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MEDIZIN Verbot von Ultraschall

aus DER SPIEGEL 28/2002

In Indien sind alle routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen für Schwangere unter 35 Jahren verboten worden. Mit dem Gesetz reagiert die Regierung auf den Missbrauch der Ultraschalltechnik als Methode zur Geschlechtswahl. Traditionell stehen Jungen bei indischen Paaren höher im Kurs als Mädchen. Entsprechend hat sich mit der Zunahme von Ultraschalluntersuchungen das Geschlechterverhältnis nochmals zu Ungunsten der Mädchen verschoben: Kamen vor zehn Jahren noch 945 Mädchen pro 1000 Jungen zur Welt, sind es heute im Landesdurchschnitt nur noch 927. Im konservativen Norden Indiens liegt das Verhältnis in einigen Gebieten sogar bei nur 779 Mädchen zu 1000 Jungen. Viele Ärzte allerdings kritisieren das Behandlungsverbot als kollektive Bestrafung für das Fehlverhalten Einzelner. Wenn die Entwicklung des Embryos nicht überwacht werde, könne es zu höherer Müttersterblichkeit und zu Problemen bei der Geburt kommen, so ihre Sorge. »Diejenigen, die dieses Gesetz gemacht haben, sind schlecht informiert«, sagt der indische Gynäkologe Tripat Choudhary. »Ich bin absolut gegen die selektive Abtreibung - dennoch werde ich meinen Patientinnen weiterhin die Untersuchung anbieten, weil sie ein Recht auf eine sichere Geburt haben.«

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