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Unter Zugzwang

aus DER SPIEGEL 26/1992

suchen neuerdings Softwarefirmen jene altmodischen Modell-Eisenbahner zu setzen, die auf raumfüllenden Sperrholzplatten schwarzglänzende Loks durch Pappmache-Landschaften schicken. Die Tage der klassischen Kipphebelweiche sind gezählt.

Im ersten Anlauf der Modellbahn-Modernisierung wurde der schlichte Trafo-Drehschalter durch digitale »Mehrzugsteuerungen« namens »Delta« oder »FMZ« ergänzt. Doch die Reise geht schon weiter: Die Hobby-Loks der neuesten Generation surren nur noch über den Computerbildschirm. Jüngste Errungenschaft ist »CATD« (Computer Aided Transit Design), die Eisenbahnsimulation am Heimrechner.

Die neue Software erlaubt es, weitläufige Modellbahnanlagen anstatt auf dem Dachboden oder in der Garage nunmehr auf dem Schreibtisch zu betreiben. Bei Spiel- und Simulationsprogrammen wie »Design Your Own Railroad« (Bau dir deine Eisenbahn), »PC-Railroad« oder »Locomotion« kann der Hobby-Bahner (mittels Computermaus als Steuergerät) auf dem Monitor ausgedehnte Schienennetze anlegen, Bahnhöfe bauen, Weichen stellen und Züge dirigieren. Bei »Railroad Tycoon« muß er sich als Eisenbahnmagnat behaupten. Mit dem jüngsten Programm der Gattung, »A-Train« aus Japan, läßt sich die Nahverkehrsplanung einer Großstadt auf dem PC simulieren*.

A-Train, eine Software-Mischung aus Modellbahn und Monopoly, wird von der kalifornischen Firma Maxis angeboten, deren Simulationsspiele wie »Sim City« oder »Sim Ant« (eine _(* »Design Your Own Railroad« (für PC und ) _(Apple). Abracadata/USA; 59,95 Dollar. ) _("Locomotion« (für Commodore »Amiga"). ) _(Kingsoft, Aachen; 79,95 Mark. ) _("PC-Railroad«. TWD-Freeware/USA; 6,50 ) _(Dollar. »A-Train« (für PC). Maxis/USA; ) _(69,95 Dollar. ) digitale Ameisenkolonie - SPIEGEL 51/1991) weltweite Bestseller wurden. Diesmal soll sich der Spieler am PC als Fahrdienstleiter bewähren, darüber hinaus noch als Stadtplaner und Finanzjongleur; Fahrplanfehler im Berufsverkehr etwa wirken sich verheerend auf die Wirtschaft aus. Um Pannen zu verhindern, können neue Züge in einem »Testfenster« auf dem Bildschirm erprobt werden, als Simulation der Simulation.

Ein Vorteil der nur noch im Computer programmierten Züge: Entgleisungen bleiben, anders als bei der traditionellen Hobby-Eisenbahn mit ihren empfindlichen Modellen, folgenlos. Bei Kollisionen dringt das häßliche Krachen und Kreischen von Metall nur noch simuliert aus dem PC-Lautsprecher.

So können die Computerbahner ihren niederen Instinkten freien Lauf lassen: »Eisenbahnzusammenstöße«, bekannte der Softwarekritiker der US-Zeitschrift PC Magazine, »finde ich total faszinierend.«

* »Design Your Own Railroad« (für PC und Apple). Abracadata/USA;59,95 Dollar. »Locomotion« (für Commodore »Amiga"). Kingsoft,Aachen; 79,95 Mark. »PC-Railroad«. TWD-Freeware/USA; 6,50 Dollar."A-Train« (für PC). Maxis/USA; 69,95 Dollar.

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