Treffen in Uruguay Verhandlungen über erstes globales Abkommen gegen Plastikmüll beginnen

Es wäre die erste globale Koalition zu Bekämpfung von Plastikverschmutzung: Bis 2024 wollen 200 Länder ein rechtsverbindliches Abkommen schließen. Die erste Verhandlungsrunde hat nun begonnen, weitere sind bereits geplant.
Plastikmüll an der Küste von Bali: Uno-Angaben zufolge nimmt die Kunststoffverschmutzung rapide zu

Plastikmüll an der Küste von Bali: Uno-Angaben zufolge nimmt die Kunststoffverschmutzung rapide zu

Foto: Koldunov / Getty Images / iStockphoto

Millionen Tonnen Plastik treiben in den Weltmeeren, für Menschen wie Tiere ist das ein Problem. Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen und Umweltverbänden haben nun Verhandlungen über ein verbindliches globales Abkommen gegen Plastikverschmutzung aufgenommen.

Die von den Vereinten Nationen organisierte Konferenz im Ferienort Punta del Este in Uruguay dauert noch bis Freitag, am Ende soll einen Vertrag zur Eindämmung der Verschmutzung durch Einwegplastik, Geisternetze oder Mikroplastik stehen. Eine Resolution, die den Verhandlungen den Weg ebnete, war im März bei der Uno-Umweltversammlung im kenianischen Nairobi verabschiedet worden.

Das Komitee soll demnach bis Ende 2024 eine Konvention erarbeiten, in der verbindliche Regeln und Maßnahmen für den gesamten Lebenszyklus von Plastik festgeschrieben werden. Nach dem einwöchigen Treffen im südamerikanischen Uruguay sind im kommenden Jahr weitere Verhandlungsrunden in Frankreich und in Kenia vorgesehen.

Mehr als 35 Staaten

Nach der Uno-Umweltversammlung hatte sich eine Koalition ambitionierter Länder unter der Führung von Norwegen und Ruanda gebildet, die bei den Verhandlungen ein Ende der Plastikverschmutzung bis 2040 erreichen will. Ihr gehören inzwischen mehr als 35 Staaten an, darunter auch Deutschland.

Uno-Angaben zufolge nimmt die Kunststoffverschmutzung rapide zu. Das stelle ein ernstes globales Umweltproblem dar. Ergreife man nicht die notwendigen Maßnahmen, könne sich die Menge an Kunststoffabfällen, die in Meere und andere Gewässer gelangen, von jährlich etwa 9 bis 14 Millionen Tonnen im Jahr 2016 auf voraussichtlich 23 bis 37 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2040 mehr als verdoppeln, hieß es. Die größten Treiber sind nach Angaben des Bundesumweltministeriums das Verpackungs-, das Fahrzeug- und das Baugewerbe.

Drei Müllformen besonders problematisch

Die drei problematischsten Müllformen sind nach Einschätzung der Umweltschutzorganisation WWF vor allem Einwegplastik, Geisternetze und Mikroplastik. »Zusammen stammt fast der gesamte Plastikmüll im Meer aus diesen drei Quellen«, sagte Alois Vedder von WWF Deutschland.

Auch Tiere leiden unter den riesigen Mengen an Plastikmüll in ihrem Lebensraum. Laut einer Studie des Alfred-Wegener-Instituts sind mehr als 2000 Tierarten mit Plastikverschmutzung konfrontiert. Fast 90 Prozent der untersuchten Arten sind negativ betroffen.

Statt der bisherigen Mischung aus freiwilligen und verpflichtenden, nationalen und regionalen Regelungen dringen Naturschützer nun auf ein global verbindliches Abkommen gegen Plastikverschmutzung. »Die Aufgabe der Wirtschaft ist es in Zukunft, haltbare und vollständig wiederverwertbare Kunststoffwaren herzustellen«, heißt es in einer Stellungnahme der Umweltschutzorganisation Greenpeace. »Zur Verantwortung der Regierungen gehört es, Anreize für eine echte Kreislaufwirtschaft zu schaffen und Innovationen zu belohnen.«

ani/dpa

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