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E-MAIL Verräterische Festplatte

aus DER SPIEGEL 47/1998

Mit Schrecken blickt die Computerbranche in die Abgründe, die sich im laufenden Gerichtsverfahren gegen Microsoft auftun: Ermittler zitieren auf der Suche nach möglichen Verstößen gegen das Kartellrecht genüßlich aus den elektronischen Briefen, die sie von Festplatten und längst vergessenen Speicherbändern geklaubt haben. Da hatte ein Microsoft-Manager Vorschläge gemacht, wie man am besten »Netscape absägen« könne. Bill Gates selbst sann darüber nach, wie man Apple dazu bringen könne, die »Pläne von Sun zu untergraben«. Anwälte aller Parteien ziehen in den Kreuzverhören immer wieder solche E-Mails als Beweismittel heran. Nun rächt sich, daß spontan Getipptes oft noch jahrelang in elektronischen Speichern lagert, auch wenn der Autor meint, es sei längst aus der Welt. Selbst wer kompromittierende Daten auf dem eigenen PC löscht, weiß nie, an welchen Stellen im Firmennetz beiläufig Sicherheitskopien angefertigt werden und welcher der Empfänger Dateien aufbewahrt oder gar weiterverteilt. Galt die elektronische Post noch vor kurzem als Instrument des zwanglosen Gedankenaustausches, plagt die Bosse nun die Angst vor unentdeckt tickenden Zeitbomben. Schon ist Software auf dem Markt, die den Inhalt von Nachrichten nach anstößigen Textpassagen filzen soll.

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