Zeitumstellung Wieder ein 25-Stunden-Sonntag

Um drei Uhr morgens ist wieder einmal an der Uhr gedreht worden: Ab jetzt gilt die Winterzeit. Die EU-Kommission will die Zeitumstellung eigentlich abschaffen, doch die Mitgliedstaaten sind sich noch nicht einig.

Umstellung auf Winterzeit: In der vergangenen Nacht wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt
Martin Gerten/dpa

Umstellung auf Winterzeit: In der vergangenen Nacht wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt


Ab jetzt ist es morgens wieder früher hell und dafür nachmittags eher dunkel: Um drei Uhr morgens sind die Uhren von der Sommerzeit um eine Stunde auf die mitteleuropäische Zeit (MEZ) zurückgestellt worden. Viele Menschen haben von dem Hin und Her aber genug und befürworten ein Ende der Zeitumstellung. Wann die EU entsprechende Pläne umsetzt, ist allerdings noch nicht absehbar.

Zeitumstellung bei den meisten Deutschen unbeliebt

Dass der Sonntag mit der Zeitumstellung eine Stunde länger ist, dürfte die meisten Menschen zwar kaum stören. Allerdings ist die Umstellung auf Sommerzeit im Frühjahr und auf Normalzeit im Herbst zunehmend unbeliebt, wie regelmäßige Umfragen zeigen.

Energieeffekt umstritten

Kritiker der Zeitumstellung führen neben den gesundheitlichen Belastungen ins Feld, dass diese ihren ursprünglichen Zweck nicht erfüllt. Eigentlich sollte das Vorstellen der Uhr im Frühjahr zum Energiesparen in der hellen Jahreszeit beitragen. Die Überlegung: Wenn sich der Tag um eine Stunde nach vorn verschiebt, wird weniger Beleuchtung und damit weniger Strom verbraucht.

Doch dadurch entstehende Energiespareffekte sind kaum nachweisbar. Auch das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag kam in einer Analyse zu dem Schluss, dass die energetischen Aspekte kaum ins Gewicht fallen.

EU-Regelung soll fallen - aber wann?

Grundlage für die Zeitumstellung ist eine EU-weite Regelung, wonach die MESZ in allen Mitgliedstaaten jeweils am letzten Sonntag im März beginnt und am letzten Sonntag im Oktober endet.

Deutschland führte die Zeitumstellung im Jahr 1980 ein. Die EU-Kommission will die Regelung nun wieder abschaffen.Ursprünglich sollte das bereits für 2019 umgesetzt werden. Jedes Land hätte demnach für sich entscheiden sollen, ob es dauerhaft die Normal- oder Sommerzeit einführt. Das EU-Parlament unterstützte diesen Vorschlag grundsätzlich und sprach sich im März für ein Ende der Zeitumstellung ab 2021 aus. Es hapert aber an Absprachen der Mitgliedsländer, um zu verhindern, dass ein Flickenteppich verschiedener Zeitzonen entsteht.

Wissenschaftler und Lehrer gegen Umstellung auf Sommerzeit

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin spricht sich für eine Beibehaltung der Normalzeit aus. Das Tageslicht und insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts sei der "Hauptzeitgeber" für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Winterzeit gewährleistet.

Durch Umstellung auf Sommerzeit drohe hingegen ein Schlafmangel, der zu Konzentrations- und Leistungseinbußen sowie mehr Unfällen führe. Auch der Deutsche Lehrerverband fürchtet für den Fall einer dauerhaften Umstellung auf Sommerzeit gesundheitliche Gefahren für Schüler.

Technische Umsetzung

Rein technisch ist die Umstellung unproblematisch. Taktgeber für die Zeit sind in Deutschland die Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über Sender werden die Signale übertragen, durch die sich die Funkuhren automatisch an die Zeitumstellung anpassen.

