Bis in die Mesosphäre Vulkanausbruch in Tonga hat die höchste jemals auf der Erde gemessene Aschewolke erzeugt

Wissenschaftler hatten es schon vermutet, nun sind sie sich sicher: Nie war eine Aschewolke höher als beim diesjährigen Vulkanausbruch in Tonga. Erstmals durchbrach ausgestoßenes Material die Stratosphäre.
Vulkanausbruch in Tonga (Bild vom 14. Januar)

Vulkanausbruch in Tonga (Bild vom 14. Januar)

Foto: Tonga Geological Services / ZUMA Wire / IMAGO

Ein Vulkanausbruch in Tonga Anfang des Jahres hat die höchste jemals auf der Erde gemessene Aschewolke erzeugt. Die Eruptionssäule drang mit 57 Kilometern sogar in die dritte Schicht der Erdatmosphäre vor, die Mesosphäre. Die Vermutung dazu bestand schon – nun haben Forscherinnen und Forscher der Universität Oxford sie bestätigt. Der Untersee-Vulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai war Mitte Januar 2022 ausgebrochen und hatte eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert.

Die Forschungsarbeit, an der auch die Hochschule für angewandte Wissenschaften München beteiligt war, wurde in der Fachzeitschrift »Science« veröffentlicht.

Tsunami-Wellen bis Japan und Südamerika

Die Eruption löste Tsunami-Wellen aus, die selbst in Japan, Alaska und Südamerika noch an die Küsten schwappten. Nach dem Ausbruch gab es tagelang kaum Informationen aus dem polynesischen Inselstaat, der 2300 Kilometer nordöstlich von Neuseeland liegt. Das Königreich mit 107.000 Einwohnern war mit einer dicken Ascheschicht bedeckt, die auch das Trinkwasser verschmutzte. Der Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai liegt nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku’alofa unter der Meeresoberfläche.

Bis jetzt habe den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aber eine Methode gefehlt, um präzise zu messen, wie hoch die Aschewolke war, hieß es in einer Mitteilung. Die von Wettersatelliten alle zehn Minuten aufgenommenen Bilder, durch die die schnellen Änderungen der Flugbahn der Wolke dokumentiert wurden, hätten dies zusammen mit dem Phänomen des sogenannten Parallax-Effekts nun möglich gemacht.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Wolke eine Höhe von 57 Kilometern erreicht habe. »Dies ist deutlich höher als die bisherigen Rekordhalter«, so die Forschenden. Die bisher höchste bekannte Eruptionssäule, die mit Satelliten vermessen wurde, hatte 1991 der Vulkan Pinatubo auf den Philippinen in die Luft geworfen. Sie habe eine Höhe von 40 Kilometern erreicht, hieß es. Die Wolke des El Chichón in Mexiko stieg 1982 etwa 31 Kilometer in die Höhe.

Die Eruption des Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai sei der erste beobachtbare Beweis für einen Vulkanausbruch, dessen Material durch die Stratosphäre hindurch in die Mesosphäre injiziert worden sei, hieß es. Diese beginnt etwa 50 Kilometer über der Erdoberfläche.

»Dies ist ein außergewöhnliches Ergebnis, da wir noch nie zuvor eine so hohe Wolke jeglicher Art gesehen haben«, sagte Hauptautor Simon Proud von der University of Oxford. Zudem sei es erst jetzt durch die gute Satellitenabdeckung möglich, die Höhe einer Eruptionssäule mit der Parallaxenmethode zu berechnen. »Vor einem Jahrzehnt wäre das noch nicht möglich gewesen.«

Co-Autor Andrew Prata sagte: »Weitere wissenschaftliche Fragen, die wir verstehen möchten, sind: Warum stieg die Tonga-Wolke so hoch? Welche klimatischen Auswirkungen wird dieser Ausbruch haben? Und woraus genau bestand die Wolke?«

ani/dpa

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