Wasserstoff-Flieger Boeing präsentiert Ökodrohne

Der US-Konzern Boeing hat eine Drohne vorgestellt, die enorme Abmessungen besitzt - und mit Wasserstoff fliegen soll. Vier Tage lang soll sich das unbemannte Flugzeug in der Luft halten können. Allerdings: Geflogen ist "Phantom Eye" bisher noch nicht.

Drohne "Phantom Eye": Gigant mit Wasserstoffantrieb
AP

Drohne "Phantom Eye": Gigant mit Wasserstoffantrieb


Drohnen sind beliebt in der Forschung und insbesondere beim Militär: Die unbemannten Fluggeräte kosten wesentlich weniger als bemannte, können wesentlich länger in der Luft bleiben, präzise Fotos liefern und bei Bedarf auch Raketen abfeuern. Der Pilot sitzt nicht im Cockpit, sondern steuert die Drohne aus der Ferne, manchmal aus Entfernungen von Tausenden Kilometern.

Das soll demnächst auch umweltfreundlich funktionieren, wie Boeing nun vorführen will. Der US-Konzern hat jetzt eine Drohne mit dem martialischen Namen "Phantom Eye" in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) vorgestellt. Der Flieger, der bisher nur als Prototyp existiert, soll bis zu vier Tage lang auf einer Höhe von rund 20 Kilometern bleiben können. Der Antrieb besteht aus zwei Motoren mit jeweils 2,3 Litern Hubraum und vier Zylindern - die nicht etwa Kerosin, sondern Wasserstoff verfeuern. Die Gesamtleistung von 300 PS soll die Drohne auf eine Marschgeschwindigkeit von knapp 300 km/h beschleunigen.

Die Flügel von "Phantom Eye" besitzen eine Spannweite von 45 Metern. Damit ist die Ökodrohne im Vergleich zu anderen Modellen wie der "Predator", der "Reaper" oder der "Shadow" (siehe Kasten links) ein wahrer Gigant. Lediglich die "Global Hawk"-Drohne des US-Konzerns Northrop Grumman ist in Sachen Größe und Leistung in etwa mit "Phantom Eye" vergleichbar, besitzt allerdings ein konventionelles Strahltriebwerk und kann nur 28 bis 40 Stunden in der Luft bleiben. Die Bundeswehr benutzt eine mit deutschen Sensoren ausgestattete Version unter der Bezeichnung "Euro Hawk".

Erstflug steht noch aus

"'Phantom Eye' ist die erste Drohne ihrer Art und könnte einen völlig neuen Markt für Datensammlung und Kommunikation eröffnen", schwärmte Darryl Davis, Präsident von Boeing Phantom Works. Das neue Fluggerät werde "unseren zivilen, militärischen und kommerziellen Kunden neue Möglichkeiten eröffnen". Ob die Drohne auch bewaffnet werden kann, blieb offen. Die Zuladung, die laut Boeing rund 200 Kilogramm beträgt, würde das zumindest theoretisch ermöglichen.

Allerdings muss die neue Drohne erst einmal fliegen - und das ist bisher noch nicht geschehen. In diesem Sommer soll "Phantom Eye" am Dryden Flight Research Center an der Edwards Air Force Base in Kalifornien Bodentests absolvieren. Erst 2011 soll es zum Jungfernflug kommen, der nach Angaben von Boeing vier bis acht Stunden dauern soll.

"Der Wasserstoffantrieb wird der Schlüssel zum Erfolg sein", meint Drew Mallow, der bei Boeing für die neue Drohne verantwortlich ist. "Er ist sehr effizient und enorm wirtschaftlich. Das einzige Abfallprodukt ist Wasser, weshalb es sich hier um ein grünes Flugzeug handelt." Das allerdings gilt das nur dann, wenn der Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellt wird - und nicht mit Strom aus Kohle oder Gas.

mbe



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