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ANTHROPOLOGIE Vulkanischer Flaschenhals

aus DER SPIEGEL 50/1998

Die noch immer enge genetische Verwandtschaft aller derzeit lebenden Menschen sei, so vermuten viele Anthropologen, das Ergebnis einer globalen, lange zurückliegenden Katastrophe. Sowohl die Zahl der Menschen insgesamt wie auch deren genetische Variationsbreite müßten durch so einen vorgeschichtlichen »Flaschenhalseffekt« irgendwann stark geschrumpft sein. Der Archäologe Stan Ambrose von der University of Illinois glaubt nun, den Auslöser dieser Entwicklung gefunden zu haben: den vielleicht größten Vulkanausbruch der Erdneuzeit. Vor 73 500 Jahren, so hat der New Yorker Geologe Michael Rampino errechnet, schleuderte der Mount Toba in Sumatra 20 Milliarden Tonnen Staub in die Atmosphäre, 4000mal soviel wie 1980 der Mount St. Helens im US-Staat Washington. Im folgenden dreijährigen »Vulkanwinter« müßten die durchschnittlichen Sommertemperaturen in den höheren Breiten um bis zu 15 Grad gefallen und wahrscheinlich 75 Prozent des pflanzlichen Lebens abgestorben sein. Vielleicht nur einige tausend Menschen, so folgert Ambrose aus diesen Daten, haben damals in Afrika, Europa und Asien überlebt. Sie wurden nach 60 000 Jahren relativer Wärme »plötzlich in den Eisschrank« der gleichzeitig beginnenden 1000jährigen Kälteperiode »geworfen«.

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