Entdecker-Legende Forscher finden Wrack von Robert Scotts Schiff "Terra Nova"

Sensationelle Entdeckung vor Grönland: Ein internationales Forscher-Team hat das Wrack der "SS Terra Nova" gefunden. Das berühmte Schiff, mit dem der Entdecker Robert F. Scott 1910 Richtung Südpol in See stach, galt seit 70 Jahren als verschollen.

"SS Terra Nova" am 1. Mai 1910: Captain Scott und seine Mannschaft
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"SS Terra Nova" am 1. Mai 1910: Captain Scott und seine Mannschaft


Newcastle/Nuuk - Hundert Jahre liegt die zweite Expedition des legendären Entdeckers Robert F. Scott ins Südpolarmeer zurück. Jetzt hat ein internationales Team von Meeresforschern im Rahmen einer Expedition für das Schmidt Ocean Institute das Wrack seines Schiffs "Terra Nova" vor der Küste Grönlands entdeckt. Die Wissenschaftler waren laut Website der Forschungseinrichtung eigentlich in See gestochen, um auf einer Routinefahrt mit dem Flaggschiff des Instituts, der "R/V Falkor", technische Ausrüstung zu testen - und stießen dabei auf das berühmte Wrack.

Der britische Offizier Robert F. Scott war bekannt dafür, ein strenges Regiment zu führen, berichtete das Magazin "National Geographic": Bereits im Jahr 1902 war er auf seiner ersten Südpolarfahrt zwei Winter lang auf der "Discovery" im Packeis eingefroren und hielt seine Crew unter extremen Bedingungen zusammen. 1904 kehrte die Mannschaft nach England zurück. 1910 stieß Scott erneut von Cardiff aus in See. Doch bei seiner zweiten Expedition auf der "SS Terra Nova" hatte er weniger Glück. Zwar erreichte er - als zweiter nach seinem norwegischen Entdecker-Rivalen Roald Amundsen - im Januar 1912 den Südpol, doch auf dem Rückweg gerieten seine vier Gefährten und er in einen Schneesturm - und verloren im Eismeer ihr Leben.

"Es ist unglaublich, dass eines der berühmtesten Schiffe der Geschichte 100 Jahre nach dem Wettlauf zum Pol, nach dem Tod von Scott und vier Männern seiner Crew, wiedergefunden wurde", sagte ein Experte der Zeitung "The Telegraph". Die "Terra Nova" liege sehr tief im Wasser, mutmaßte er, "ich denke, mehr als tausend Fuß tief" - das sind rund 300 Meter.

Die "SS Terra Nova", deren Kapitän es gemeinsam mit seinen Begleitern im Jahr 1912 nicht gelungen war, an Bord zurückzukehren, erreichte 1913 Neuseeland und informierte die Welt über den tragischen Ausgang von Scotts ehrgeizigem Vorhaben, wie in der Zeitleiste der Expedition auf der Website der Stadt Plymouth nachzulesen ist, heute Standort der britischen Marinewerft.

Während des zweiten Weltkriegs wurde die "Terra Nova" für Versorgungsfahrten genutzt, heißt es im Bericht des "Telegraph". Im Jahr 1943 sollte sie Güter nach Grönland bringen, doch auf der Fahrt wurde sie durch das Eis beschädigt und sank vor der Südwestküste der Insel - die Crew konnte gerettet werden. 70 Jahre lang blieb sie am Grunde des Meeres verschollen.

bos



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