Fund auf Wangerooge Naturschützer entdecken zufällig zwei seltene Seepferdchen

Eigentlich galten Kurzschnäuzige Seepferdchen seit fast hundert Jahren als weitgehend verschwunden. Nun wurden zwei Exemplare auf Wangerooge gefunden.
Zwei Kurzschnäuzige Seepferdchen in der Hand eines Naturschutzwarts auf Wangerooge

Zwei Kurzschnäuzige Seepferdchen in der Hand eines Naturschutzwarts auf Wangerooge

Foto: Peter Kuchenbuch-Hanken / dpa

Naturschutzwarte haben auf der ostfriesischen Insel Wangerooge zwei seltene Kurzschnäuzige Seepferdchen entdeckt. Die Tiere seien vergangene Woche bei einer sogenannten Spülsaumkontrolle entdeckt worden, bei der die Strände eigentlich nach Müll und toten Vögeln abgesucht würden, sagte der Geschäftsführer der zuständigen Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft Mellumrat, Mathias Heckroth. Dabei seien den Naturschützern am Nordstrand kurz hintereinander die beiden leblosen, nur wenige Zentimeter großen Tiere aufgefallen. Experten der Nationalparkverwaltung bestimmten beide Tiere als Kurzschnäuzige Seepferdchen (Hippocampus hippocampus).

Warum die Tiere an den Strand gespült wurden, ist nicht klar. »Es ist schon sonderbar, dass gleich zwei Seepferdchen gefunden wurden«, sagte Heckroth. Denn eigentlich seien die Tiere aus dem Wattenmeer seit den Dreißigerjahren weitgehend verschwunden. Eine Pilzinfektion vernichtete damals viele Seegraswiesen. »Damit war der Lebensraum der Tiere verschwunden«, sagte Heckroth.

Doch seit einigen Jahren wurden vereinzelt wieder Funde gemeldet. Sie könnten ein Anzeichen sein, dass sich der Bestand im Wattenmeer langsam erhole. Das Internetportal Beach Explorer , auf dem Funde vieler Tierarten registriert werden, weist für das Kurzschnäuzige Seepferdchen an der Nordsee insgesamt 23 Meldungen aus.

Weltweit mehr als hundert Arten bekannt

Zuletzt sorgte etwa der Fund von gleich zwei lebenden Kurzschnäuzigen Seepferdchen bei Borkum im Sommer 2020 für Aufsehen. Ein Junge hatte zunächst ein Tier im Hafen gefunden, Fischer fanden an Bord eines Kutters kurz darauf ein zweites. Beide kamen in das Aquarium der Insel. Im Herbst 2020 entdeckten auch Forscher des Thünen-Instituts für Seefischerei in Bremerhaven während einer Erfassung von Jungtieren zwei Seepferdchen in ihren Netzen.

Die beiden Tiere von Wangerooge sollen nun in die Sammlung des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg aufgenommen werden. Die Naturschutzwarte sicherten die Seepferdchen und legten sie auf Eis.

Nach Angaben des Vereins Schutzstation Wattenmeer  in Husum gibt es weltweit etwa hundert Arten von Seepferdchen, die zwischen 1,5 und 35 Zentimeter groß werden. Kurz- und Langschnäuziges Seepferdchen sind von Europas Küsten bekannt – im Wattenmeer kommt eher das Kurzschnäuzige vor. Es hat keine oder kurze Fransen auf dem Kopf, seine Schnauze ist kürzer als ein Drittel der Kopflänge und aufwärts gebogen. Seepferdchen schlürfen kleine Beutetiere wie Plankton in weniger als einer Hundertstelsekunde mit ihrem Rüssel ein. Der blitzschnelle Saugakt erzeugt ein hörbares Klicken.

bam/dpa