Bayerische Verwaltungsgericht entscheiden.

Die Wissenschaftler der TU München sind nicht die Einzigen, die nach fischfreundlichen Alternativen zu den traditionellen Wasserkraftwerken suchen. So hat zum Beispiel die österreichische Firma Aqua Libre eine Art Boje entwickelt, die mit einer Kette knapp unterhalb der Wasseroberfläche gehalten wird. In ihrem Innern ist eine Turbine montiert, die vom Flusswasser durchströmt wird. Der bis zu 2,5 Meter große Rotor dreht sich sehr langsam, so dass ihn Fische nach Angaben des Unternehmens problemlos durchschwimmen können. Das Unternehmen hat bereits mehrere Prototypen dieser schwimmenden Kleinkraftwerke in der Donau bei Krems installiert.

Zusammengefasst: Wasserkraftwerke sind schon lange als Fischhäcksler verschrien. Forscher der TU München haben ein Konzept entwickelt, bei dem Fische an den für sie tödlichen Turbinen vorbeigeführt werden. Das sogenannte Schachtkraftwerk wurde bereits in einer kleinen Versuchsanlage getestet und könnte vor allem außerhalb Deutschlands den Bau neuer Wasserkraftwerke ermöglichen.