Auch für die Deutsche Bahn ist die Zeitumstellung längst Routine. Züge halten am Sonntag in der um eine Stunde längeren Nacht an einem Bahnhof, um morgens nicht eine Stunde zu früh anzukommen. S-Bahnen mit Abfahrtzeiten zwischen zwei und drei Uhr müssen dagegen zweimal abfahren - vor und nach der Umstellung. Dafür werden mehr Bahnen und mehr Personal gebraucht.

cop/AFP



insgesamt 125 Beiträge
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ManfredKretschmer 27.10.2019
1. Zeitumstellung
finde ich geil, ich möchte, dass diese Regelung beibehalten wird. Für alle nachfolgenden Foristen: Wir haben zur Zeit die mitteleuropäische Zeit (MEZ), die bis 1980 galt - für mich die meiste Zeit meines bisherigen Lebens. Was bis heute Nacht lief, war die MESZ (mitteleuropäische Sommerzeit). Winterzeit gibt es hier im europäischen Raum noch nicht. Bitte beim Kommentieren berücksichtigen.
peter.teubner 27.10.2019
2. Wie sieht die
Zoneneinteilung eigentlich aus? Das was wir Mitteleuropäische Zeit nennen erstreckt sich über zwei Zeitzonen. Griechenland, liegt in der gleichen geografischen Zone wie Polen, hat aber eine Stunde früher Sonnenaufgang. England liegt eine Stunde später, aber geografisch wie Spanien. Bei uns in Stockholm würde die Sonne, bei ganzjähriger Winterzeit, um Zwei Uhr morgens aufgehen, was hätten wir davon? Und an die Wissenschaft: Beweise bitte, Beweise die stichhaltiger sind als der normale Menschenverstand, der sagt: Die Sonne geht im Westen der Zeitzone eh eine Stunde später auf, im Winter bei uns in Stockholm scheint sie im Minimum nur etwa 6,5 Stunden. Machen wir nun mehr Unfälle im Sommer oder im Winter als die Spanier, die ganz andere Sonnenzeiten haben. Bitte, bitte eine Antwort, die logisch nachvollziehbar ist und nicht gefühltes Unbehagen.
safran64 27.10.2019
3.
Mit dem BREXIT-Verlauf im Hinterkopf - in da gab es sogar Stichtage - kann man davon ausgehen, dass das Ende der Zeitumstellung in der EU niemals kommen wird. ;)
Stereo_MCs 27.10.2019
4. Endlich wieder Normalzeit
Kurze 5 Monate wieder alles Ordnung wenn morgens der Wecker klingelt. Danach dann wieder 7 Monate Saure Gurken Zeit. Was wird das morgen früh schön. So wie sich alle Fachleute einig sind, 12 Monate "Sommerzeit" wäre im Winter eine Katastrophe. Im Dezember an trüben Tagen erst um fast 10:00 hell, das kann es ja wohl nicht sein, wenn Arbeiter und Schüler D. viele Stunden früher aufstehen müssen. Und ich vermute fast, dieses Kind würde auch noch leben, hätten wir nicht diese idiotische "Sommerzeit": https://www.bild.de/regional/koeln/koeln-aktuell/der-fahrer-wollte-ueber-die-gruene-ampel-maedchen-11-von-lkw-erfasst-und-mitgesc-65274978.bild.html An diesem Tag war erst um exakt 07:50 Uhr Sonnenaufgang. Und es war ein eher trüber Tag, ich wohne da. Sprich, um 7:50 war es da noch nicht mal ansatzweise hell. Kein Wunder, dass der auf einer völlig freien Fläche einfach ein Kind auf dem Rad übersieht. Nix toter Winkel usw. Hier das selbe. Ein Wunder, dass das Kind nicht tot ist. Wieder 7:50, auch dort noch nicht wirklich hell. https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/muenchen-maedchen-11-unter-40-tonner-eingeklemmt-und-ueberlebt-65434302.bild.html In beiden Fällen wäre es mit Normalzeit taghell und 1h "wacher" gewesen und und so die Chance, dass all diese vielen vielen tot gefahrenen Menschen morgens nicht unter die Räder gekommen wären, deutlich größer. Wie viele Kinder wollen wir morgens vor Acht im Dunklen noch verlieren, nur wegen dieser bescheuerten "Biergarten Zeit"? Von den volkswirtschaftlichen Schäden durch ein Heer von mehr übermüdeten Schüler, Studenten und Arbeitern morgens nicht zu reden.
rechercher 27.10.2019
5. Meiner Meinung nach ...
Meiner Meinung nach haben Sie vollkommen recht. Ihre Argumente waren und sind genau die meinen, wenn es um dieses lästige Thema geht. inklusive Biergarten-, Kleingarten-, bzw. Balkon-Zeit.
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