Zur Ausgabe
Artikel 103 / 130

Brückenbau Vergewaltigtes Tal

aus DER SPIEGEL 32/1996

Technisches Denken, schimpfte der sonst industriefreundliche Pariser Figaro, habe wieder mal einen »großen Sieg« über kulturelle Einfühlsamkeit davongetragen. Objekt des Ärgers sowie einer hitzigen nationalen Debatte ist eine Monsterbrücke, die von 2001 an die letzte Lücke in der neuen Autobahn zwischen Clermont-Ferrand in der Auvergne und der Mittelmeerstadt Béziers schließen soll. Das fast 2,5 Kilometer lange Viadukt mit sieben Pfeilern, der größte davon mit 350 Metern höher als der Eiffelturm, wird das Flüßchen Tarn überspannen - als Verbindung zwischen rund 600 Meter hohen Steilklippen. Kostenvoranschlag, an den schon jetzt niemand mehr glaubt: 1,5 Milliarden Francs.

Architekt der Hyper-Brücke ist der Brite Norman Foster, der in Honkong das teuerste Gebäude der Welt, die Hongkong and Shanghai Bank, hochgezogen hat. Umweltschützer werfen dem Brückenplaner vor, das gigantische Netzwerk aus Trägern und Trossen »vergewaltige« die Landschaft des durch seine pittoresken Schluchten berühmten Tarn.

[Grafiktext]

Viadukt zwischen Clermont Ferrand und Beziers

[GrafiktextEnde]

Zur Ausgabe
Artikel 103 / 130
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.