Probeflüge in mehreren Bundesstaaten USA starten Tests mit zivilen Drohnen

Schon in rund zwei Jahren soll der US-Luftraum allmählich für zivile Drohnen geöffnet werden, doch entscheidende Fragen sind noch offen: Was tun, wenn der Funkkontakt zu einem unbenannten Flugkörper abbricht? Tests sollen nun Antworten bringen.
Drohne "Phantom" von Boeing: Unbemannte Flugkörper auf dem Vormarsch

Drohne "Phantom" von Boeing: Unbemannte Flugkörper auf dem Vormarsch

Foto: AP/Boeing, Robert Ferguson

Washington - Drohnen sind längst nicht mehr nur eine Option des Militärs, die Wirtschaft hat die unbenannten Flugkörper als logistische Heilsbringer entdeckt, aber auch Landbesitzer und Privatleute haben zunehmend Interesse an den Diensten der Geräte. Ein regulärer Drohnenverkehr ist keine kühne Zukunftsphantasie mehr. Doch wie soll er koordiniert werden?

Die Amerikanische Bundesbehörde für Luftfahrt (Federal Aviation Administration, FAA) forciert nun ihre Bemühungen, eine Antwort zu finden. Am Montag gab sie bekannt , dass Testgelände unter anderem in den Bundesstaaten Alaska, Nevada, New York, North Dakota, Texas und Virginia eingerichtet werden sollen.

Unter anderem soll untersucht werden, wie die Sicherheit gewährt werden kann, selbst wenn der Funkkontakt zu einem Flugkörper einmal abbricht, und wie Kollisionen verhindert werden können. Die Tests beinhalten auch das Training von Piloten, die Drohnen vom Boden aus steuern sollen.

Datenschutz bereitet Sorgen

Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Testgelände war, dass man die Untersuchungen mit unterschiedlichen Bedingungen durchführen kann. Nach Angaben von Michael P. Huerta, Verwaltungsleiter der FAA, unterscheiden sich die Orte in ihrer Geografie, ihrem Klima und der Dichte des Luftverkehrs. So sollen auch Tests in Regionen stattfinden, in deren Luftraum viele Flugzeuge unterwegs sind. Im Nordosten etwa oder an der Grenzen der Bundesstaaten Nevada und Kalifornien.

Sechs Institutionen wurden ausgewählt, die die Tests durchführen sollen. Darunter der Griffiss International Airport, ein ehemaliger Stützpunkt der Air Force nahe der Stadt Rome im Bundesstaat New York, der Tests auf der Halbinsel Cape Cod, Massachusetts, fliegen soll. Involviert ist auch die Universität Virginia Tech in Blacksburg. Die Hochschule soll insbesondere untersuchen, was geschieht, wenn eine Drohne den Kontakt zur Bodenstation verliert.

Das Konzept der FAA sieht vor, dass Flugzeuge wie Drohnen das GPS-System nutzen, um ihre Position zu bestimmen. Computer schicken Bilder des Luftraums an Piloten und Drohnen, die unbemannten Flugkörper sollen automatisch Kollisionen verhindern. Die FAA plant, innerhalb von etwa fünf Jahren 7500 kommerziell betriebene Drohnen in den Luftverkehr zu integrieren.

Laut FAA sollen die Tests bis 2017 andauern. Sie sollen in den nächsten sechs Monaten beginnen. In den USA braucht bisher jeder Roboter, der höher als etwa 130 Meter fliegt, ein Zertifikat der Luftfahrtbehörde FAA. Bislang konnten nur offizielle Stellen so eine Fluggenehmigung beantragen, die Polizei etwa, der Zoll oder Rettungskräfte.

Künftig soll es praktisch jeder dürfen: Barack Obama hat im Februar 2012 ein Gesetz unterzeichnet, wonach der Drohnenverkehr ab 2015 allmählich in den amerikanischen Luftraum integriert werden soll. Beobachter rechnen jedoch damit, dass sich die Einführung verzögert, der Zeitplan sei nicht einzuhalten.

"Potential zu einer Milliardenindustrie"

Kritiker monieren zudem, dass die Frage des Datenschutzes ungeklärt sei. Drohnen eignen sich bestens dazu, Daten zu sammeln. Wie soll der zu erwartenden Sammelwut Einhalt geboten werden?

Schon kurz nachdem das Gesetz zur Einführung des Drohnenverkehrs verabschiedet wurde, richtete der Senat einen überparteilichen Ausschuss ein, der sich um die Frage der Privatsphäre kümmern soll. Selbst Republikaner kritisieren, dass bisher unklar ist, was mit Drohnen angestellt werden darf, wo die Grenzen liegen sollen.

"Hier entsteht die Möglichkeit für die Entwicklung einer neuen Industrie, die das Potential zu einer Milliardenindustrie hat", sagte der New Yorker Abgeordnete Luis R. Sepulveda der "New York Times" . Es bestehe aber Gefahr für den Datenschutz. "Dies sind Geräte, die in einer Weise getarnt werden können, dass man nicht einmal merkt, wenn man erfasst wird." Bisher sei nicht klar, wie dies geregelt werden könne.

Nach Angaben des FAA-Mitarbeiters Huerta wurde bereits die erste Lizenz zur kommerziellen Nutzung von Drohnen vergeben. Die Ölfirma ConocoPhillips darf vor der Küste von Alaska einen "ScanEagle" einsetzen, eine Drohne des Herstellers Boeing, der von den USA bereits zur Spionage eingesetzt wird.

bim