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Rückenschmerzen Überflüssige Therapien

aus DER SPIEGEL 31/1994

Obgleich sich die Beweise häufen, verschließen viele Orthopäden ihre Augen fest vor einer für sie irritierenden Tatsache: Zwischen den im Röntgenbild gefundenen anatomischen Abnormitäten der Wirbelsäule und Klagen über Rückenschmerzen lassen sich oft keinerlei ursächliche Zusammenhänge feststellen. Das erklärt auch, warum so viele Bandscheibenoperationen zu unbefriedigenden Ergebnissen führen und Rückenschmerzen häufig ohne Behandlung wieder verschwinden. Mehrere wissenschaftliche Studien in den letzten Jahren haben gezeigt, daß viele Menschen über Rückenschmerzen besonders im Lendenbereich klagen, ohne daß die Ärzte entsprechende Veränderungen an Bandscheiben auf Röntgenaufnahmen, Computertomographien oder Kernspintomographien entdecken können. Dieser offenbar fehlende Zusammenhang zwischen Rückenbeschwerden und dem optisch nachweisbaren Zustand der Bandscheiben wurde jetzt von amerikanischen Ärzten am Hoag Memorial Hospital in Newport Beach (US-Staat Kalifornien) erneut bestätigt. Die US-Mediziner hatten 98 Männer und Frauen mit Hilfe von Kernspintomographen untersucht. Bei zwei von drei der Untersuchten fanden die Mediziner Abnormitäten der Wirbelsäule - jedoch keine einzige der untersuchten Personen klagte deswegen über Rückenschmerzen. Die Tomographieaufnahmen zeigten dabei auch scheinbar so gravierende Befunde wie vorquellende Bandscheiben, die bei schmerzgeplagten Patienten häufig Anlaß für einen operativen Eingriff sind.

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