Verhütung für den Mann So sollen Spermien gezielt ausgeschaltet werden

Ohne Hormone: Ein Forschungsteam präsentiert einen neuen Weg, um Samenzellen unfruchtbar zu machen. Kommt endlich ein neues Verhütungsmittel für den Mann?
Paar (Symbolbild): In einem Ejakulat stecken Millionen Spermien

Paar (Symbolbild): In einem Ejakulat stecken Millionen Spermien

Foto: Tara Moore / Getty Images

Wer eine Schwangerschaft verhindern will, hat statistisch gesehen eigentlich nicht so schlechte Karten: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Spermium eine Eizelle befruchtet, liegt bei eins zu 500 Millionen, die Chancen für einen Hauptgewinn in der Lotterie stehen besser. Warum trotzdem Babys zur Welt kommen? Es gibt einfach ungeheuer viele Spermien. Pro Erguss verlassen etwa 20 bis 60 Millionen Samenzellen den männlichen Körper.

Ein internationales Forschungsteam hat nun einen Weg entwickelt, mit dem sich wahrscheinlich jedes einzelne Spermium ausschalten ließe. Die Studie weckt Hoffnungen auf ein neues Verhütungsmittel, denn bisher ist das Repertoire für Männer – abgesehen von Kondomen – überschaubar.

Hormonelle Verhütungsmethoden etwa zielen auf den weiblichen Körper ab, indem sie unter anderem einen Eisprung verhindern. Die Hormonspritze für den Mann ist dagegen schon vor mehr als zehn Jahren gescheitert, wegen Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Verlust der Libido. Die mögliche Verhütung, die Forscherinnen und Forscher aus den USA und Belgien nun im Fachblatt »PNAS«  vorstellen, kommt ganz ohne Hormone aus.

Das Prinzip: Ein Spermium muss seine Oberflächenspannung verändern, ehe es in eine Eizelle eindringen kann. Dafür pumpt es Kaliumionen über einen Kanal aus der Zelle heraus. Im Fachjargon heißt das Hyperpolarisation. Dieser Prozess findet im sogenannten SLO3-Kanal statt. Die Forschenden haben nun eine Substanz gefunden, die ihn blockieren kann. Die Spermien können dann nicht mehr in eine Eizelle eindringen, auch ihre Beweglichkeit wäre gehemmt, sie werden unfruchtbar. So die Theorie.

»Medikamente, die auf dem SLO-3-Hemmer basieren, könnten verhindern, dass menschliche Spermien Eizellen befruchten«, schreiben die Studienautoren um Celia Santi von der Washington University School of Medicine. Und nicht nur das. Die Entdeckung könnte auch erklären, warum einige Männer unfruchtbar sind, bei denen der SLO-3-Kanal verändert ist.

Bis zum fertigen Verhütungsmittel ist es noch ein weiter Weg

»Mutationen des Kanals, die dessen Funktion beeinträchtigen, könnten ein Grund für bislang nicht erklärbare Fälle von männlicher Infertilität sein«, sagt auch Artur Mayerhofer vom Biomedizinischen Centrum München dem Science Media Center, der nicht an der Studie beteiligt war. Das Potenzial eines neuen Verhütungsmittels sei klar vorhanden. Allerdings skizziert er bis dahin einen weiten Weg:

  • Bisher basieren die Studienergebnisse auf Experimenten im Labor. Ob die blockierten Spermien auch im echten Leben unfruchtbar sind, müssen weitere Studien bei Tieren und Menschen zeigen.

  • Dann müsste nachgewiesen werden, dass die Substanz gut verträglich ist.

  • Entscheidend sei schließlich auch die Frage, wie hoch die Verhütungssicherheit wirklich ist.

»Es ist also noch ein weiter Weg, der sich aber lohnen könnte«, sagt Mayerhofer. Es bestehe Bedarf an neuen Verhütungsmethoden, die möglichst wenig in den Körper von Frauen und Männern eingreifen. Gerade die Pille kann zu Nebenwirkungen führen und ist bei Frauen zunehmend unbeliebter .

Zumindest was die Verträglichkeit angeht, gibt es Anlass zu Optimismus. Denn die SLO3-Kanäle kommen nach allem was Medizinerinnen und Mediziner wissen, ausschließlich in Spermien vor und in keiner anderen Körperzelle.

Sollte aus diesen Erkenntnissen tatsächlich ein Verhütungsmittel entwickelt werden, bliebe die Anwendung trotzdem wohl mal wieder an Frauen hängen. Mayerhofer hält etwa eine vaginale Anwendung als Gel am wahrscheinlichsten.

koe
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