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Extreme Niederschläge in den USA Klimawandel hat Schaden durch Hurrikan »Harvey« verdoppelt

Durch das Extremwetter wurden 2017 etliche Grundstücke verwüstet. Forschende fanden nun heraus: Ohne den Klimawandel wäre nur etwa die Hälfte der Häuser überschwemmt worden. Die Folgen treffen zudem nicht alle gleich.
Zerstörtes Haus in Rockport in Texas im August 2017: Etliche Grundstücke hat der Hurrikan verwüstet

Zerstörtes Haus in Rockport in Texas im August 2017: Etliche Grundstücke hat der Hurrikan verwüstet

Foto: Rick Wilking / REUTERS

Etwa die Hälfte der durch den Hurrikan »Harvey« vor fünf Jahren verwüsteten Grundstücke hätte verschont bleiben können – gäbe es nicht den Klimawandel. Bereits jetzt führt die Erderwärmung zu einer Verschärfung bestimmter extremer Wetterereignisse. Nur wenige Untersuchungen hätten sich dagegen bisher mit der Frage befasst, ob und inwieweit es soziale Ungleichheiten als Folge von Extremwetterereignissen gibt, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind – für »Harvey« wollten Forschende diese Lücke füllen, die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift »Nature«  veröffentlicht. Berichtet hat etwa die »New York Times« .

Klimakrise

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Im August 2017 wütete »Harvey« in den USA. In Houston, im Bundesstaat Texas etwa führte der Dauerregen zu massiven Überflutungen, Sturmschäden an Häusern und Stromausfällen. Für weite Teile der Stadt wurde damals die höchste Alarmstufe bei Überschwemmungen ausgerufen, Behörden sprachen von einer Katastrophe historischen Ausmaßes. Dutzende starben, Millionen mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. In der 10.000-Einwohner-Stadt Rockport gab es praktisch keine Infrastruktur mehr. Der Schaden des Hurrikans wurde auf bis zu 180 Milliarden Dollar geschätzt.

Der Klimawandel hätte die Regenfälle verschlimmert, da wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichern könne, die dann als Niederschlag auf die Erde falle, heißt es in dem Bericht der »New York Times«. In einem extremeren Szenario, das die Wissenschaftler untersuchten, sind der Studie zufolge die Niederschläge durch den Klimawandel um bis zu 38 Prozent höher.

Auswirkungen auch in konservativem Szenario klar

Etwa die Hälfte der betroffenen Grundstücke wären demnach auch ohne den Klimawandel überflutet worden – »aber 50,6 Prozent wurden nur aufgrund des Klimawandels überflutet«, schreiben die Forschenden. »Sie wären während des Hurrikans nicht überflutet worden, wenn es keinen Klimawandel gegeben hätte, der zu verstärkten Niederschlägen geführt hätte.« Selbst in dem konservativen Szenario, dass der Klimawandel mit sieben Prozent der Niederschläge verbunden wäre, wären fast 13 Prozent der betroffenen Grundstücke nicht überflutet worden.

»Wir konzentrieren uns daher auf die Herausforderungen der Klimagerechtigkeit, die nicht nur künftige, durch den Klimawandel verursachte Risiken betreffen, sondern bereits jetzt unverhältnismäßig stark auf gefährdete Bevölkerungsgruppen einwirken«, schreiben die Wissenschaftler. Die Auswirkungen des Klimawandels waren der Studie zufolge besonders in Vierteln zu spüren, in denen viele Menschen mit lateinamerikanischer Migrationsgeschichte lebten, insbesondere mit niedrigem Einkommen. »Die Klimakrise betrifft uns alle, aber nicht alle gleichermaßen«, sagte Cymene Howe, Anthropologieprofessorin an der Rice University, die nicht an der Studie beteiligt war, der »New York Times«.

Anhand von sozioökonomischen Daten zu Grundstücken und Zählbezirken beschreiben die Forscher die sozialräumlichen Merkmale, die mit Auswirkungen des Klimawandels verbunden waren. Zunächst untersuchten sie, inwieweit die Überflutung von Wohngebäuden durch den Hurrikan »Harvey« dem Klimawandel zugeschrieben werden kann. Mithilfe von Modellen bewerteten sie dann, welche sozialen und demografischen Faktoren mit diesen klimawandelbedingten Auswirkungen in Verbindung stehen – und analysierten die Ungleichheiten bei den klimawandelbedingten Folgen von Extremwetterereignissen.

ani