Übersterblichkeit bei Rekordtemperaturen Vermutlich Tausende Tote durch Hitzewelle

Im Juli starben in Deutschland deutlich mehr Menschen als in den vergangenen Jahren in dem Monat. Fachleute des Statistischen Bundesamtes machen die extrem hohen Temperaturen dafür verantwortlich.
Während Hitzewellen sterben vor allem alte Menschen mit Vorerkrankungen

Während Hitzewellen sterben vor allem alte Menschen mit Vorerkrankungen

Foto: Rene Traut / imago images/Rene Traut

Im Juli sind in Deutschland wohl auch aufgrund der Hitze zwölf Prozent mehr Menschen gestorben als im Mittel der Jahre 2018 bis 2021 für diesen Monat. Das geht aus einer Hochrechnung hervor, die das Statistische Bundesamt am Dienstag  in Wiesbaden veröffentlichte. Insgesamt wurden demnach 85.285 Todesfälle gezählt. Das sind 9130 mehr als der Durchschnittswert.

Auffällig ist, dass – wie bereits im Juni – die Sterbefallzahlen vor allem in Phasen sehr hoher Temperaturen erhöht gewesen seien, so das Amt. So lagen sie in den Kalenderwochen 28, 29 und 30 (11. bis 31. Juli) mit einem jeweiligen Plus von 16 Prozent, 24 Prozent und 14 Prozent deutlich über den Vergleichswerten.

»Dass im Zuge von Hitzewellen die Sterbefallzahlen ansteigen, ist ein bekannter Effekt, der bereits in den Vorjahren beobachtet wurde«, erklärten die Statistiker. »In diesem Jahr sind jedoch bereits bis Ende Juli außergewöhnlich viele Wochen von diesem Effekt betroffen.«

Tausende Hitzetote in den vergangenen Hitzesommern

Das bestätigen auch Mediziner: »Die Erfahrung der Vergangenheit und die Ergebnisse von statistischen Modellen weisen ganz klar darauf hin, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Hitzewellen und den zusätzlich aufgetretenen Todesfällen gibt«, erklärte Stefan Muthers vom Zentrum für Medizinmeteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes im »Deutschlandfunk« . Betroffen seien vor allem Menschen mit Vorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen. »Wenn wir über die Sterbefälle reden, dann geht es natürlich vor allem um ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.«

Die bislang höchste Temperatur des Jahres wurde dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge am 20. Juli gemessen, als in Hamburg-Neuwiedenthal 40,1 Grad erreicht wurden. In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts während der Hitzewelle im Sommer 2003 etwa 7600 Menschen infolge der hohen Temperaturen gestorben. In den Jahren 2006 und 2015 seien es jeweils mehr als 6000 gewesen.

Forscherinnen und Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts, des Umweltbundesamtes und des Deutschen Wetterdienstes hatten erst vor wenigen Wochen eine Studie zu den Hitzesommern 2018 bis 2020 veröffentlicht. Insgesamt seien dabei 19.300 Menschen durch die Auswirkungen der Hitze ums Leben gekommen. Damit sei zum ersten Mal seit 1992, seit Beginn des Untersuchungszeitraums, eine Übersterblichkeit aufgrund von Hitze in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgetreten.

Coronaeffekt vernachlässigbar

Das Bundesamt für Statistik betrachtet in seiner monatlichen Statistik auch die Coronatodesfälle: Ein Vergleich der gesamten Sterbefälle mit der Zahl der beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Covid-19-Todesfälle ist dem Statistikamt zufolge nur bis einschließlich der 28. Kalenderwoche (11. bis 17. Juli) möglich.

Den Angaben zufolge wurden beim RKI bislang 508 Coronatodesopfer mit Sterbedatum in dieser Woche gemeldet. Die gesamten Sterbefallzahlen lagen in der 28. Kalenderwoche um 2525 Fälle (16 Prozent) über dem mittleren Wert der vier Vorjahre. Während die Coronazahlen von Anfang April bis Mitte Juni zurückgegangen seien, hätten sie seitdem wieder leicht zugelegt. »Die erhöhten Sterbefallzahlen in dieser Zeit erklären sie dennoch nur zu einem geringen Teil«, hieß es.

sug/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.