Nachgeforscht Die surrende Rasierklinge

Foto: Wilkinson

Ein Nassrasierer soll durch zusätzliches Vibrieren eine bessere Rasur ermöglichen. Kann das funktionieren?

Es gibt diese Legende, dass manche Dinge alles besser machen. Käse auf Essen zum Beispiel oder schönes Papier für Briefe. Und das ist, Verzeihung, natürlich ausgemachter Quatsch.

Leberkäse-Sushi ist und bleibt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darauf besteht der Autor dieses Artikels. Parmesan darauf zu sprenkeln, kann da auch nicht mehr helfen. Und stellen Sie sich vor, die Mahnungen vom Finanzamt kämen auf Blümchenpapier. Würde es das besser machen?

Entsprechend skeptisch bin ich, wenn es um den Nassrasierer "Wilkinson Sword Hydro 5 Power Select" geht. Die Idee, die anscheinend zu diesem Produkt führte: Wenn was surrt und Strom verbraucht, ist es besser. In diesem Nassrasierer ist nämlich auch Platz für eine kleine Batterie. Die treibt aber nicht die Klingen an, sondern sorgt stattdessen für ein Vibrieren des Rasierers.

Was genau das aber bezwecken soll, ist nicht klar. Auf der Verpackung steht nichts von irgendeinem Effekt. In älteren Produktbeschreibungen steht, dass das Vibrieren für weniger Hautirritationen und effizienteres Rasieren sorgen soll, indem es die Haare aufrichtet.

Niedrig, mittel, hoch

Belege für einen solchen Nutzen finden sich allerdings in keiner wissenschaftlichen Studie. Und auch Wilkinson bleibt auf seiner Website eine Erklärung schuldig, wozu die Vibration eigentlich gut sein soll. Der SPIEGEL hatte das Unternehmen um eine konkrete Erklärung innerhalb von einer Woche gebeten. Wilkinson antwortete darauf:

"Leider ist es uns in der Kürze der Zeit nicht möglich, Ihnen die angefragten Informationen zur Verfügung zu stellen." Stattdessen schickte man lediglich eine Übersicht zum Produkt, in der angepriesen wird, dass man zwischen drei Vibrationsstufen wählen kann. Niedrig, mittel, hoch. Wozu aber das Surren gut ist, dazu nach wie vor kein Wort.

Vibrationsrasierer

Vibrationsrasierer

Foto: Wilkinson

Trotz der dürftigen Erklärung wollte der SPIEGEL eine Expertenmeinung einholen und wissen, ob irgendein positiver Effekt durch die Vibration denn theoretisch überhaupt denkbar wäre. Doch das war nicht einfach. Ein angefragter Dermatologe sagte, "für solchen Unsinn" habe er keine Zeit.

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

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Andere Experten winkten ebenfalls ab. Schließlich erklärte sich aber Natalie Garcia Bartels, Hautärztin in Berlin und Privatdozentin an der Charité, bereit, ihre Expertise zur Verfügung zu stellen.

Ihr Fazit: Dass das Vibrieren tatsächlich hilft, die Haare aufzurichten, ist für sie schwer vorstellbar. Entweder müsste das Vibrieren eine Art Gänsehaut auslösen, damit die Haarmuskeln die Haare aufrichten und so das Rasieren einfacher machen. Oder das Vibrieren müsste die Haut um die Haare absenken, was "sehr viel Kraft" benötigen würde.

Beides hält Garcia Bartels nicht für vollkommen ausgeschlossen, doch sie habe von solch einem Effekt noch nie etwas in wissenschaftlichen Publikationen gelesen, geschweige denn ihn selbst in einer Studie untersucht.

Für eine wirklich gute Rasur würden dagegen andere Dinge sorgen. "Gute Schäume und Aftershaves, mit möglichst wenig Allergenen und Duftstoffen. Die sind bei empfindlicher Haut die beste Wahl", sagt sie. Die Vibration am Nassrasierer scheint also vor allem eins zu sein: ein Marketing-Gag ohne Nutzen.

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