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Wahnsinn beim Joggen?

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aus DER SPIEGEL 21/1986

Wer Stimmen hört und Dinge sieht, die die Mitmenschen nicht gewahr werden, ist nicht unbedingt verrückt. Auf diese beruhigende Tatsache macht jetzt der Gießener Mediziner Dr. Rainer Gliemann in dem Fachblatt »Ärztliche Praxis« aufmerksam. Neben »der Einnahme von Halluzinogenen« könnten auch Reizüberflutung Schlafentzug, Fasten, ja selbst Tauchen und Bergsteigen zu einem,veränderten Wachbewußtsein führen«. Vor allem Extrem-Jogger kennen die Wahn-Wirkung eines Laufens bis an den Rand des Zusammenbruchs, wie Süchtige keuchen sie so oft ins Halluzinozän. Ausgelöst werden die Wahnzustände, die sich bis »zu Erregung und völliger Dissoziation der Gedanken steigern« können, durch eine veränderte »Sauerstoff- und Kohlendioxidspannung im Blut«. Allerdings: »Sind die psychotischen Symptome nach zwölf bis allerhöchstens 24 Stunden nicht abgeklungen«, so Gliemann, »wird man ein schizophrene Episode diagnostizieren müssen.«

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