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Medizin Tod im Gitterbett

aus DER SPIEGEL 8/1994

Mitunter sind die viel geschmähten Medien doch zu etwas gut: Am 6. August 1991 veröffentlichte die Tageszeitung Seattle Times im US-Staat Washington einen Artikel, in dem Kinderärzte davor warnten, Neugeborene und Kleinstkinder in der Bauchlage schlafen zu lassen. Die Mediziner nehmen an, daß diese Lage für einen hohen Prozentsatz der sogenannten Fälle von »plötzlichem Kindstod« verantwortlich ist. Im Stadtbezirk von Seattle, so heißt es nun in der Februar-Ausgabe des Fachblattes Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine, ging in den acht Monaten nach Veröffentlichung des Zeitungsbeitrags die Zahl der plötzlichen Kindstodesfälle um 52 Prozent zurück. In den umliegenden Landkreisen hingegen, wo jeweils nur einer von 100 Haushalten die Seattle Times abonniert hat, stieg die Anzahl solcher Todesfälle um 3,4 Prozent. Die in den letzten Jahren auch in Deutschland verbreitete Warnung vor der gefährlichen Schlafposition hat womöglich auch hierzulande schon gewirkt. So verzeichnete das Statistische Bundesamt für 1992 insgesamt 924 Fälle von plötzlichem Kindstod - 361 Fälle weniger als im Jahr zuvor.

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